Kleinwallstadt: Schlechter Sommer für Fledermäuse

Hildegund Helm versorgt Jungtiere

Kleinwallstadt
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Mausohrfledermäuse haben Schwierigkeiten, Quartiere für den Sommer zu finden.
Foto: Thomas Frey
Hil­de­gund Helm muss­te in die­sem Som­mer 19 Ba­bys ver­sor­gen - Fle­der­m­aus­ba­bys, die al­le paar Stun­den mit Milch ge­füt­tert und warm­ge­hal­ten wer­den müs­sen. Viel Ar­beit für die eh­renamt­li­che Fle­der­m­auspf­le­ge­rin vom Bund Na­tur­schutz und ih­re zwei Hel­fe­rin­nen.

»Das waren verrückt viele Jungtiere in diesem Jahr« erzählt die Kleinwallstädterin. Die Tiere, die gefunden und zu ihr gebracht wurden, sind nur ein Tropfen auf den heißen Stein, viele sind gestorben. »Es ist ein schwieriges Jahr« erzählt sie.

Hohe Sterblichkeit

Bei der jährlichen Sommerzählung der Großen Mausohren im Landkreis Miltenberg am 6. Juli war es laut Matthias Hammer von der Koordinationsstelle für den Fledermausschutz in Nordbayern noch nicht absehbar, dass es zu »starker Jungtiersterblichkeit kommen wird«. 1813 Große Mausohren hat der Diplom-Biologe von der Universität Erlangen mit Unterstützung der unteren und höheren Naturschutzbehörde gezählt, 160 Stück mehr als im Vorjahr. Eigentlich eine gute Entwicklung, aber nur eine Woche später zeigte sich bei der Zählung im Main-Spessart ein anderes Bild: viele Jungtiere lagen tot in ihren Quartieren. »Die erste Juliwoche muss den Tieren ganz schön zugesetzt haben« resümiert er und beruhigt gleich: »die Großen Mausohren werden den Sommer überstehen«.

Verletzt oder verwaist: So werden in Kleinwallstadt Fledermäuse in Not gerettet
Quelle: Annika Kickstein

Rund 300 Kolonien der Fledermausart gibt es in Bayern, sieben davon im Landkreis Miltenberg. »Die Tiere halten sich im Sommer in den Dachböden von Schlössern, Kirchen und Rathäusern auf« berichtet er. Die Weibchen plus jeweils ein Junges bilden Kolonien - rund 260 Tiere pro Kolonie im Landkreis, sie können aber auch bis zu 2500 Tiere stark sein. Die Väter sind nicht dabei. Nachts wärmen sich die Jungtiere in den Wochenstuben gegenseitig, während die Mütter jagen und zum Säugen zurückkommen - wenn es genug Insekten gibt. »Der Insektenschwund ist ein großes Problem für die Tiere« erklärt Hildegund Helm. Statt Mitte April war es in diesem Jahr erst im Mai frostfrei. Die Tiere können bei zu niedrigen Temperaturen nachts nicht fliegen und auch ihre Beute benötigen warme Nächte.

Der diesjährige Nachwuchs kam im kühlen und regnerischen Juni zur Welt. Die Muttertiere konnten nur wenig Nahrung finden und auch Flugübungen können bei schlechten Wetterbedingungen nicht stattfinden. Viele Tiere sind einfach verhungert.

Problem Dachsanierung

Doch nicht nur der Mangel an Futter setzt den Tieren zu. Fledermäuse haben feste Sommerquartiere für die Wochenstube. Die kleineren Fledermausarten, wie die Braunen und Grauen Langohren, auch in privaten Dachböden. »Das Wirken des Menschen ist das eigentliche Problem«, so Hammer. Werden Dächer saniert, können sie nicht angeflogen werden. Fledermausquartiere sind gesetzlich geschützt und Umbaumaßnahmen müssen unter dem Aspekt des Fledermausschutzes geplant werden. »Wir finden immer Lösungen mit Dachdeckern und Architekten«, sagt er, wenn es denn vorher bedacht wird. »Nehmt den goldenen September« schlägt Hammer bei Neudeckungen vor, da sind die Tiere schon wieder ausgezogen. Eigentlich - denn statt wie sonst Mitte August, konnte Hildegund Heim erst Anfang September die letzten Tiere in die freie Wildbahn entlassen - wegen des Wetters.

Eine weitere »unzumutbare Störung« ist laut Hammer die Lichtverschmutzung: Ist es nachts zu hell, wird die Jagdzeit künstlich verkürzt und die Konkurrenz um die Beute noch größer. Da kam das »Volksbegehren Artenschutz« auch den kleinen Säugetieren zugute: Laut Immissionsschutzgesetz dürfen öffentliche Gebäude nur noch bis 23 Uhr angestrahlt werden. So haben sie bei der Futtersuche wenigstens etwas mehr Zeit.

Hintergrund: Was kann man für Fledermausschutz tun?

Der Fledermausschutz freut sich über ehrenamtlich Helfer, zum Beispiel bei der Pflege oder auch der Beratung von Privatpersonen, die Fledermauskolonien im Dachboden oder Keller haben. Naturnahe Gärten, gerne mit nachtblühenden Pflanzen und Wasserstellen, unterstützen die Fledermäuse bei der Nahrungssuche. Wenn ungewöhnliche Kotspuren auf dem Dachboden oder im Keller auffallen, gerne die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt Miltenberg oder den Bund Naturschutz kontaktieren. Die prüfen, ob es sich um Fledermausquartiere handelt.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!