Robin Haseler will für die SPD ins Weilbacher Rathaus

Zweiter Anlauf fürs Bürgermeisteramt

Weilbach
2 Min.

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Möchte den Regionalmarkt Weilbach (im Hintergrund rechts) noch attraktiver für Einkäufer gestalten: Robin Haseler. Der Bürgermeisterkandidat der Sozialdemokraten lobt den Zusammenhalt seiner Gemeinde.
Foto: Robin Haseler
Po­li­ti­ker sind wie Rap­per. Sie sp­re­chen in Zi­ta­ten, Be­zü­gen. Kon­sens und Kampf, Poe­sie und Pa­ro­len. "Po­li­tik und Hip-Hop sind Teil der Re­mix-Kul­tur", sagt Ro­bin Ha­se­ler. Ir­gend­wie war al­les schon mal da, al­les wird re­cy­celt. "Ei­ne Ge­mein­de hat vie­le Fa­cet­ten. Als Bür­ger­meis­ter musst du was Run­des dar­aus ma­chen."

Haselers Rezept für den Rathaus-Song: hinhören, Brauchbares mitnehmen, eigene Ideen einflechten. »Mehrwert für alle«, sagt er. »Am Ende muss ein Komplettpaket stehen, keine Spiegelstriche.«

Spiegelstriche mag er nicht, der SPD-Kandidat für Weilbach. Da gehen Bezüge verloren, sagt der 38-Jährige. »Alles hängt zusammen.« Gut, dass Haseler für seine Themen sowieso keine Listen braucht. Bloß Stichworte. Den Rest kann er auswendig. Zahlen, Daten. Er redet viel, redet schell. Ein Remix der vergangenen sechs Jahre Gemeinderat. So lang sitzt er schon im Gremium.

Bereits 2014 wollte der Musik-Fan Bürgermeister werden. Er holte 20,9 Prozent, unterlag Noch-Amtsinhaber Bernhard Kern (mittlerweile CSU). Dieser tritt nun nicht mehr an, eine zweite Chance für den Sozialdemokraten. Er ist einer von vier Bewerbern. »Ich will in die Stichwahl«, sagt Haseler. »Alles ist offen. Es ist köstlich, den Gesprächen im Ort zu lauschen.« Und das sehr genau. »Viele haben Ideen, auf die ich nicht gekommen wäre und die ich aufgreifen kann.« Was fürs Remix-Repertoire.

Im Ort bekannt

Haseler kann aus vielen Quellen schöpfen. Er grüßt, er plänkelt, er winkt. Durch seinen Job kennt ihn jedes Kind. Haseler hat Germanistik und Geschichte studiert, verdient sein Geld als Pädagoge beim Weilbacher Verein »Erleben - Arbeiten und Lernen«. Als Schulbegleiter und Integrationskraft betreut er Kinder und Jugendliche, die noch ihren Platz in der Gesellschaft suchen. Zudem leitet er die Offene Ganztagsschule in Amorbach. »Ich lerne viel«, sagt er. Auch von seinen beiden Töchtern.

Seit 20 Jahren engagiert sich Haseler in der Kommunalpolitik. Begonnen hat er bei den Jusos Amorbach. In einer Zeit, als in der Stadt »rechte Tendenzen« erkennbar gewesen seien. »Damals hat mich die politische Diskussion nicht interessiert. Ich fand es aber furchtbar, dass einige Typen Hakenkreuze cool fanden.« Ein Kumpel habe ihn gefragt, ob er mit zum Treff der Jusos wolle. »Ich habe erst mal ,nö' gesagt, euch finde ich eigentlich doof, ich will lieber ein Buch lesen«, Haseler lacht. »Aber alle meine Freunde waren da, also hab ich's doch gemacht. Und bin geblieben.« 1998 zieht er nach Weckbach, bleibt den Jusos treu, die es dort seit 2002 gibt. Engagiert sich auf Kreisebene, beschäftigt sich mit Bundespolitik, besonders mit Netzthemen.

Die Suchmaschine Ecosia lässt ihre Werbeeinnahmen in den Umweltschutz fließen und zeigt dem Nutzer an, wie viele Bäume dank seiner Anfragen bereits gepflanzt werden konnten. Robin Haseler liegt das Klima sehr am Herzen. Außerdem ist der SPD-Kandidat viel in sozialen Netzwerken unterwegs - testet aktuell etwa TikTok, neuster App-Schrei bei Jugendlichen, um Kurzvideos zu posten.
Foto: Robin Haseler

Ohnehin interessiert sich der 38-Jährige für die digitale Welt. Nutzt Facebook, Instagram, Twitter. Hört beim Hunde-Spaziergang politische Podcasts, bloggt über den Wahlkampf. Postet regelmäßig, nutzt die Kanäle für »Publicity« wie er sagt. Und für Meinungsaustausch. »Die Ansprache von Wählern hat sich verändert. Diesen Weg muss man mitgehen«, findet er. Als Bürgermeister sei das eine Zeitfrage. »Aber ich kann transparent machen, was ich tue.«

Sowieso: die Bürger mitnehmen. Ihnen etwas bieten. »Wir müssen unsere Läden erhalten«, betont Haseler. Das Angebot des Regionalmarktes würde er gern ergänzen. »Wir können stolz darauf sein, was wir haben. Aber wir müssen weiterdenken.« Beides gilt etwa für das Medizinische Versorgungszentrum.

Weilbach sei oft Vorreiter, scheitere manchmal, nehme die Erfahrung und mache was draus. Es gehe der Gemeinde gut. Kita: »nichts zu kritteln«. Vereinsarbeit: »stark«. Fürs Klima will Haseler einen »Kassensturz« machen, um Potenziale aufzudecken. »Dann möchte ich effizient Geld investieren. Photovoltaik ist ein guter Anfang, aber da geht mehr.«

Bildungsleuchtturm

Wohnraum sei hingegen schwierig, die Flächen begrenzt. Umnutzung alter Gebäude, Leerstand aufkaufen - das könnte helfen. Auch an die Firmen müsse gedacht werden. »Weilbach soll keine reine Wohnstadt sein, in der Leute morgens aus der Garage fahren und abends zurückkommen«, sagt Haseler. Vielmehr sollen die Bürger vor der Haustür finden, was sie brauchen.

Bildung, zum Beispiel. Der SPDler möchte die Jugendsozialarbeit an Schulen ausweiten. Auch Vereine will er mehr unterstützen. »Kein Rathauschef kann aktive Mitglieder backen«. sagt er. »Aber wir können den passenden Rahmen bieten.« Ideen? Will er in Gesprächen finden, mit Bürgern, Kommunen. Remix, eben.

Wenn Haseler nicht Hip-Hop hört oder Haustürwahlkampf macht, liest er. »Ich mag Science Fiction.« Das passe zur Kommunalpolitik, es gehe ja darum, die Gemeinde zukunftsfähig zu gestalten. Haseler grinst. »Ich mag Visionen«, sagt er. »Auch für Weilbach.«

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