Preunschener Feuerwehr ist 125 Jahre alt

Festprogramm vom 18. bis 20. Juni mit Kreisfeuerwehrtag

Kirchzell
2 Min.

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Die Aktiven der Feuerwehr Preunschen im Jahr 2009.
Foto: Georg Hess
Nüchterner Zweckbau: Das Domizil der Preunschener Wehr.
Foto: Feuerwehr Preunschen
Die Feu­er­wehr des im Jah­re 1975 in die Groß­ge­mein­de Kirch­zell ein­ge­g­lie­der­ten Oden­wald­dor­fes Preun­schen fei­ert am Wo­che­n­en­de ihr 125-jäh­ri­ges Be­ste­hen mit der Aus­rich­tung des Kreis­feu­er­wehr­ta­ges.

Das Festprogramm sieht neben einem Kindernachmittag und einem Tanzabend mit den »Schneeberger Musikanten« am Samstag die offizielle Übergabe verschiedener Feuerwehrfahrzeuge aus dem Landkreis sowie einer Ausstellung von Feuerwehrfahrzeugen und Vorführungen über Einsatzszenarien am Sonntag vor. Am Montag gibt es dann noch einen Seniorennachmittag, und am Abend spielen die Schloßauer Musikanten zum bayerischen Bierabend auf.

Gründung aus Trotz

Wie der Vereinschronik zu entnehmen ist, war die Gründung der Feuerwehr Preunschen etwas »ungewöhnlich«. Im Jahr 1897, Feuerwehr gab es noch eine Pflichtfeuerwehr in Preunschen. Diese Pflichtfeuerwehr konnte eine Gemeinde anordnen, wenn sich nicht genügend Bürger für den ehrenamtlichen Feuerwehrdienst zur Verfügung gestellt hatten. Aus Trotz und Verärgerung der damaligen Wehrmänner, die nach einer Übung den Bürgermeister um ein Freibier baten, der aber diese Bitte abschlug (er wollte die Gemeindekasse schonen) gründeten 24 Männer im August 1897 die Freiweillige Feuerwehr Preunschen. Am 28. November 1897 fand in der »Fertig´schen Wirtschaft« die erste und zugleich konstituierende Sitzung statt, in der Ludwig Breunig zum Kommandanten gewählt wurde. Die »Steigerabteilung« wählte Michael Herkert, und die »Spritzenabteilung« Alois Herkert zu ihren Führern. Um einen Kassengrundstock zu erhalten, beschloss man einen Mitgliederbeitrag von zehn Pfennig im Monat.

Streit ums Freibier

Nach der Gründung kam es aber schon bald zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der jungen Wehr. Die Finanzierung der Gerätschaften und der Ausrüstung der Feuerwehrmänner erregte dabei die Gemüter. Auch konnte man sich über die Menge des ausgeschenkten Freibiers nach einer Übung nicht einigen. Aufgrund dieser Streitereien traten einige Männer wieder aus der Wehr aus. Im Jahr 1902 beschloss man daraufhin eine Strafe von drei Mark für einen Austritt ohne triftigen Grund zu erheben, um einem weiteren Mitgliederschwund entgegenzuwirken. Diese Maßnahme hatte Erfolg - in den folgenden Jahren blieb die Mitgliederzahl stabil.

Aber wie ein Eintrag im Protokollbuch aus dem Jahre 1910 zeigt, hatte die Wehr immer noch mit den alten Problemen zu kämpfen. So schrieb der damalige Adjutant und Kassier Rudolf Overath: »Für die Zukunft dürfen die Ausgaben für Bier und dergleichen nicht mehr die Höhe erreichen, wie sie laut Kassabuch für die letzten Jahre vorgetragen sind.« »Auch ist über die Reisegebühren für die Teilnahme an Festlichkeiten vorher Beschluss zu fassen«. Seine Mahnungen fanden aber leider kein Gehör. Zwei Jahre später legte er sein Amt »aus organisatorischen Gründen« nieder. Das 25-jährige Bestehen der Wehr im Jahre 1922 konnte aufgrund der Wirtschaftskrise, verbunden mit der damaligen großen Inflation im Land, nicht gefeiert werden. Ein Jahrhundert später ist Geldentwertung zwar auch wieder ein Thema, für die Preunschener aber kein Grund, dieses Mal auf ihr großes Fest zu verzichten.

Lebendige Kameradschaft

In der 250 Einwohner zählenden Ortsgemeinde, in der es keine großen Freizeitmöglichkeiten gibt, spielen die Vereine auch heute noch eine große Rolle. So ist die Feuerwehr der mitgliederstärkste Verein im Ort. Die alten Bräuche und die Kameradschaft werden hochgehalten. Nach einer Feuerwehrübung geht man zu einem »Schoppen« und zum Informationsaustausch entweder ins Gasthaus oder ins Feuerwehrhaus. Ebenso werden zwei bis dreimal im Jahr Kameradschaftsabende abgehalten. Bei der Heirat eines Feuerwehrkameraden steht der Verein an der Kirche Spalier. Aber auch bei allen kirchlichen Anlässen wie der Fronleichnamsprozession, oder dem Volkstrauertag ist die Feuerwehr als Begleitung in Uniform präsent. Für die Brauchtumspflege wird ebenfalls vieles getan. So stellt die Feuerwehr Preunschen Jahr für Jahr in einer »technischen Übung« den Maibaum in der Mitte des Dorfes auf.

Die Verantwortlichen der Wehr haben darüber hinaus eine erfolgreiche Werbekampagne im Hinblick auf die Gewinnung von Nachwuchskräften für die aktive Feuerwehr entwickelt. So dürfen die Kinder bei jeder Übung ihren Vätern zuschauen und mit einer Kübelspritze, die zur Zimmerbrandbekämpfung dient, die »Großen« nachahmen. Der Erfolg gibt dieser Idee recht - die Wehr hat bis heute keine Nachwuchssorgen.

Die Feuerwehr Preunschen besteht zurzeit aus insgesamt 56 Mitgliedern, davon 39 Aktive. Der Frauenanteil innerhalb der aktiven Feuerwehr liegt momentan bei null - was nicht ist, kann aber noch werden.

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