Samstag, 27.11.2021

Welche Lebensmittelpreise sind angemessen? Landwirt Florian Neuberger im Interview

"Karibik oder Kartoffel"

Miltenberg
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2 Min.

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Landwirt Florian Neuberger aus Bürgstadt.
Foto: Julie Hofmann
Soll­ten sich Ver­brau­cher Bil­lig­f­leisch aus dem Su­per­markt oder Pro­duk­te vom Di­rekt­ver­mark­ter ho­len? Über die­ses Span­nungs­ver­hält­nis ha­ben sich die Mil­ten­ber­ger Schü­l­er­re­por­ter mit dem Bürg­s­täd­ter Land­wirt Flo­ri­an Neu­ber­ger un­ter­hal­ten.

Was ist ein starkes Argument, dass ich bei Ihnen einkaufe und nicht im Supermarkt?

Das Tier ist bei uns geboren worden, es wächst bei uns auf und wird am Hof geschlachtet. Weder Zukauf noch Transport finden statt.

Wie teuer ist das Fleisch, das bei Ihnen verkauft wird?

Teurer als Supermarktware. Das normale Hackfleisch, das zu 100 Prozent Rind ist, ist mit zehn Euro pro Kilo erschwinglich.

Ist das Fleisch von Ihrem Hof damit auch für Geringverdiener erschwinglich?

Für jemanden, der staatliche Unterstützung hat - sei es Hartz IV oder Arbeitslosengeld - wird es für den täglichen Bedarf zu teuer sein. Mit Discounterpreisen können und wollen wir nicht mithalten. Natürlich sehe ich es ein, wenn jemand im Monat für eine vierköpfige Familie nur 250 bis 300 Euro für Lebensmittel zur Verfügung hat. Dann muss er wahrscheinlich auf die günstigsten Produkte zurückgreifen. Ansonsten muss ich entscheiden: Kaufe ich mir anständige Lebensmittel zu einem gerechtfertigten Preis, so dass der Landwirt überleben kann und die Natur etwas davon hat, oder stecke ich mein ganzes Geld in Freizeit und Unterhaltungsmedien. Also: Karibik oder Kartoffel.

Warum sollte man kein Billigfleisch im Supermarkt kaufen?

Die ganz billige Ware kommt aus Betrieben, die mitunter nicht in Deutschland sind. Sprich, dass man lange Transportwege hat - sowohl für das lebende Tier als auch für das Fleisch. Wenn ich mehr für Fleisch verlangen kann, hab ich finanzielle Mittel übrig, um dem Tierschutz noch gerechter zu werden: mehr Platz, mehr Stroh. Das bestimmt der Verbraucher letztlich an der Ladentheke.

Bekommen Ihre Tiere Medikamente oder Antibiotika?

Ein Tier bekommt bei uns nur ein Medikament, wenn es tatsächlich erkrankt ist. Im Freiland oder in der Strohhaltung ist die Übertragungsgefahr aber mit genug Abstand geringer als in einer engen Stallhaltung.

Ist Ihr Betrieb ein Biobetrieb?

Nein. Im Ackerbau kommen wir beim Mais um eine einmalige Unkrautbekämpfung nicht herum. In der Grünlandbewirtschaftung wird aber nichts chemisch gedüngt oder gespritzt.

Was spricht gegen 100 Prozent Bio?

Wenn ich aufgrund von Trockenheit Futter zukaufen müsste, täte ich mir schwer, meine Tiere zu ernähren. Biofutter in ausreichender Menge und Qualität ist im Umkreis nämlich relativ rar. Wenn ich Futtersicherheit hätte, könnte ich mir die Geschichte überlegen.

Wie muss sich Landwirtschaft in Zukunft aus Ihrer Sicht entwickeln?

Wenn ein Landwirt nicht mehr über die Menge sein Einkommen erzielen soll, sondern auch über den Naturschutz, muss das mehr über Bund, Land und EU gefördert werden. Oder aber der Verbraucher hat höhere Nahrungsmittelpreise.

Zur Person: Florian Neuberger

Florian Neuberger ist Landwirtschaftsmeister aus Bürgstadt. Der Betrieb Erftal Rind wird seit 1969 von der Familie Neuberger geführt. Der Schwerpunktliegt auf der Mutterkuhhaltung und Fleischerzeugung mit bis zu 600 Rindern. Hinzu kommt die eigene Schlachtung und Vermarktung. Derüberwiegende Teil des Fleisches wird direkt am Hof verkauft, ein Teil geht an Metzgereien in der Umgebung. Die Familie betreibt Ackerbau, hauptsächlich zur Futtererzeugung. "Ich arbeite gern an der frischen Luft", sagt der 34-Jährige. "Am Abend sieht man, was man gemacht hat."

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