Weihnachtliche Stimmung mitten im Mai

Konzert:Fünfter Teil des Beethoven-Zyklus des Claviersalons in Miltenberg mit dem renommierten Danzi-Duo

V on unserer Gastautorin MILTENBERG.
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Das Danzi-Duo bei ihrem Konzert im Beethoven-Zimmer des Claviersalons Miltenberg. Foto: Sylvia Ackermann
Foto: SYLVIA ACKERMANN
Der fünf­te Teil des Bee­t­ho­ven-Zy­k­lus des Cla­vier­sa­lons im Al­ten Rat­haus Mil­ten­berg be­gann mit »Toch­ter Zi­on«. Spä­tes­tens nach zwölf Va­ria­tio­nen wa­ren die meis­ten der 90 Zu­hö­rer in weih­nacht­li­che Stim­mung ver­setzt und der ei­ne oder an­de­re summ­te gar Me­lo­die­fet­zen da­zu. Irr­tum in der Jah­res­zeit?

Das Danzi-Duo aus München, bestehend aus der armenisch-russischen Pianistin Sofya Gandilyan und dem brasilianischen Cellisten Anderson Fiorelli, stellte die Variationen aus »Judas Makkabäus« für Cello und Klavier von Ludwig van Beethoven an den Beginn ihres Kammermusik-Abends.

Schlager des 18. Jahrhunderts

Diese Melodie war eine Art Schlager des 18. Jahrhunderts und äußerst populär, unter anderem unterlegte man eben den Text »Tochter Zion« mit dieser Melodie. Die beiden Musiker warfen sich dabei voller Spielfreude die Melodien zu und boten damit beste Unterhaltung.

Das dazu passende Instrument dafür aus der Sammlung des Claviersalons, ein Hammerflügel von John Broadwood (1807), und das sparsam eingesetzte Licht, vermittelten dabei das Gefühl, bei Beethoven und seinen Freunden zuhause zu sein.

Spätestens beim zweiten Werk des Abends zeigten Fiorelli und Gandaliyan die ganze Bandbreite ihrer Virtuosität. Die Grande Sonate op. 20 von Ferdinand Ries besticht am Anfang durch ein heroisches Thema und hochvirtouse Kaskaden. Schließlich war Ries ein berühmter Pianist und auch produktiver Komponist. Er war Klavierschüler, Sekretär und zeitweise auch Wohnungsgenosse von Beethoven in Wien. Seine Cello-Sonate stellt er in die kompositorische Nähe seines Lehrers und Mentors, jedoch legt er dabei nicht so sehr Wert auf thematische Stringenz, sondern durchzog die Komposition mit virtuosem Passagenwerk. In der dialogischen Begegnung der Musiker spürte man die perfekte Übereinstimmung und auch langes, gemeinsames Musizieren.

Die beiden haben sich beim gemeinsamen Studium der historischen Aufführungspraxis an der Hochschule München kennengelernt und konzertieren seither in vielen bedeutenden Konzertsälen. Die jungen Musiker sind ebenfalls Preisträger einiger renommierter Wettbewerbe.

Nach der Pause gesellte sich der dritte Komponist des Abends dazu. Bernhard Romberg, von Haus aus Cellist und Freund aus Beethovens Jugendjahren in Bonn, fokussierte seine Komposition auf das Cello. Selbst ein berühmter und weit gereister Cellist, fordert er von seinen Interpreten eine absolute Beherrschung aller spieltechnischen Mittel. Die Grande Sonate op. 5 Nr. 2 huldigt dem virtuosen Ideal und Sofya Gandilyan und Anderson Fiorelli bestachen dabei durch atemberaubende Geschwindigkeit und kunstvolle, sehr abwechslungsreich gespielte Melodien.

Die monumentale Sonate in A-Dur op. 69 als Abschluss des Abends entführte den Zuhörer wieder in die Welt von Beethovens großem, kraftvollen Kompositions-Stil. Das durchweg heitere Werk komponierte Beethoven parallel zu seiner sechsten Symphonie, der »Pastorale« und ist ebenfalls in jenem pastoralen Duktus gehalten. Flächig-schöne Melodien breiten sich aus, das Cello gibt des kantablen, singenden Ton vor.

Die Zugabe aus der Heimat des Cellisten, »Das Lied vom schwarzen Schwan« von Heitor Villa-Lobos beendete den beeindruckenden Abend.

SYLVIA ACKERMANN
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