Pure Lebensfreude - virtuos, temporeich und mitreißend

Musik: Klezmer Quartett Heidelberg begeistert mit Fidel, Klarinette, Trommel und Akkordeon bei Konzertpremiere in der Kleinwallstädter Zehntscheune

Kleinwallstadt
1 Min.

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Rhythmus und sonorer Klang: Roland Döringer (links) trommelt und Jörg Teichert bläst die Tuba.
Foto: Ruth Weitz
Noch vor der of­fi­zi­el­len Er­öff­nung des neu­en Mu­sen­tem­pels in Klein­wall­stadt (sie­he Sei­te 17), der Zehnt­scheu­ne, fand dort am Frei­ta­g­a­bend die ers­te Vor­stel­lung statt. »Es ist die Pre­mie­re vor der Pre­mie­re«, sag­te Ver­an­stal­te­rin Bir­git­te Funk. Sie hat­te das Klez­mer Quar­tett Hei­del­berg in die neu­en Räu­me ge­holt und da­mit voll ins Schwar­ze ge­trof­fen.
Die Besucher im ausverkauften Haus zeigten sich begeistert und mitgerissen von einer Musik, die pure Lebensfreude ausstrahlt und dabei höchst virtuos und facettenreich interpretiert wurde.
Bürgermeister Thomas Köhler fasste sich in seiner Begrüßung bewusst kurz. »Sie sollen die schöne Musik genießen.« Mit großem Brimborium zog das Quartett aus fünf Musikern in den Saal ein. Die Interpreten ließen es schon beim ersten Stück richtig krachen, untermalt mit rhythmischem Trommelschlag, putzmunterer Fidel, tänzelnden Akkordeonklängen, zwitschernder Klarinette und fröhlich schmetternder Trompete. Die Melodie war so temporeich und mitreißend, dass die Zuhörer bereits zu Beginn in muntere Stimmung versetzt wurden.
Die gute Laune wurde im Verlauf des Abends noch getoppt und veranlasste so manchen Zuhörer zu frenetischen »Bravo«-Rufen. Aber es waren auch leise, melancholische Töne, die vom Klezmer-Quartett intoniert und mit entsprechenden Begleittexten umrankt wurden.
Martin Leckebusch erzählte die Geschichte vom todkranken Rabbi, dem ein junges Mädchen sein Leben schenkte und daraufhin ihr eigenes aushauchte. Der Rabbi wurde gesund und durchlebte all das, was dem Mädchen widerfahren wäre, wenn der vorzeitige Tod es nicht dahin gerafft hätte. Die Hoffnung des Rabbis, dass der Lebenslauf nur eine einzige Schattenseite aufweisen würde, bewahrheitete sich nicht. Das Mädchen hätte ein sehr glückliches Leben gehabt.
Diese Geschichte hatte das fünfköpfige Ensemble in eine Musik gepackt, die von einer schluchzenden Violine (Michael Leckebusch) eingeleitet wurde. Nach und nach klinkten sich die übrigen Musikern ein: Holger Reichert (Klarinette, Saxofon), Florian Scharnofske (Akkordeon), Roland Döringer (Kontrabass und Percussion) und Jörg Teichert (Trompete, Tuba, Mandoline, Maultrommel), um die schwermütige Melodie mit den verschiedenen Klangfarben der Instrumente zu nuancieren. Fast schon schleppend zog sich die Musik dahin, um zum Schluss in eine fröhliche Tanzweise zu münden, und die Zuhörer hatten das Gefühl: Alles wird gut!
Alle fünf Interpreten zeigten sich hervorragend aufeinander abgestimmt und glänzten in ihren Soli als virtuose Könner. Das Publikum belohnte die mit Elementen aus Folk, Jazz und Ethno-Musik angereicherten Klezmer-Stücke mit anhaltendem Applaus. Zwei Zugaben wurden erklatscht, bevor die Gäste das Birgitte Funkes Angebot nutzten, bei einem Glas Sekt den Abend ausklingen zu lassen. Ruth Weitz
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