Trompete lernen mit Spuckschutzwand

Bildung: Wie der persönliche Unterricht an der Erlenbacher und Obernburger Musikschule wieder angelaufen ist

Erlenbach a.Main
3 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Claudia Roth, Leiterin der städtischen Musikschule Erlenbach während des Trompetenunterrichts mit dem 14-jährigen Peter Schmidt. Eine Trennwand und genügend Abstand gehören in den derzeitigen Zeiten von Corona zu den Schutzmaßnahmen.
Foto: Jennifer Lässig
Reiner Hanten, Leiter der Obernburger Musikschule mit dem siebenjährigen Oskar Kubatov beim Euphoniumunterricht. Mit dabei die selbst angefertigte Trennwand.
Foto: Jennifer Lässig
Auf die­ses Wie­der­se­hen ha­ben sich vie­le Mu­si­ker wir­k­lich ge­f­reut. Seit 11. Mai dür­fen die Mu­sik­schu­len in Er­len­bach und Obern­burg nach der co­ron­a­be­ding­ten Zwangs­pau­se ih­re To­re öff­nen. Es wird wie­der per­sön­lich un­ter­rich­tet, wenn auch nur ein­zeln, mit Ab­stand und hin­ter Ple­xi­glas­schei­ben. Clau­dia Roth, Lei­te­rin der Er­len­ba­cher Mu­sik­schu­le, so­wie Rei­ner Han­ten, Lei­ter der Obern­bur­ger Mu­sik­schu­le schil­dern die Um­stän­de und Vor­schrif­ten.

Denn der gewohnte Ablauf ist noch lange nicht eingekehrt. Lediglich Einzelunterricht wird derzeit gegeben. Maximal zwei Personen, Lehrer und Schüler, dürfen sich in den Unterrichtsräumen aufhalten. Nur in Ausnahmefällen und mit bürokratischem Aufwand darf eine Begleiterperson mitkommen. Gruppenunterricht ist noch gar nicht möglich.

Drei-Phasen-Modell erarbeitet

Ein Drei-Phasen-Modell ist in Obernburg ausgearbeitet worden. In der derzeitigen ersten Phase ist nur Einzelunterricht möglich. In der zweiten der Unterricht mit zwei Schülern und in der dritten sind wieder Ensembles und Gruppen vorgesehen.

Für beide Musikschulen gibt es Hygienekonzepte. Am Eingang erwartet die Besucher jeweils ein Desinfektionsspender. Zudem gibt es in jedem Raum Desinfektionsmöglichkeiten. Hinweisschilder weisen in Obernburg auf ein »Einbahnsystem«, in Erlenbach auf »Ausweichbuchten« im Treppenhaus hin. Es gilt Maskenpflicht in den Gängen und der Mindestabstand von 1,50 Meter muss eingehalten werden. Direkte Begegnungen sollen vermieden werden.

Lüften und Desinfizieren

Außerdem steht regelmäßiges und ausgiebiges Lüften der Räume auf dem Plan. Die Reinigungskraft in Erlenbach desinfiziert zusätzlich einmal täglich die Türgriffe und Handläufe der Treppen. Für die Klaviertasten stehen Eimer mit Spülmittel bereit - für eine Reinigung nach jeder Unterrichtseinheit. »Wir haben im Vorfeld den kompletten Flur sowie alles, was nicht benötigt wird, weggeräumt«, blickt Roth zurück.

In Obernburg desinfizieren die Lehrkräfte die Türklinken und stationären Instrumente nach jeder Stunde selbst. Beim Betreten der dortigen Musikschule muss ein Besucherformular ausgefüllt werden. Genauso wie in Erlenbach seitens der Lehrer eine Tagesschülerliste, um Infektionsketten nachvollziehen zu können.

Klavier- und Schlagzeugunterricht wird statt an einem, nun an zwei Instrumenten im nötigen Abstand erteilt. Trennwände sorgen für zusätzlichen Schutz und sind vor allem auch bei den Bläsern im Einsatz. Sogenannte durchsichtige »Drum Shields« aus Plexiglas, die die Erlenbacher Schule ein viertel Jahr vor Corona für die Big Band angeschafft hatte, werden nun im Unterricht verwendet. Mit einem extra größeren Abstand können Lehrer und Schüler sich sehen und kommunizieren, sind aber trotzdem durch die Wand geschützt.

