Tante Pitsche darf nicht sterben

Förderverein: Mömlinger Ehrenamtliche engagieren sich seit über zehn Jahren für den Erhalt des Hallenbads

Mömlingen
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Kämpfen für den Neubau des Mömlinger Hallenbads: Die Mitglieder des Fördervereins (von links) Andreas Schlüter, Jürgen Schneider und Peter Graser.
Foto: Anja Keilbach
Lei­se rie­selt der Putz von der Mau­er, in al­ler Ru­he ros­tet das Trep­pen­ge­län­der vor sich hin. Im In­ne­ren macht das Möm­lin­ger Hal­len­bad kei­nen bes­se­ren Ein­druck. Bö­den und Fens­ter sind ma­ro­de, Flie­sen fal­len von den Wän­den. Seit Au­gust 2012 ist das Bad ge­sch­los­sen, seit Sep­tem­ber lau­fen die Rück­bau­ar­bei­ten. Was­ser­rat­ten müs­sen sich je­doch ge­dul­den:

Innerhalb der nächsten drei, vier Jahre wird das Bad vermutlich nicht öffnen.
Um eine Sanierung in Angriff nehmen zu können, legt die Gemeinde jährlich 80 000 Euro zur Seite. Hinzu kommt das Geld, das der Förderverein Hallenbad auftreibt. Durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und den Erlös verschiedener Aktionen versucht die Gruppe um Peter Graser (49), Jürgen Schneider (58) und Andreas Schlüter (47) seit über zehn Jahren, das liebevoll »Tante Pitsche« genannte Bad zu retten.
Hähnchen auf dem Herbstmarkt
Schon als 2001 der hauptamtliche Bademeister starb, stand die Zukunft des Hallenbads auf der Kippe. Doch übernahm ein spontan gegründetes Schwimmbadteam der Wasserwacht den Betrieb. Als wegen des schlechten technischen Zustands von Schließung die Rede war, gründete sich 2004 der Förderverein.
Knapp acht Jahre lang stellten die Pitsche-Fans ehrenamtliche Bademeister, organisierten ein monatliches Frühstück oder verkauften auf dem Herbstmarkt Hähnchen a la Karl Muth - der ehemalige SPD-Gemeinderat zählt zu den größten Förderern des Hallenbads. Auf Flugblättern warben die Hallenbad-Retter für den Erhalt: Immerhin lernten 70 Kinder pro Jahr in Mömlingen schwimmen, fünf Schulen nutzten das Angebot ebenso wie die Teilnehmer verschiedener Kurse.
Bis August 2012 hielten Verein und Hobbybademeister das Schwimmbad über Wasser. Dann jedoch war das Gebäude innen wie außen so marode, dass die Gemeinde einen Schlussstrich zog. Kompromiss: 80 000 Euro - der Betrag entspricht etwa den jährlichen Betriebskosten - laufen seit der Schließung in einen Bausparvertrag. Für Zuversicht sorgt laut Graser ein Grundsatzbeschluss des Gemeinderats: So lange die Gesamtverschuldung Mömlingens nicht über 7,5 Millionen Euro steigt, wird das Projekt Hallenbad irgendwann in den kommenden Jahren angepackt.
240 000 Euro habe die Gemeinde bisher für das Hallenbad zurückgelegt, sagt Bürgermeister Siegfried Scholtka, dem der Erhalt ebenfalls am Herzen liegt - unter anderem wegen der steigenden Zahl an Nichtschwimmern in Deutschland.
Nicht unter drei Millionen
Eine Sanierung reicht laut Scholtka nicht. Es laufe eher auf einen barrierefreien Neubau hinaus. Baubeginn und Kosten könne er noch nicht abschätzen, aber sicher lasse sich das Projekt »nicht unter drei Millionen Euro« realisieren.
Einen Teil davon würde die Schwimmbadförderung abdecken, dennoch kämen hohe Kosten auf Mömlingen zu. Um die Gemeinde zu unterstützen, bleibt der Förderverein trotz verschlossener Hallenbadtüren aktiv. Auf dem Herbstmarkt brutzelt der Verein weiterhin seine Hähnchen, in der alten Schule servieren die Mitglieder alle zwei Monate ein Frühstücksbuffet samt Weißwurst und Rührei mit Speck. Der Erlös wandert direkt auf Tante Pitsches Sparbuch. Seit Vereinsgründung sind so 25 000 Euro zusammengekommen. Knapp 320 Stunden haben die Ehrenamtlichen allein in den letzten zwei Jahren gearbeitet, meist an den Wochenenden.
Auf der etwas veralteten Website des Vereins begrüßt Tante Pitsche Fans und Freunde. Wie das Bad, für das sie steht, ist die Dame auf dem Foto etwas in die Jahre gekommen. Als sportlich, aber nicht für Wettkämpfe geeignet, beschreibt sie sich. Tante Pitsches Ziel: Wieder schön werden.
Nicole Koller

 
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