Rentner halten Niedernberg in Schuss

Engagement: - Ein Projekt ist der Generationenplatz

Niedernberg
3 Min.

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Kurz verschnaufen: Selbst bei Temperaturen von über 30 Grad im Schatten erscheinen die Niedernberger Rentner zum freiwilligen Arbeitseinsatz. Damit die Dorfverschönerer immer genug zu trinken haben, spendiert die Gemeinde Cola und Säfte.
Foto: Nicole Koller
Die Son­ne brennt fast senk­recht vom Him­mel, doch Ber­t­hold Loch­ner denkt nicht da­ran, die Kel­le aus der Hand zu le­gen. Der 80-Jäh­ri­ge be­st­reicht Sand­stein nach Sand­stein mit Mör­t­el. Er baut ei­ne neue Mau­er für den Ge­ne­ra­tio­nen­platz. Da­bei ist der ge­lern­te Stein­metz und Maur­er­meis­ter längst im Ru­he­stand. Die Ar­beit im Nie­dern­ber­ger Orts­kern macht er zum Spaß.
Jeden Dienstag werkelt er zusammen mit der Rentnerband, wie sich die 14 Männer zwischen 65 und 82 Jahren nennen.
Seit 1998 verschönern Senioren wie Lochner ihre Heimatgemeinde. Angefangen hat das Ganze mit Herbert Hartlaub. Besser gesagt: mit seiner Frau. Die überzeugte ihren Gatten vor 16 Jahren, den Mainuferweg auf Vordermann zu bringen. Der damals 58-Jährige hatte sich gerade aus der Berufsfeuerwehr in den Ruhestand verabschiedet. Genug Zeit also, um den Weg vor der Haustür aufzumöbeln. Seine Frau und ein paar ehemalige Kollegen im Schlepptau schuftete Herbert Hartlaub jeden Dienstag am Leinritt, wie die Niedernberger ihren Mainuferweg nennen. »Das hat sich eingebürgert.«
Ebenso eingebürgert hat sich der Name: Rentnerband. Weil die älteren Herren bei der Arbeit gern singen. Aktive Musiker sind die Senioren allerdings nicht. »Wir klappern höchstens mit dem Gebiss«, sagt Hartlaub.
21 000 Arbeitsstunden
21 000 Stunden Arbeit haben die Rentner bisher für die Gemeinde geleistet. Und viel Lob kassiert. Für ihre Projekte legen sich die Männer so richtig ins Zeug. Wer wie Reinhold Fäth keine schwere körperliche Arbeit mehr leisten kann, mäht den Rasen oder schneidet Äste. »Ich habe die Baumschere auch einstecken, wenn ich spazieren gehe«, demonstriert Fäth sein Engagement für die Gemeinde. Man sieht dem 76-Jährigen an, dass er oft draußen arbeitet. Er ist braun gebrannt wie nach vier Wochen Urlaub am Äquator.
Nach dem Leinritt nahmen die Dorfverschönerer den Bubenbadeplatz in Angriff. Die Friedhofsmauer, das Wiegehäuschen und der Turm aus dem 15. Jahrhundert folgten. Jedes Jahr suchen sich die Rentner seither ein anderes Projekt, dass sie zwischen Frühjahr und Herbst abhaken. »Wer rastet, der rostet«, ist ein Motto Hartlaubs. Dank seiner Hartnäckigkeit stehen 28 Ruhebänke im Ortsbereich. Auch der Bildstock am Dorfplatz und ein Galgen nebst Infotafel am früheren Richtplatz gehen auf seine Initiative zurück.
Vergangenes Jahr nahmen der 75-Jährige und seine Crew den Generationenplatz in Angriff. Wo vor anderthalb Jahren noch zwei Gärten verwilderten, ist ein Park mit Großfiguren-Schachbrett, Sinnespfad, Kinderspielplatz und Fitnessgeräten für Senioren entstanden.
Nach rund sechs Monaten war der Platz samt selbst gebauter Hütte fertig. Damit auch Rollstuhlfahrer die neue Vergnügungsmeile ansteuern können, haben die Rentner einen barrierefreien Zugang gebaut. Jetzt steht der Feinschliff an.
»Arbeit hält jung«, sagt Heinrich Kämmerer. Der 73-Jährige hat die Bänke im Generationenpark gebaut. Aus zwei Eichen, die Herbert Hartlaub vom Förster bekommen hat. »Für die Rentnerband haben eben alle ein offenes Ohr«, sagt der ehemalige Feuerwehrmann.
Rund 20 000 Euro hat der Generationenplatz gekostet. 15 000 sammelten die Rentner durch Spenden und Aktionen. Etwa durch das regelmäßige Turmpicknick. Die Gruppe unterstützt außerdem örtliche Vereine, um sich nebenbei etwas für die Dorfverschönerung zu verdienen. Was die Rentner nicht selbst aufbringen können, legt die Gemeinde drauf, die außerdem jeden Dienstag Getränke und belegte Brötchen spendiert. Der Bauhof stellt die Geräte, die die aktiven Senioren für ihre Arbeit brauchen. Mit Bürgermeister Jürgen Reinhard trifft sich Hartlaub jedes Jahr, um in einem Gespräch zu klären, welche Projekte anstehen.
Sind größere Zuschüsse nötig, wandern die Vorhaben in den Gemeinderat. Bisher sei das sehr unkompliziert abgelaufen, lobt Hartlaub die Lokalpolitiker. Für Jürgen Reinhard ist das selbstverständlich. Der Bürgermeister ist stolz auf seine Niedernberger Senioren. Er habe deren Engagement sogar mit der Kulturmedaille ausgezeichnet.
»Die Rentnerband ist eine feste Größe hier im Ort«, sagt Reinhard. Es gebe viele Vorhaben, die ohne die älteren Herren nie umgesetzt worden wären. Etwa Mammutprojekte wie die Sanierung der historischen Stadtmauer. Hätte die Gemeinde einen solchen Auftrag an eine Firma vergeben, wären sechsstellige Summen fällig gewesen, ist der Bürgermeister sicher. Die Rentner dagegen begnügten sich mit Verpflegung und gelegentlichen Festen, die die Gemeinde organisiert.
Regelmäßige Arbeit hält fit, sind sich alle in der Rentnertruppe einig. Schon jetzt überlegen die Männer, was sie als nächstes anpacken könnten. Aufhören wollen die Dorfverschönerer erst dann, wenn die Knochen nicht mehr mitspielen. Nicole Koller
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