Ähnlich verhält es sich in Obernburg. Dort stehen aus durchsichtigen Kunststofftischdecken selbst angefertigte Trennwände in den Unterrichtsräumen. Außerdem verfügen beide Schulen für den Außeneinsatz über mobile aufrollbare Trennwände.

»Anfangs habe ich die Einhaltung der Vorschriften kontrolliert. Das muss ich nun nicht mehr. Es läuft alles reibungslos und unsere Schüler machen alle perfekt mit«, betont Claudia Roth. Normalerweise besucht eine Erlenbacher Lehrkraft regelmäßig den Kindergarten, um dort mit den Kleinen zu musizieren, berichtet Roth.

Keine Blasorchester

Doch das sei derzeit nicht möglich. Genauso wie der regelmäßige Blasorchesterunterricht in der Grundschule. Hier bekommen die Schüler allerdings weiterhin ihren Einzelunterricht in der Musikschule. Außerdem gibt ein Lehrer in einem städtischen Gebäude in Mechenhard, ausgestattet mit einer mobilen Trennwand, nun wieder Unterricht.

Für die Obernburger Musikschule läuft laut Reiner Hanten auch der Musikunterricht in den Außenstellen inzwischen wieder regulär. Von Niedernberg bis Miltenberg und von Mömlingen bis Hobbach seien die Obernburger in Schulen und Vereinsheimen vertreten. Lediglich für Eschau sei ein Ausweichraum nötig gewesen. Dort dürften die Grundschulräume nicht genutzt werden. Zum Einsatz kommen auch hier die mobilen Trennwände. Viele der Vereine hätten bereits selbst »Schutzwände« angefertigt.

Musik-Videos für Altenheime

Reiner Hanten bedauert vor allem den Wegfall des Ensembleunterrichts und der Konzerte. Gleichzeitig schwärmt er aber auch von einer Idee, die dank Corona zustande kam: »Wir haben drei Videos mit unseren Schülern für die Altenheime am Untermain zusammengeschnitten. Darunter auch extra Lieder zum Mitsingen. Viele Schüler haben sich sofort gemeldet und gesagt, dass sie mitmachen möchten.«

Hintergrund: Unterricht per Video

Trotz Schließung beider Musikschulen am 16. und 15. März blieb der Unterricht nicht auf der Strecke. Gut zwei Monate stand die musikalische Ausbildung via Internet auf dem Plan. Eine Woche habe nach Bekanntgabe, dass ihre Musikschule schließen müsse, die »Schocküberwindung« in Erlenbach gedauert, erinnert die Claudia Roth. Dann seien sie und ihre zehn Kollegen bereits online gewesen.

In der Zwischenzeit habe das Kollegium gemeinsam überlegt, was gemacht werden könnte. »Unsere Lehrkräfte waren sofort kreativ und steuerten viele Ideen bei. Als es darum ging den Onlineunterricht einzuführen haben alle sofort ihre Computer entsprechend eingerichtet,« so Roth begeistert. 95 Prozent der Schüler habe das Angebot wahrgenommen. Optimal sei die Ausbildung via Internet aufgrund von Bildstörungen und dergleichen nicht gewesen. Aber es sei auch eine gut Übergangsmöglichkeit und die Kinder richtig begeistert gewesen.

Auch die jungen Musiker an der Obernburger Musikschule haben sich laut Reiner Hanten über das Onlineangebot und den Kontakt zu ihren Lehrern gefreut und sich bedankt. Bereits zwei Tage nach Schließung am 18. März seien er und seine 27 Kollegen bereits online gewesen.«Viele unser Schüler oder auch deren Eltern nutzen bereits ähnliche Möglichkeiten. Es verlief alles reibungsloser als wir gedacht haben und die meisten Stundenpläne konnten beibehalten werden«, erklärt der Leiter. Beide Schulen konnten so ihre Einbußen relativ gering halten. Ein wenig ängstlichere kleine Musiker oder diejenigen die der Risikogruppe angehören, bekommen in Obernburg auch weiterhin die Onlineausbildung. jel

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!