Randnotizen zum Mömlinger Hallenbad: Sachlichkeit abgesoffen

Von Eva-Maria Lill

Mömlingen
1 Min.

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Diese Metapher mit den hohen Wellen. Ätzend abgegriffen. Würde sie in diesem Fall bloß nicht so gut passen. Denn bei wuchtigem Wasserschlag wird's schwer, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. Nämlich aufs Schwimmen.

Die Diskussion um das Hallenbad überbraust aktuell die Mömlinger Seele. Das arme Ding wird richtig seekrank, ist sie doch sanftes Gewässer gewöhnt. »Eine solche Diskussion, geschweige denn ein Bürgerentscheid, das ist für unseren Ort ungewöhnlich.« Zumindest darin sind sich Bürgermeister Siegfried Scholtka (CSU), die Befürworter und die Bürgerinitiative (BI) gegen den Neubau am Ort einig.

Ach: Und in ihrer Beteuerung, sie seien sachlich, die Gegenseite hingegen nicht. Das läuft auf Facebook ebenso wie beim Gemeindegespräch. Butter bei die Fische: Die Sachlichkeit ist bei dieser Diskussion längst abgesoffen.

Die Pro-Badler munkeln über unlauteren Methoden, mit denen die BI Unterschriften gesammelt haben soll, von anonymen Schreiben an den Bund der Steuerzahler, von Drohungen an den Landrat. Die BI bestreitet das und wirft Scholtka vor, Auskünfte zu verweigern und Zahlen zu unterschlagen, »Taschenspielertricks« zu nutzen. Auf den sozialen Netzwerken schaukelt die Diskussion erwartungsgemäß noch wilder, Kommentar über Kommentar. Beschimpfungen, Unterstellungen. Da scheint bei Manchem längst das Becken übergelaufen, da leckt's gewaltig. Welle, Welle, Welle.

Keine »Spalter«

Auch wehrt sich die Gegen-BI dagegen, als »Spalter des Ortes« gesehen zu werden. Gut, spalten ist schwer, wenn ein Projekt von von vornherein zwei Ufer hat. Die BI teilt dennoch das Mömlinger Meer. Oder sorgt zumindest dafür, dass über den Graben darin sehr laut gesprochen wird.
Im Grunde ist das legitim und gut. Meinungen, Initiativen und Entscheide: alles tolle Inseln der Demokratie. Wie sooft im Leben macht's jedoch der Ton. »Der-hat-aber«, »der-soll-aber«, »der-macht-aber«: Das ist nicht der Ton der Demokratie, das ist Gekreische am Beckenrand. Das ist unnötig viel Welle um wenig. Da wird mit Getöse Schlamm aufgewirbelt, überall. Kaum möglich, durchzublicken.

Dabei ist es doch das, worum es beiden Seiten gehen sollte. Sich in der Mitte treffen. Das Meer vereinigen. Dem Bürger stattdessen Durchblick schenken, dem Thema auf den Grund gehen. Genaue Information, genaues Abwägen. Ohne Wellen. In dieser Diskussion scheint's dafür zu spät. Da hilft nur noch: Wogen glätten. Was für eine ätzende Metapher. Würde sie in diesem Fall bloß nicht so gut passen.

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