Wie Stadtherr Wolf von Mörle seine Wörther Untertanen drangsalierte

Wörther Schlossgeschichten

Wörth a.Main
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Steinreicher Schlossherr: Wolf von Mörle auf seinem Epitaph in der Aschaffenburger Stiftskirche.
Foto: Stefan Gregor
Im Wört­her Sch­loss, von dem heu­te nur noch der Turm steht, re­si­dier­ten seit dem frühen 16. Jahr­hun­dert die Stadt­her­ren, die ih­re Un­terta­nen mal mehr, mal we­ni­ger drang­sa­lier­ten. Mus­ter­bei­spiel ei­nes ei­gen­sin­ni­gen und ei­gen­mäch­ti­gen »Jun­kers« ist Wolf von Mör­le, des­sen Gr­ab­plat­te heu­te noch in der Aschaf­fen­bur­ger Stifts­kir­che zu be­wun­dern ist.

Wolf, der den Beinamen »Behaim« oder »Böhm« führte, stammte aus der nördlichen Wetterau und war sein Leben lang ein Hofmann in den Diensten des Mainzer Erzbischofs. Er war es gewesen, der nach der Niederschlagung des Bauernkrieges (1525) mit den Bauern verhandelt und harte Strafen diktiert hat. Wolf, der nie verheiratet gewesen und als Höfling nur in adliger Gesellschaft groß geworden ist, hat wohl die Nöte und Ziele der aufständischen Bauern nicht verstanden.

 

 

Schloss wieder aufgebaut

Als Dank für seine diplomatischen Dienste - und weil Erzbischof Albrecht von Brandenburg Geld benötigte - erhielt Wolf von Mörle um 1528 das Wörther Schloss gegen 1800 Goldgulden als Pfand. Ihm wurde ein fertiger Bausparvertrag übergeben, weil »unser Schloß daselbst vast bawfellig ist«. Tatsächlich hat Wolf das Wörther Schloss »nach der deutschen art ganz herrlich wieder erbawen« lassen. Der »deutschen Art« entsprachen wohl gotische Treppengiebel, Fachwerk in den Obergeschossen sowie Wetterfahnen und Türmchen am Bergfried und Wohngebäude. Ein richtiges Schmuckstück muss das Wörther Schloss gewesen sein, in dem der immer eigenbrötlerischer werdende Burgherr mit seinem vielen Geld lebte.

Denn nach seinem Abschied von der großen Politik und seinem Rückzug in das Wörther Schloss waren für Wolf von Mörle nur noch zwei Dinge in seinem Leben von Bedeutung: Er wollte reich sein: Angeblich zählte er zuletzt täglich sein Geld. Und er wollte Herr sein: Von seinen Untertanen verlangte er ständig neue Fronarbeiten.

 

 

Hauskrach

So hatte der gnädige Herr viel Wiesengelände um sein Schloss. Das Gras wurde bisher vom Gesinde des jeweiligen Schlossherrn gemäht, gewendet und in die Scheune gefahren. Jetzt auf einmal »hat unser lieber Juncker ahn uns begehrt: wir solten ime das heu und Gromet so er Jährlich bey unß wachsen hat, machen«. Dann verlangte er von den Wörthern, dass sie »ime auch das brenn holtz in das schloß führen« sollten. Um eine zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen, führte Wolf von Mörle außerdem eine Weinverbrauchsabgabe, ein sogenanntes Niederlaggeld ein.

Die Wörther wollten sich das nicht gefallen lassen, streikten und beschwerten sich bei ihrem Oberherrn in Mainz. Der Streit zwischen dem Junker und der Bürgerschaft eskalierte derart, dass Wolf den aufmüpfigen Bürgern in seiner Rage sogar verbot, sich zu versammeln und zu beraten. Es ist anzunehmen, dass auch in diesem falle der Mainzer Erzbischof mäßigend auf seinen Pfandsherrn eingewirkt hat, damit die Last der kleinen Leute nicht noch größer wurde und die altüberlieferten Rechte weitgehend erhalten blieben.

 

 

»Ganz kündlich worden«

An seinem Lebensende muss Wolf von Mörle zu einem eigenartigen Kauz - mit Anzeichen von Demenz - geworden sein. Knapp, aber vielsagend erzählt die Zimmerische Chronik: »Als er uf sein alter kommen, ist im schier die gedechtnus empfallen, darzu ganz kündlich (kindisch) worden und hat sich keiner sachen mehr angenommen, sondern all sein freud mit der parschaft (Barschaft) gehapt; dann, wie man sagt, hat er schier teglichs seine geltsäck von einer behältnus in die andern getragen, auch das gold, dann die münz besichtigt.« Wolf von Mörle starb am 3. Februar 1539.

In der nächsten Folge geht es um die berüchtigten Herren von Hoheneck.

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