Winzer der Region: Wie Alexander Paul und Peggy Müller am Klotzenhof ihre Weinberge bewirtschaften

Traumhafte Lage, Reduktion von Fungiziden

Großheubach
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Alexander Paul mit seiner Lebensgefährtin Peggy Müller vor dem Weingott "Bacchus". Dieser wurde aus zehn Tonnen Beton und Stein gearbeitet. Aus seinem Bauch heraus kann auch Wein fließen.
Foto: Christel Ney
Vom Paul'schen Weinhof aus hat man eine tolle Aussicht.
Foto: Christel Ney
Als Alex­an­der Paul (53) das Ge­län­de sei­nes heu­ti­gen Wein­ho­fes im Großh­eu­ba­cher Orts­teil Klot­zen­hof 1999 über­nahm, gab es dort noch kei­nen Wein­berg. Ihn reiz­te die traum­haf­te La­ge und die vor­ge­fun­de­nen Ge­bäu­de. Et­was ab­seits di­rek­ter Nach­barn kann er auf großz­ü­g­i­gem Ge­län­de in Ru­he sei­ner Ar­beit nach­ge­hen, ei­ne Hä­cke und wei­te­re Events ver­an­stal­ten.

Sein Vater hatte 1983 mit dem Weinbau in Miltenberg begonnen. Schon lange gab es dort keine Häcke mehr und so hat er diese Tradition wieder aufleben lassen. Drei Jahre später ist Sohn Alexander bereits in den Betrieb mit eingestiegen. Durch verschiedene Probleme mit den Behörden und dem Häckerbetrieb wurde die Häcke an dem neuen Standort in die Nähe des alten Rathauses geöffnet. Als sich die Gelegenheit bot, an seinem neuen Betriebsort Klotzenhof einen größeren Acker zu erwerben, kaufte er das Gelände und legte 2019 einen Weinberg an. Da er seine zu bewirtschaftende Gesamtfläche von 2,5 Hektar Weinberg, die er mit seiner Lebensgefährtin Peggy Müller bewirtschaftet, nicht vergrößern wollte, verkaufte er einen Teil seiner Weinberge im Tal oder gab Pachtflächen zurück. Heute hat er noch Lagen in Eigentum und Pacht am Großheubacher Bischofsberg, Miltenberger Steingrübler und Bürgstadter Centgrafenberg, davon nur noch 0,3 Hektar Terrassenlagen.

Insgesamt werden 70 Prozent mit den Weißweinsorten Müller-Thurgau, Riesling, Silvaner, Chardonnay, Weißburgunder, Sauvignon gris, Muscaris und Sauvignac und zu 30 Prozent mit den Rotweinen Spätburgunder, Frühburgunder, Regent und Dornfelder bestockt. Als Paul den Wingert anlegte, waren seine Überlegungen: »Wer kauft in zehn Jahren Wein und warum?« Zehn Jahre deshalb, weil die Pflanzen erst zu diesem Zeitpunkt richtig tragen werden. Er ist überzeugt, dass dann das Thema Nachhaltigkeit und Bio eine besondere Rolle spielen. Daher sollten also Rebsorten angepflanzt werden, die für den Bioanbau gut geeignet seien. »Ein Winzer darf nicht in Jahren denken, sondern in Generationen.« So entschied er sich für PIWIs - pilzwiderstandsfähige Rebsorten, die nur selten gespritzt werden müssen und damit nachhaltig die Umwelt schonen. Dabei wird darauf geachtet, dass die Trauben nicht zu groß werden. Die Extraktstoffe bilden sich in den einzelnen Trauben und je kleiner die Trauben seien, desto vorteilhafter ist das Verhältnis von Traubensaft zu Schale und Kern. Die Aromatik stecke nämlich zwischen Fruchtfleisch und Schale.

Hauptabsatz seiner Weine sind die stattfindenden Häcken, der Verkauf vom Hof und auf Veranstaltungen. Seine Spezialität ist der Regent »Anno Dazumal«, der mindestens 30 Monate im Eichenfass gereift ist. Alexander Paul: »Die Trauben für diese Weine wachsen ausschließlich in denkmal- und naturgeschützten Sandsteinterrassen. Handgelesen, handgekeltert und unfiltriert, reifen diese Weine zur Abrundung in kleinen Eichenfässern. Hergestellt wie Anno dazumal mit dem Wissen von heute verbinden sich Tradition und Moderne in diesen ausdrucksstarken Weinen.«

Hintergrund: Schutz gegen Pilzbefall

Alexander Paul hat den Weinberg neben seinem Weinhof mit der dritten Generation pilzwiderstandsfähiger Rebsorten angelegt, die etwa 80 Prozent weniger Pflanzenschutz als herkömmliche Rebstöcke benötigen. Da die Weinrebe eine Pflanze sei, die besonders häufig wegen eines möglichen Pilzbefalls gespritzt werden müsse, könnte dieser Weinberg seine Basis für einen ökologischen Weinbau sein. Je höher die Generation, desto widerstandsfähiger seien die gezüchteten Rebsorten gegen Pilzbefall und umso weniger oft müssten sie gespritzt werden. Deshalb werden sie auch im biologischen Anbau immer häufiger eingesetzt. Es könne sein, dass dann die vierte Generation, mit der in etwa zwei Jahrzehnten gerechnet werden kann, nicht mehr gespritzt werden müsse.

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