Windräder beflügeln Energiewende

Klimaschutz: Gutachter zeigen der Region den Weg zur Einsparung und zur Nutzung regenerativer Quellen

Miltenberg
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Bleiben die Höhen von Spessart und Odenwald von Windrädern verschont? Hier liegen die windreichsten Standorte. Landrat Roland Schwing hält deshalb mit Blick auf die Energiewende eine politische Diskussion über ein »Umdenken« für notwendig. Archiv-
Foto: Lothar Fuchs
Statt 1500 Wärmepumpen sollen 20 000 arbeiten, aus 68 000 Quadratmetern Sonnenkollektoren sollen 560 000 werden, statt fünf Windrädern könnten sich 70 drehen und statt 540 000 Quadratmeter Solarmodule würden 6,3 Millionen Quadratmeter Strom erzeugen - das sind einige der Zahlen, die notwendig sind, um die Energiewende am bayerischen Untermain zu schaffen.
Keine Utopie, sondern »erreichbare Ziele«, so das Münchner Planungsbüro Baum Konzept, das von der Initiative Bayerischer Untermain mit dem Gutachten beauftragt worden war. . Michael Wedler stellte am Montag den Mitgliedern des Kreisauschusses die Zwischenergebnisse vor. Das »Integrierte Energie- und Klimaschutzkonzept« folgt der Vorgabe der Bundesregierung, die sich verpflichtet hat, den Ausstoß des klimaschädlichen Kohlendioxids bis zum Jahr 2030 um 55 Prozent zu verringern.
Anspruchsvolle Klimaziele
Bei den Treibhausgasen wird die Region hinter den Bundeszielen zurückbleiben. Eine Reduktion um 41 Prozent halten die Gutachter nach ihren Analysen für realistisch. Auch beim Ausstoß durch den Verkehr werde man mit 14 Prozent hinter den angestrebten 20 Prozent Einsparung zurückbleiben, dafür kann und will die Region den Bund bei anderen Klimazielen übertreffen: Die Gutachter halte es für möglich, den Energieverbrauch um 37 bis 41 Prozent zu senken.
Windräder im Naturpark?
Den Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung könnte man auf 54 Prozent steigern, informierte Wedler. Sogar 70 Prozent wären möglich, wenn künftig für Windräder auch Standorte in den Schutzzonen der Naturparks Spessart und Odenwald erlaubt sind. Derzeit gibt es erst fünf größere Windkraftanlagen in der Region. Außerhalb des Naturparks gäbe es noch 15 neue Standorte, ohne Rücksicht auf den Landschaftsschutz wären insgesamt 70 bis 100 Windräder denkbar.
Von der »Verspargelung« der Landschaft zugunsten des Klimaschutzes wäre vor allem der Landkreis Miltenberg betroffen, weil hier die windreichsten Standorte liegen. »Wir haben den Auftrag mit der Region erteilt und müssen ihn auch gemeinsam umsetzen«, kommentierte Landrat Roland Schwing dieses Ergebnis, stellte aber auch klar, dass im Umsetzungsprozess die einzelnen kommunalen Interessen gewahrt bleiben müssen.
Die Zahlen der Gutachter zeigen jedoch deutlich, dass nur bei Nutzung des Naturparks zur Stromerzeugung durch Windanlagen eine Chance auf Selbstversorgung besteht. Allerdings sind sich Gutachter und Landrat einig, dass die Energieautonomie ein Ziel für eine fernere Zukunft ist. »Der Landkreis Miltenberg, Stadt und Kreis Aschaffenburg sind zu starke Produktionsstandorte, als dass dies schnell möglich wäre«, stellte Schwing klar.
Verkehr bleibt Problem
Beim Verkehr sehen die Gutachter eingeschränkte Möglichkeiten. Sie setzen darauf, dass die Hersteller noch spritsparendere Modelle auf den Markt bringen und dass die Zahl der Elektrofahrzeuge steigen wird. Im ländlichen Raum sei das Thema Mobilität jedoch nicht allein unter Klimaschutzaspekten zu sehen, so Wedler. Der öffentliche Nahverkehr könne nie so gut ausgebaut werden wie in den Ballungsräumen.
Jens- Marco Scherf (Grüne) und Dr. Ulrich Schüren (SPD) kritisierten, dass keine Arbeitsgruppe gebildet wurde, die sich um die Verkehrsproblematik in der Region kümmert. »Gerade hier hätten wir ehrgeizige Ziele gebraucht«, bedauerte Scherf.
Drei Handlungsfelder haben die Gutachter aufgestellt:
• Energie rund ums Haus
• Energiemanagement in den Betrieben
• regionale Energieerzeugung und -versorgung
Die »erschließbaren Potenziale« sind nach Einschätzung der Gutachter höchst unterschiedlich: So halten sie es für denkbar, dass bis 2030 jeder zweite Wohnhaus ein Passivhaus ist. In den Betrieben ist dagegen Energieeffizenz das große Thema. Moderne Motoren und Pumpen werden künftig viel weniger Strom brauchen und auch Beleuchtungs- und Heizanlagen werden intelligenter und damit energiesparender werden.
»Die Energiewende ist verkündet, jetzt kommt die Arbeit«, kündigte Landrat Roland Schwing an. Herr des Verfahrens bleibe trotz Gutachten, Arbeitsgruppen und Steuerkreis die Politik. Welche der Maßnahmen wie umgesetzt werde, darüber müssten die politischen Gremien entscheiden: »Das ist unsere Aufgabe.« Georg Kümmel
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