Ortsumgehung Sulzbach: Niedernberg lehnt Nord-Süd-Trasse ab

Einstimmiges Votum des Gemeinderats

Niedernberg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Der Nie­dern­ber­ger Ge­mein­de­rat hat am Di­ens­tag ein­stim­mig be­sch­los­sen, die vor­ge­s­tell­te Vor­zug­stras­se Nord-Süd 1a der Ort­s­um­ge­hung Sulz­bach ab­zu­leh­nen. Da die un­ter­schied­li­chen Ein­wän­de der Ge­mein­de nicht aus­ge­räumt wer­den konn­ten, for­dert die Ge­mein­de den Frei­staat Bay­ern auf, von der Um­set­zung die­ser Tras­sen­füh­rung ab­zu­se­hen, die­se Va­ri­an­te nicht wei­ter zu ver­fol­gen und da­mit ver­bun­den auch kei­ne wei­te­ren Fest­le­gun­gen zu tref­fen.

Bürgermeister Jürgen Reinhard erläuterte die Gründe, die zu dieser Entscheidung führten. Die Verwaltung habe sich die Daten für die bevorzugte Variante der Ortsumgehung Sulzbach angeschaut und gravierende Abweichungen beim zugrunde liegenden, aktuellen Verkehrsverhalten in Niedernberg entdeckt. Sie entsprächen in keiner Weise den amtlich festgestellten Grundlagenzahlen.

Eigene Messungen

Die Gemeinde Niedernberg hat deshalb laut Reinhard eigene Messungen herangezogen, um festzustellen, welche Daten belastbar sind. Tatsächlich liegen diese Werte um etwa 40 Prozent niedriger als das Staatliche Bauamt in der Verkehrsuntersuchung präsentiert hat. Dies bestätige, dass der amtliche Wert glaubwürdig ist. Reinhard geht daher davon aus, dass auch in Sulzbach falsche Daten zugrunde liegen und deshalb die Prognosen über das künftige Verkehrsaufkommen fehlerhaft sind. Daher seien die möglichen Entlastungswirkungen des Verkehrsmodells in Frage zu stellen. Diese seien aber ausschlaggebend für die Variantenauswahl Nord-Süd 1a gewesen.

Zur Berechnung der Entlastungswirkung wurden nach Reinhards Angaben anhand von Modellrechnungen das aktuelle Verkehrsverhalten vor und nach den Baumaßnahmen, die die nächsten 20 Jahre als umgesetzt angenommen werden, und die Wirkung von strukturellen Veränderungen bewertet. Den Planungsunterlagen der Behörde vom Dezember 2018 sei zu entnehmen, dass in der Ortsdurchfahrt Niedernberg ein viel zu hoher Wert von 7100 Personenwagen und 560 Lastwagen für den Analysefall 2015 zugrunde gelegt wurde. Dieser sei aber Ausgangsbasis für die Modellrechnungen, bei dem die Verkehrsbelastungen sämtlicher planungsrelevanter Straßen im betroffenen Gebiet ermittelt werden sollen.

Eine falsche Datengrundlage bedeutet laut Reinhard jedoch, dass die Prognose des künftigen Verkehrsverhaltens nicht korrekt errechnet werden kann. Zur genauen Analyse sollte seiner Ansicht nach auch noch ein weiteres Kriterium herangezogen werden: der Ziel-, Quell- und Binnenverkehr, der in jedem Ort durch die Anwohner anfällt und eine konstante Größe ist. Er ist unabhängig von untersuchten Straßenalternativen und kann, ohne separate Anbindung, in der Regel nicht entlastet werden.

Nicht auf "Quatsch-Zahlen" beharren

In der anschließenden Debatte wurden noch weitere Fragen geklärt werden. Die Frage von Luise Faruga (CSU), ob bei der Ermittlung der Daten eine falsche Software eingesetzt wurde, antwortete Reinhard mit "Jein". Diese Software wäre für große Verkehrsströme wie Autobahnen und Bundesstraßen konzipiert worden, könne aber eingeschränkt auch für Situationen wie in Sulzbach eingesetzt werden. Auch Udo Bieber (CSU) waren die unterschiedlichen Zahlen aufgefallen. In früheren Aussagen wurde von 45 Prozent Entlastung ausgegangen, jetzt seien es plötzlich die 65 Prozent?

Siegmar Buhler hielt es für wichtig, erst einmal den Schwachpunkt der Datengrundlage zu klären. Alles weitere müsste dann entsprechend der Antwort neu bewertet werden. Jürgen Klement (FW) argumentierte, derzeit sei dermaßen viel im Fluss, dass verlässliche Prognosen schwierig seien. So werde bei Pendlern in Niedernberg überlegt, künftig über Sulzbach nach Aschaffenburg zu fahren. Solche Dinge müssten bei einer Suche nach einer Gesamtlösung ausgeblendet werden, der Zusammenhang sollte neu untersucht werden.

Josef Scheuring (SPD) bemängelte, dass in den beiden Kernfeldern Lärmbelastung und Hochwasserschutz noch keine Festlegungen getroffen worden seien. Er hielt das aktuelle Verfahren wie auch das bei der Schleusenstraße für unzulänglich und konfliktfördernd, da vor Festlegung auf eine Variante nicht alle Detailfragen gelöst wurden. Scheuring: "Es kann nicht der Sinn einer Behörde sein, Konflikte zu fördern und auf Zahlen zu beharren, die offensichtlich Quatsch sind."

 

 

 

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!