Schwarze Schöne macht von sich reden

Beerenernte: Auf 7,5 Hektar gedeiht bei Sommerau die Aronia - Konzentrat für die Lebensmittelindustrie - Ab Hof mit Apfelsaft gemischt

Eschau
3 Min.

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Aronia-Ernte: Obstbäuerin Bernadette Nagler vom Wiesenhof in Sommerau mit einer Handvoll der »Wunderbeeren«.
Foto: Barbara Schmidt
Die dun­kel­häu­ti­ge Sc­hö­ne mit den pral­len Run­dun­gen, den in­ne­ren Wer­ten und dem klang­vol­len Na­men Aro­nia ist Vie­len noch ei­ne Un­be­kann­te, aber ih­re Fan­ge­mein­de wächst. Die Re­de ist von der Schwar­zen Ap­fel­bee­re. Wil­li Nag­ler (47) und sei­ne Frau Ber­na­det­te (43) vom Wie­sen­hof bau­en sie groß­flächig bei Som­merau an und ha­ben ge­ra­de ei­ne gu­te Ern­te ein­ge­fah­ren.
Tolle Eigenschaften als Gesundbrunnen werden der Aronia bescheinigt, der Saft ist vielseitig verwendbar.
Die Landwirtin und Obstbäuerin Bernadette Nagler hatte 1999 in einem Fernsehbericht davon gehört, erwarb in einer Baumschule zehn Sträucher und pflanzte sie hinter dem Wohnhaus. Dort gedeihen sie bis heute und haben alle Erwartungen erfüllt. Nagler: »Die 100 Mark waren gut angelegt«.
Ab 2003 bestellten die experimentierfreudigen Naglers immer größere Flächen und ließen sich von skeptischen Fachleuten (»Das wird nichts«) nicht entmutigen. Der Erfolg gab ihnen recht. Aroniasträucher stehen inzwischen auf 7,5 von 24 Hektar bewirtschafteter Fläche des Wiesenhofs.
Inzwischen Experte
Willi Nagler, der von Erlach bei Ochsenfurt nach Sommerau geheiratet hat, ist zwar gelernter Kfz-Elektriker und Versicherungsfachmann, aber inzwischen auch Apfelbeeren-Experte. Wenn die Ernte ansteht, packt die ganze Familie an, Obsthof-Senior Johann Lippert (79) und dessen Enkelin Karolina Nagler (14) eingeschlossen.
Denn dann muss es rasch gehen! Die Aronia wächst in Dolden ähnlich wie Holunder, sie ist aber größer und fester. Wenn sie schwarz glänzt und ihre Stiele rot werden, darf der richtige Erntezeitpunkt nicht verpasst werden, weil sonst die Beeren schon bei leichter Berührung abfallen. Willi Nagler misst regelmäßig die Oechslegrade, 60 sollen es schon sein. »Voriges Jahr waren es sogar 70. Aber jeder Jahrgang ist anders.«
Vollernter bestellt
Eine Vollerntemaschine mit speziellen Aufsätzen wird bei einem Lohnunternehmen aus Baden-Württemberg für zwei Tage nach Sommerau bestellt. »Der Maschinenring hier ist für Trauben, aber nicht für Beerenernte ausgerüstet«, erklärt Nagler.
Nun darf es keinesfalls stark regnen, weil sonst das mächtige Fahrzeug nicht zum Abschlagen der Früchte zwischen den langen Reihen der Aroniabüsche entlang fahren kann und obendrein der Saft verwässert würde. Heiß sollte es auch nicht sein, damit die Beerenmengen nicht anfangen, trotz Kühlung zu gären. Notfalls geht´s abends bei Scheinwerferlicht auf die Äcker; in diesem Jahr war das aber nicht nötig.
Nicht krankheitsanfällig
Gut für Erzeuger und Verbraucher: Aronia ist nicht krankheitsanfällig, die Beeren bleiben unbehandelt. Pro Hektar können die Naglers mit fünf bis acht Tonnen Ertrag rechnen, aus einer Tonne lassen sich 550 bis 600 Liter Saft gewinnen. Ein Teil der Ernte geht an eine Großkelterei, die Konzentrat für die Lebensmittelindustrie herstellt, der andere wird mit Traktor und Anhänger ab Feld zu einem Winzer in Großwallstadt transportiert und dort gepresst.
Der Trester kommt als Dünger wieder auf die Felder, der Saft wird im Wiesenhof verarbeitet, nachdem er schonend bei 79 Grad Celsius pasteurisiert worden ist.
Die Naglers füllen ihn pur in Flaschen (0,7 Liter) ab, verkaufen ihn auch als Drei-Liter-Gebinde (Bag in Box) mit ihrem Apfelsaft gemixt. Sie lassen in der Pfalz Gelee herstellen und ab Herbst im Odenwald sogar Pralinen. Hausgemacht sind der Klare sowie Likör aus Aronia, die neben anderen »Geistern« des Obsthofes aus Birnen, Mirabellen oder Zwetschgen zum Angebot gehören. Natürlich ist der »tägliche gesunde Schluck Aronia« (so die Werbung) - gerne versetzt mit Sprudel, Limonade oder Apfelsaft - eine Familienpflicht, der alle gerne nachkommen. Bernadette Nagler gibt Tipps: Getrocknete Aroniabeeren machen sich gut als Beigabe im Müsli und geben einem Schokokuchen besonderes Aroma. Empfohlen: Bei festlichen Anlässen ein Glas trockener fränkischer Sekt mit einem Schuss Aroniasaft - »achten Sie darauf, dass Sie genug Sekt im Haus haben«, schwärmt Willi Nagler.
Da stellt sich schon die Frage: Hat die »Wunderbeere« denn gar keine Schattenseiten? Oh doch! Zum Naschen taugt sie eher nicht, denn sie schmeckt recht herb. Und wenn der stark färbende Saft auf Textilien tropft, sind alle Reinigungsbemühungen vergebens. Hausfrau Bernadette Nagler: »Die Flecken kriegen Sie nicht mehr raus!« Barbara Schmidt
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