Richtstätte und Wachturm am Mechenharder Galgenberg

Erinnerung an verschwundene Bodendenkmäler am Themenweg "Hügelgräber"

Erlenbach a.Main
2 Min.

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Der Dreischläfrige Galgen auf dem Hohberg bei Klingenberg. Die Richtstätte am Galgenberg hätte lange vor der Verlegung des Hochgerichts 1544 nach Klingenberg dort Urteile vollstreckt.
Foto: Bernd Ullrich
Die Flugwacht (Infotafel Nr. 4) mit Fotos und Texten zum Beobachtungsturm Mit Beginn des 2. Weltkrieges begann die deutsche Wehrmacht, an verschiedenen Orten Beobachtungstürme zur Ortung von feindlichen Flugzeugen zu bauen. Ein solcher Beobachtungsturm wurde auch auf dem Galgenberg errichtet, der über drei Leitern zu besteigen war. Dazu wurde eine Baracke als Unterkunft errichtet, um von diesem Turm den nahen Flugverkehr zu überwachen. Der Standort, wie sich aus vielen Recherchen bestätigt hat, war ziemlich genau in einer Waldecke, dem sogenannten "Mechenharder Eck".
Foto: Bernd Ullrich
Der The­men­weg Hü­gel­gräb­er auf In­i­tia­ti­ve von Hart­mut Sch­mitt vom Na­tur­schutz­ve­r­ein Er­len­bach ist am 23. Ok­tober of­fi­zi­ell in Me­chen­hard er­öff­net wor­den (wir be­rich­te­ten). Zwei wei­te­re Bo­den­denk­mä­ler am dor­ti­gen Gal­gen­berg sind die Flug­wacht, ein Re­likt aus dem Zwei­ten Welt­krieg (In­fo­ta­fel Nr. 4) so­wie der Cent Gal­gen zur Eich, Richt­platz zwi­schen Me­chen­hard und St­reit (In­fo­ta­fel Nr. 7).

Über sie informierten Hartmut Schmitt und Bernhard Fried vom Erlenbacher Naturschutzverein nun vor Ort.

Der Cent Galgen zur Eich: Unter fränkischer Hoheit (ab 500 n. Chr.) entstanden sogenannte Gaue, die wiederum in Cente aufgegliedert waren (siehe Hintergrund). So entstand hier die »Cent zur Eich«. Am höchsten Punkt zwischen Mechenhard und Streit lag im Mittelalter ein Richtplatz, auf dem Todesurteile vollstreckt wurden.

Weithin sichtbare Mahnung

Vom Cent-Galgen ist außer roten Markierungen der Fundamente projiziert auf ein digitales Geländemodell durch die Bayerische Vermessungsverwaltung 2021 und einer Infotafel am vermutlichen Standort am Themenweg nichts mehr zu finden.

Die Holz-Rekonstruktion eines solchen dreischläfrigen Galgens steht auf dem Hohberg bei Klingenberg. An der Richtstätte am Mechenharder Galgenberg wurde lange vor der Verlegung des Hochgerichts im Jahre 1544 nach Klingenberg Urteile vollstreckt. Neben dem Namen »Galgenberg« spricht hierfür auch, dass dieser Bereich, im Gegensatz zu heute, noch nicht bewaldet war und die Hinrichtungsstätte abschreckend von weitem sichtbar sofort ins Auge fiel. Doch ohne Grabungsarbeiten an dieser Stelle bleibt ein Rest Ungewissheit.

Die Flugwacht: Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs begann die deutsche Wehrmacht, Beobachtungstürme zum Schutz vor feindlichen Flugzeugen zu bauen, so auch auf dem Galgenberg wohl am »Mechenharder Eck«. Dieser Turm war über drei Leitern zu besteigen, dazu wurde eine Baracke als Unterkunft errichtet.

Soldaten und »Blitzmädchen«

In solchen mit elf Soldaten besetzten Flugwachen versahen überwiegend Männer der benachbarten Dörfer Dienst, unterstützt von Luftwaffenhelferinnen, den sogenannten »Blitzmädchen«, um feindliche Flugbewegungen sofort zur Leitstelle zu melden, die daraufhin umgehend die eigene Flugabwehr in Gang setzte. Leiter der Station war anfangs Feldwebel Martin Weigand, der im 1. Weltkrieg Unteroffizier bei der Artillerie war. Im folgte Lukas Hofmann, der gleichzeitig Bürgermeister war.

So hatte damals auch diese kleine Einheit am Galgenberg mit einfacher Ausstattung eine wichtige Aufgabe. Im März 1945, beim Heranrücken der US-Bodentruppen, vergrub ein Major der Wehrmacht sämtliche Waffen und brannte die Gebäude der kleinen Flugwache restlos nieder. Den genauen Standort dieser Flugmeldeeinheit zu ermitteln, war nicht einfach, da es kaum noch Zeitzeugen gibt, die sich an die Situation vor Ort erinnern können.

Ein Zeitzeuge erinnert sich

Sichere Auskunft konnte der heute in Mespelbrunn lebende Albrecht Weigand geben. Am 22. August 1925 in Streit geboren war der ausgebildete Jagdflieger bei Kriegsende noch keine 20 Jahre alt. Er erinnerte sich 2020 noch sehr genau, als es sich bei einem Überführungsflug einer Bücker Bü 181 am 18. Januar 1945 von Darmstadt nach Würzburg anbot, die Stellung der Flugwache und auch sein Heimatdorf zu überfliegen.

Bezüglich des Standorts sagte er: »Der Turm stand, dass weiß ich noch ganz genau, in der Waldecke gegenüber dem Punkt, wenn man auf der Straße nach Schmachtenberg auf die Höhe kommt.«

Festgehalten werden kann auf jeden Fall, dass an dieser Stelle an der die Schautafel mit kurzer Beschreibung und Fotos aufgestellt wurde, die »Flugwacht am Mechenharder Eck« für die Nachwelt kenntlich gemacht wurde.

Hintergrund: Die Franken im Rhein- und im Maintal

Nach ihren Siegen von 496 und 506 n. Chr. unter Choldwig über die Alemannen und 531/32 über die Thüringer standen die Franken als Gewinner der Völkerwanderungszeit fest. Die Besiedlung und "Verfrankung" des Rhein- und des Maintals und der angrenzenden Gebiete nahm ihren Anfang. Bei der Kolonisation durch die Franken entstanden Bereiche, die Gaue genannt wurden. Das Gebiet östlich des Rheins und südlich des Mains etwa ab der Linie Offenbach-Odenwald nannte man "Maingau". Mit dem Siedlungsausbau im Vorspessart weitete sich der Bachgau immer weiter aus, es entstanden die Centen "Aschaffinburg", "trans Mogum" (jenseits des Mains) und "ad Quercum" (zur Eich), zu der Mechenhard und Streit gehörten. (ulb, Atlas 37ff; UFR-1 260; Atlas AB 37f)

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