Plätschern und Pfeifen, Knarren und Krächzen

Konzert: Musiker und Künstler nutzen in Hausens Alter Dorfkirche Töne und Geräusche aus Wald und Flur für außergewöhnliches Klanggemälde

Hausen
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Klangkünstler bei der Arbeit: Das Trio Eckhard Kuchenbecker, Lasse-Marc Riek und David Rothenberg (von links) entführt tonal in die Tiefen des Waldes.
Foto: Julia Preißer
Rau­schen. Wind. Vo­gelzwit­schern. Das Klang­kon­zert Lis­te­ning Wood in der Al­ten Dorf­kir­che be­ginnt lei­se, fast zärt­lich. Die Klang­künst­ler Las­se-Marc Riek, Eck­hard Ku­chen­be­cker und Da­vid Ro­then­berg neh­men die Zu­hö­rer am Sonn­tag­vor­mit­tag mit auf ei­ne Rei­se durch die Tö­ne des Wal­des. Das Rau­schen des Win­des, das Knar­ren der Bäu­me und die Ge­räu­sche der Wald­tie­re lie­fern ein Kon­zert der be­son­de­ren Art.
Passend zum Klangthema Holz kommen die Schnitzereien von Bildhauer Konrad Franz zur Geltung: Etwa der große Holzkreisel in der Mitte des Raumes, oder die schmalen Figuren auf den Streben an der Kirchenwand. Die Zuhörer suchen sich ihren Platz selbst aus. Alles passt zusammen - selbst die hölzernen Klappstühle, die das Publikum am Eingang erhält.
Friedliche Stille
Als die ersten leisen Vögel pfeifen, wird es still im Raum. Einige schließen die Augen, wollen sich ganz dem Klang hingeben. Ein Bach plätschert, Frösche quaken verhalten. Jedes Nebengeräusch aus dem Publikum stört den Frieden. Riek und Kuchenbecker sitzen an ihren Notebooks, vor ihnen ein Mischpult. Einige Geräusche sind aufgenommen, andere entstehen aus dem Moment heraus.
Den Künstlern geht es nicht darum, einen strikt geplanten Geräuschteppich wiederzugeben, vielmehr möchte das Trio improvisieren und die Fantasie spielen lassen. Musiker David Rothenberg steigt nach zehn Minuten mit seiner Klarinette in die Tonfolge ein - fremdartig klingt das zunächst. Das Instrument durchschneidet die Klänge der Natur ohne disharmonisch zu stören. Wer die Augen geschlossen hat, öffnet sie jetzt aus Neugier. Was ist das?
Mit dem Auftritt der Klarinette schwellen die Töne an, werden lauter, aggressiver. Der leise Wind weitet sich zum Sturm, die Vögel krächzen und schreien. David Rothenberg spielt seine Klarinette mit Leidenschaft, wirkt berauscht. Im Geräuschteppich kristallisiert sich ein Baum heraus, dessen Äste knarzen und dessen Krone im Wind raschelt.
Lasse-Marc Riek und Eckhard Kuchenbecker lassen die lauter werdende Klarinette im Raum nachhallen. Eine rechteckige Flöte aus Holz schrillt. Vier Akte hat das Klangstück. Die ersten beiden beschreiben den Baum und seine Lebenswelt. Im dritten Teil stirbt der Baum - eine Motorsäge fällt ihn und der Koloss geht ächzend zu Boden. Die letzten beiden Akte sind geprägt von elektronischen Beats und dem Knistern eines Feuers. Als Transformation des Baumes beschreiben die Künstler Akt vier. Werkzeuge bearbeiten den Baumstamm, reißen die Rinde ab und hämmern das Holz. Der Baum erhält ein neues Dasein.
Rückkehr in die Wirklichkeit
Musiker David Rothenberg aus New Jersey hat sich privat und beruflich dem Klang von Vögeln verschrieben. Mit dem Buch »Why Birds Sing« begibt er sich auf musikalische Spurensuche durch die Natur. Der Hanauer Lasse-Marc Riek und der Aschaffenburger Eckhard Kuchenbecker arbeiten schon länger als Klangkünstler zusammen. Seit zwei Jahren betreiben sie die offene Veranstaltungsreihe Hörsaal und gastieren im Programmkino Casino und dem Stadttheater Aschaffenburg.
»Wir sind sensibilisiert auf den Klang unserer Umgebung«, sagt das Trio. Im alltäglichen Klangumfeld wollen die Künstler interessante Facetten entdecken und zum aufmerksamen Zuhören anregen. Das Konzert Listening Wood klingt nach einer knappen Stunde leise aus. Die Geräusche kehren wieder zur Sanftheit des ersten Aktes zurück und verhallen dann ganz. Das Publikum öffnet die Augen und kehrt in die wirkliche Welt zurück. Julia Preißer
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