Prävention ist in Gesundheitsregion plus wichtiger denn je

Arbeitsgruppe bringt im Kreis Miltenberg Projekte in Unternehmen und Grundschulen auf den Weg

Miltenberg
3 Min.

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Arbeitsgruppe der Gesundheitsregionplus bringt konkrete Projekte auf den Weg
Foto: Heinz Linduschka
Beim Tref­fen der Ar­beits­grup­pe Ge­sund­heits­för­de­rung am Mitt­woch­a­bend im Land­rat­s­amt Mil­ten­berg wa­ren sich al­le an­we­sen­den Ver­t­re­ter von Kran­ken­kas­sen, Ve­r­ei­nen und Ver­bän­den, des Ge­sund­heit­samts und der Leis­tung­s­er­brin­ger ei­nig: Präv­en­ti­on ist heu­te wich­ti­ger denn je, um den zahl­rei­chen Krank­hei­ten vor­zu­beu­gen, die nicht an­ge­bo­ren, son­dern oft durch fal­sche, un­ge­sun­de Le­bens- und Ver­hal­tens­wei­sen her­vor­ge­ru­fen wer­den.

Seit dem Inkrafttreten des Präventionsgesetzes, dessen Leistungen aktuell in allen Bundesländern noch ausgeweitet und konkretisiert werden, hat auch diese Arbeitsgruppe der Gesundheitsregion plus noch bessere und noch mehr Möglichkeiten, Projekte zur effektiven Prävention auf den Weg zu bringen, zumal sich durch das Gesetz auch die Finanzierungschancen deutlich verbessert haben und vor allem nachweisbar erfolgversprechende Maßnahmen gefördert werden. Die Leitung der zweieinhalbstündigen Sitzung hatte Erwin Dittmeier vom Gesundheitsamt übernommen

Vorsorge für Mitarbeiter

Rolf Stockum, Geschäftsführer von »Prädikat Mensch« aus Großwallstadt, berichtete von einer wachsenden Zahl von Interessenten. Offenbar hätten auch die Unternehmen erkannt, dass gesundheitliche Vorsorge eine echte Win-Win-Situation schafft. Aktuell berät und unterstützt »Prädikat Mensch« vier Unternehmen in der Region mit insgesamt 800 Mitarbeitern. Die Ziele sind ehrgeizig: Bis 2021 soll diese Zahl auf 40 Betriebe mit 5000 Mitarbeitern steigen. Vor allem kleinen und mittleren Unternehmen will das Team um Stockum Hilfestellung leisten.

Ein andere Zielgruppe haben Isabel Altmann und Elisabeth Statt vom Frankfurter Verein »Mehr Zeit für Kinder«, die sich vor allem Gesundheitsförderung und Prävention in Kindergärten und Grundschulen zur Aufgabe gesetzt und auf diesem Gebiet schon viele Projekte durchgeführt haben.

Gesundes Trinken in Schulen

In fünf Grundschulen des Landkreises wollen sie mit ihrem erprobten und praxisnahen Projekt »WissensDurst - Kraftstoff Wasser« Kinder zum »gesunden und ausreichenden Trinkverhalten« anregen. Das Vereinsziel ist ein wenig trocken so formuliert: »Nachhaltig die Trinkaktivität in der Schulgemeinde erhöhen und die Lehrkräfte zur dauerhaften Integration der Trinkförderung im Schulalltag motivieren und befähigen.« Die praktische und kreative Umsetzung klingt dagegen alles andere als trocken, ist erfolgversprechend, kreativ und verspricht nachhaltige Erfolge. Vier Themen - darunter »Ich bin doch kein Kamel« und »Coole Geschmacksprofis« - werden in jeweils 90-minütigen Unterrichtseinheiten altersgerecht und praxisnah behandelt.

Beispielsweise wird der Zuckergehalt in Limonaden und Fruchtsäften anschaulich vor Augen geführt, die Mädchen und Jungen können den Geschmack verschiedener Mineralwässer testen und selbst wirklich gesunde Limonade oder Eistee zubereiten. Sie lernen, ihr Durstempfinden richtig einzuschätzen, und nach drei Monaten folgt dann noch eine Überprüfung, wie effektiv und nachhaltig die Aktion gewirkt hat.

Für Schüler und Eltern entstehen bei diesem Projekt, das von der BKK Akzo Nobel unterstützt wird, keine Kosten, und man darf sicher sein, dass sich mehr als die vorgesehenen Grundschulen melden werden, wenn das Vorhaben in den Schulen offiziell vorgestellt worden ist.

Informationen im Internet: www.mzfk.de. und www.praedikat-mensch.de.

Hintergrund: Das Präventionsgesetz

Das "Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention" (PrävG) trat im Juli 2015 in Kraft und wurde in den folgenden Jahren mit Landesrahmenvereinbarungen und konkreten Ausführungsbestimmungen ergänzt. Das Ziel des Gesetzes ist so formuliert: "Es muss sich ein neues Bewusstsein und eine Achtsamkeit für Gesundheit herausbilden. Die Gesundheit zu bewahren - lange bevor sich erste Vorboten einer Erkrankung zeigen - ist die Aufgabe jedes Einzelnen, aber auch Aufgabe all derer, die für die Gesundheit anderer mit Verantwortung tragen, wie Arbeitgeber sowie Träger von Kitas, Schulen, Pflegeheimen und vielen anderen Einrichtungen." Genannt werden vier Felder, die auch z.B. von der Arbeitsgruppe "Gesundheitsförderung und Prävention" in der GesundheitsregionPlus Miltenberg systematisch bearbeitet werden:

Gesundes Aufwachsen in der Familie, in Kindertageseinrichtungen, in sonstigen Einrichtungen der Kinder- und Jugendhilfe und in der Schule;

Gesundheitskompetenz in der Arbeitswelt und betriebliche Präventionskultur;

Gesundes Altern im selbstbestimmten Lebensumfeld;

Gesundheitliche Chancengleichheit.

Hauptträger und auch Geldgeber sind bei den Maßnahmen die Gesetzlichen Krankenkassen. Regelmäßige Präventionsberichte sind im Gesetz vorgeschrieben, der Bericht von 2018 aus Bayern beweist, dass es durchaus noch Nachholbedarf in der gleichmäßigen Versorgung im Bereich Prävention gibt.

Einige Zahlen für deutliche Ungleichheiten im Freistaat:

Die Spanne zwischen der höchsten und niedrigsten Lebenserwartung in den bayerischen Städten und Landkreisen betrug 2014 bei den Frauen 5,1, bei den Männern sogar 7,3 Jahre.

Die Unterschiede der Lebenserwartung nach Einkommensgruppen sind noch größer: Zwischen der höchsten und der niedrigsten von fünf Stufen betragen sie bei den Frauen 8,4 und bei den Männern 10,4 Jahre.

Im bundesweiten Vergleich der Selbsteinschätzung steht allerdings Bayern gut da: Insgesamt bezeichneten 74,1 Prozent der Bayern ihren Gesundheitszustand als "sehr gut/gut", bundesweit waren das nur 70 Prozent. Die Männer waren um durchschnittlich vier Prozent zufriedener als die Frauen. Dass Gesundheit auch in der subjektiven Einschätzung von Bildung und Einkommen abhängig ist, beweisen die Zahlen ebenfalls: Nur rund 58 Prozent der unteren Bildungsgruppe zeigten sich mit ihrer Gesundheit zufrieden, aber 84 Prozent der oberen Gruppe.

hlin

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