Stolpersteine erinnern an deportierte Juden aus Kleinheubach

Künstler Gunter Demnig verlegt elf Messingtafeln - Einblicke in Schicksal der Holocaust-Opfer

Kleinheubach
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Während Gunter Demnig im Hintergrund mit zwei Bauhofmitarbeitern die elf Stolpersteine verlegt, berichtet der Arbeitskreis Stolpersteine um Dorothea Zöller, hier zu sehen, aus dem Leben der ehemaligen Kleinheubacher Juden.
Foto: Jennifer Lässig
Zum Schluss der Verlegung der Stolpersteine legte der Arbeitskreis gelbe Rosen zu den Messinggedenktafeln.
Foto: Jennifer Lässig
»Die Ge­schich­ten und Brie­fe ge­hen ans Herz«, sagt Klein­heu­bachs Bür­ger­meis­ter Tho­mas Mü­nig am Mon­tag be­wegt, wäh­rend Künst­ler Gun­ter Dem­nig mit zwei Bau­hof­mit­ar­bei­tern elf Stol­per­stei­ne am Al­ten Rat­haus ver­legt. Zehn jü­di­sche Orts­bür­ger wur­den 1942 de­por­tiert, ein wei­te­rer emi­grier­te.

Anschließend gaben die Mitglieder des Arbeitskreises Stolpersteine den 45 Anwesenden mit einem fiktiven Brief und Tagebucheintrag sowie kleinen Geschichten Einblicke in das Schicksal der elf Juden. Die Gedenkstunde rührte manche zu Tränen.

Bessere Zukunft gestalten

Auf den Tag genau fünf Jahre zuvor hatte sich die Miltenbergerin Dorothea Zöller mit ihrem Anliegen, der jüdischen Opfer des Holocaust zu gedenken, an Arno Bauer vom Kleinheubacher Heimat- und Geschichtsverein gewandt. Mit Bürgermeister Münig sei es dann vorangegangen, blickte Zöller zurück: »Wir wollen erinnern und nicht die vergessen, die Gutes getan haben.«

Wie wichtig es sei, nicht zu vergessen und daran zu arbeiten, dass so etwas wie im Nationalsozialismus nicht mehr passiere, betonte auch Bürgermeister Münig in seiner Ansprache. »Ich bin überzeugt, nur wenn wir uns der Vergangenheit bewusst sind, können wir in einer besseren Zukunft leben und eine bessere Zukunft gestalten.« Ausgrenzungen und Beleidigungen gebe es auch heutzutage vielfach. »Hat es damals nicht auch so angefangen?«, fragte der Rathauschef in die Runde und appellierte: »Wir müssen und können uns dem entgegenstellen.« Er dankte dem Arbeitskreis und den Paten der Stolpersteine.

In einem fiktiven Brief wandten sich die Geschwister Frieda und Gerson Freudenstein, einst Inhaberin eines Textilgeschäftes und Möbelpolier, an die Anwesenden. Sie erzählten von sich, ließen teilhaben an ihrem Schicksal und ihrer Furcht, vor dem, was auf sie zukommt einen Tag vor ihrer Deportation. Es folgt ein Tagebucheintrag und berührende Geschichten über die ehemaligen jüdischen Ortsbürger.

Bedrückende Assoziationen

Hatte die unverheiratete Therese Sichel eine glückliche Kindheit? War sie verliebt? Wie viel Angst und Gräueltaten musste sie ertragen? Dies fragte ein Mitglied des Arbeitskreises in die Runde. Im Hintergrund ertönte immer wieder das Klopfen von Gunter Demnig und den Bauhofmitarbeitern. Ein Geräusch, das in diesem Zusammenhang regelrecht bedrückend klingt, Bilder von Konzentrations- und Arbeitslagern vor dem geistigen Auge erscheinen lässt. Demnig verlegt seit 1996 Stolpersteine in das Pflaster von Gehwegen - über 90.000 solcher Gedenktafeln sind inzwischen in 29 Ländern Europas zu finden. Abschließend legten die Mitglieder vom Arbeitskreis gelbe Rosen zu den Stolpersteinen.

Neben den Messingtafeln mit Namen, Adresse, Geburtsjahr, Deportationsjahr und Sterbeort der NS-Opfer runden eine Informationstafel zum jüdischen Leben in Kleinheubach sowie eine Deckenrolle aus Sandstein etwas entfernt den Gedenkort ab. Eine weitere Tafel wird am jüdischen Friedhof angebracht.

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