Winzer der Region: Bei Heinz und Maria Fenn in Klingenberg

Schlafzimmer für Häcke ausgeräumt

Klingenberg a.Main
3 Min.

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Der Stein am Eingang des Hauses von Heinz und Maria Fenn
Foto: Christel Ney
Heinz und Maria Fenn in ihrem Garten, in dem auch die Häcke stattfindet.
Foto: Christel Ney
Be­sucht man die Hä­cke beim Wein­bau Fenn in Klin­gen­berg, fällt ei­nem als ers­tes der Satz des ira­ki­schen Dich­ters Ibn al-Har­i­ri aus dem 11. Jahr­hun­dert auf, der dort am Ein­gang in Stein ge­mei­ßelt ist: »Der Wein ist der Meis­ter der Men­schen und Geis­ter.« Soll­te das et­wa ei­ne War­nung für die Gäs­te der Hä­cke sein über die Wir­kung des Wei­nes und die nähe­ren Fol­gen sei­nes Ge­nus­ses? Da­bei ist es heu­te nicht mehr wie im an­ti­ken Grie­chen­land üb­lich, dem Wein Ge­würz­mit­tel zu­zu­ge­ben, um ihn zu aro­ma­ti­sie­ren und die Rau­sch­wir­kung zu stei­gern.

»In wievielter Generation wir Weinbau betreiben, können wir nicht mehr nachvollziehen«, erklären Heinz (69) und Maria (65) Fenn auf die Frage nach der Tradition des Hauses. Sie selbst haben damit erst nach der Übergabe der Weinberge durch den Großvater Rudolf Ebert begonnen. Aber bereits in seiner Jugend half Heinz ihm, zunächst vorwiegend bei der Traubenlese, später beim Schneiden der Reben und den anderen anfallenden Arbeiten. Sein Großvater war mit Leib und Seele Winzer und daher war es nicht verwunderlich, dass er als rüstiger Rentner seine Weinberge bis zu seinem 86. Lebensjahr noch selbst bewirtschaftete. Als er seine Weinberge dann an seine Kinder beziehungsweise Enkel verteilte, war der Ertrag zu viel, um den Wein selbst zu trinken, jedoch zu wenig, um eine Häckerwirtschaft auszurichten. So wurden zwei Weinberge zugepachtet.

Alle Trauben zusammengeworfen

1985 konnte dann zum ersten Mal eine «Häckerwirtschaft" eröffnet werden. Dazu wurde das Schlafzimmer ausgeräumt, die Terrasse und die private Küche genutzt. Im darauf folgenden Jahr war es aber dann schon nicht mehr möglich, mit der Häcke weiterzumachen. Grund dafür war die wegen Frost sehr geringe Ernte, so dass alle Trauben zusammengeworfen werden mussten, um überhaupt keltern zu können. Es entstand daraus ein sogenannter «Schillerwein" (siehe »Hintergrund«), der im darauf folgenden Jahr der Renner der Häckerwirtschaft werden sollte.

1987 räumte die Familie Fenn ein zweites und letztes Mal ihre Wohnung für die Häcke aus. In den Jahren danach wurden die Räume der Ferienwohnung benutzt, die allerdings auch immer wieder für diesen Zweck ausgeräumt werden musste. Da aber die Gäste bei schönem Wetter am liebsten im Garten sitzen wollten, wurde die Bewirtung immer mehr dorthin verlegt. In einem im Laufe der Jahre errichteten offenen Raum, kann man fast im Freien, bei schlechtem Wetter jedoch geschützt, sitzen und genießen. Der Garten steht nach wie vor den Gästen zur Verfügung. Auch nach mehr als 30 Jahren ist das Flair einer ganz normalen Häckerwirtschaft geblieben. Familie und Freunde helfen nach wie vor mit. Einmal im Jahr vom Freitag vor Pfingsten bis einschließlich Freitag danach wird neben den Weinen täglich zum Mittagstisch eine andere hausgemachte Spezialität angeboten, natürlich eigens von der Chefin für die Gäste zubereitet.

Hobby auf 0,2 Hektar

Der Weinbau wird konventionell und als Hobby betrieben, sie sind sozusagen Nebenerwerbswinzer. Auf 0,2 Hektar eigener Weinberge auf dem Schloßberg wachsen die widerstandsfähige Rebsorte Pinotin (rot) sowie die Rebsorten Blanc de Noir, Johanniter und Gutedel (weiß). Rudolf Ebert war damals der einzige Winzer in Klingenberg, der Gutedel, der eigentlich vom Kaiserstuhl kommt, ausbaute. Obwohl keine fränkische Traube, wurde sie von den Winzern als Esstraube zwischen die anderen Trauben gesetzt. Der Bestand wurde von der Familie Fenn erweitert, die heute als einziger Weinbaubetrieb in Klingenberg diese Rebe anbaut. In den Steillagen ist Handarbeit gefragt und kein Maschineneinsatz möglich. Viele Freunde helfen bei der »schönsten Arbeit« des Jahres. Eine große Hilfe ist der 86-jährige Nachbar Reinhold Lüft. Seitdem der ehemalige Winzer keine eigenen Weinberge mehr hat, profitieren die Fenns von ihm.

»Die Klingenberger Weinberge sind als Naturdenkmal ausgewiesen. Es macht uns Freude, am Erhalt dieses Denkmals mitwirken zu können«, sagt Maria Fenn und erzählt eine nette Begebenheit: Ein Wanderer kam am Schlossberg vorbei, an dem gerade ein Winzer arbeitet. Er bleibt stehen und meint begeistert: »Toll, was der Herrgott und Sie hier geschaffen haben!« »Ja«, sagt der Winzer, »aber Sie hätten mal sehen sollen, wie dieses Grundstück ausgesehen hat, als der Herrgott es noch alleine bewirtschaftet hat!«

Nächste Folge: Weingut Hofmann-Herkert

Hintergrund: Schillerwein

Der Schillerwein ist ein Rotling aus einem Verschnitt von Rotwein- und Weißweintrauben, die zur gleichen Zeit geerntet und gemeinsam gekeltert werden. Er wird dort hergestellt, wo es in einem Weinberg keine sortenreine Bestockung gibt. Kleinst-Weinbaubetriebe haben in schlechten Erntejahren das Problem, dass die Traubenmenge nicht ausreicht, verschiedene Weine auszubauen. Dann werden alle Weintrauben eines Weinberges, egal ob rot oder weiß, noch vor der Gärung vermischt. Ein bestimmtes Mischungsverhältnis ist dabei nicht vorgegeben. Je nach Anteil von roten und weißen Trauben "schillert" der Wein in einer anderen Farbe. Daher der Name "Schillerwein".

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