Laufarzt Marquardt: Selbsttest mit Training bei 36 Grad Celsius

Nichts ist unmöglich

Hannover
2 Min.

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Sportarzt Matthias Marquardt im Interview mit TOPSHOP-Kolumnist Martin Schwarzkopf vor einem gemeinsamen Lauf im Jahr 2016. Foto: Tim Schaarschmidt
Foto: Tim Schaarschmidt
Matthias Marquardt ist eine feste Größe in der deutschen Laufszene: Der Internist und Sportmediziner aus Hannover ist nicht nur der Autor der »Laufbibel«, eines der Standardwerke hierzulande für Ausdauersportler. Er ist auch ein gefragter und oft zitierter, wenn auch nicht immer unumstrittener Experte für alle sportmedizinische Fragen.

Deshalb lässt es aufhorchen, wenn ausgerechnet dieser Arzt sich auf seinen Social-Media-Kanälen mit der Frage beschäftigt, ob ein Trainingslauf in der Mittagspause in diesem hitzigen Sommer bei 36 Grad Celsius vertretbar ist oder nicht. Seine wichtigste Botschaft: Ein idealer Zeitpunkt fürs Training ist die Mittagspause an heißen Tagen ganz sicher nicht: »Lauft frühmorgens, lauft spätabends, wenn eben keine Hitze ist«, betont Marquardt gleich zu Beginn seines Videos – um dann selbst bei Höchsttemperaturen loszulaufen.

Wenn es eben nicht anders gehe, müssten unbedingt einige wichtige Regeln beachtet werden, so der Läufer-Doc. Die erste davon lautet: Vorher sehr viel trinken, um ausreichend hydriert zu sein. Dann könne man auch einen einstündigen Lauf ohne Wasserflasche überstehen, ist Marquardt sicher. Und: Direkt, wenn man nach Hause komme, gelte es, Flüssigkeit umfassend nachzuladen. Bei langen Läufen rät Marquardt dazu, die Gesamtdistanz in kleine Runden rund um die eigene Wohnung zu zerlegen – um dort die Trinkpausen einzulegen. Wenn das gar nicht geht, sollte man zum Trinkgürtel oder zum Laufrucksack greifen.

Marquardts zweiter Tipp: Bei Hitze unbedingt langsamer als sonst üblich laufen! Die Belastung für den Kreislauf, für Blutdruck und Puls sei immens, auch klassische Instrumente der Trainingssteuerung wie die Pulsuhr seien wenig hilfreich. Der Körper arbeite auf Hochtouren an der Kühlung, »das ist sehr, sehr anstrengend für den Kreislauf«.

Deshalb ist es aus Marquardts Sicht entscheidend, bei Hitze die Trainingsroute besonders klug zu wählen: Der größte Teil sollte unbedingt durch den Wald führen, rät der Sportmediziner. »Da geht es gleich viel besser«, sagt er in seinem Video, die Temperatur sinke um gut ?5 Grad Celsius, die Luft sei feuchter, das ganze Laufgefühl angenehmer.

Und noch ein Aspekt sollte bei der Routenplanung unbedingt bedacht werden: »Kühlen, kühlen, kühlen« – dafür sollte man gezielt die Möglichkeiten schaffen, etwa indem die Laufrunde wie bei Marquardts Selbsttest an einem Badesee vorbeiführt. Andere Möglichkeiten sind öffentliche Wasserstellen, Kneipp-Becken oder wieder die eigene Wohnung (oder das eigene Auto) als Basislager für kühlende Schwämme, wie sie auch bei großen Rennen gereicht werden.

Noch wichtiger als sonst ist nach Einschätzung des Lauf-Docs die richtige, weil luftige Funktionsbekleidung. Möglichst viel Haut freizulassen hält der Sportarzt ebenfalls für sinnvoll, deshalb trainiert er nach eigenem Bekunden auch gerne mit freiem Oberkörper. Allerdings müsse man dabei darauf achten, dass man eine schattige Laufroute gewählt hat – die Sonnenbrandgefahr ist schließlich gerade beim Hitzetraining außergewöhnlich hoch.
Überhaupt kein Verständnis hat der Internist für die nicht auszuräumende These, dass kalte Getränke nicht zu empfehlen seien. Marquardt greift, wie er im Video sagt, selbstverständlich nach dem Hitzetraining zu kühler Flüssigkeit – denn sie wirkt aus seiner Sicht kühlend auf den Organismus. Und auch eine kalte Dusche steht bei ihm nach der Hitzeschlacht auf dem Programm.

Marquardts Fazit fällt nach dem Hitze-Selbsttest eindeutig aus: Kann man mal machen, wenn man fit und gesund ist – sinnvoll, effektiv und empfehlenswert ist es aus seiner Sicht aber nicht, bei 36 Grad Celsius zu laufen.

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