Ka­tho­li­schen Ar­beit­neh­mer-Be­we­gung: Open-Sozial motiviert zu bürgerschaftlichem Engagement

Am 12. Juni in Elsenfeld

Miltenberg
3 Min.

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Melanie Scholz
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Christine Hartlaub
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Joachim Schmitt
Foto: Joachim Schmitt
Die KAB-Initiative sozial & gerecht sucht mit der "Open-Sozial" Menschen, die sich dafür engagieren wollen, dass die Welt ein Stückchen besser wird.
Foto: Pat Christ
Ei­nem Ve­r­ein bei­zu­t­re­ten, da­zu kön­nen sich vie­le Men­schen nicht mehr über­win­den. Ve­r­ei­ne ha­ben in ih­ren Au­gen et­was Ver­staub­tes. Das "riecht" nach end­lo­sen Sit­zun­gen und der Pf­licht, Kas­sen zu prü­fen oder Pro­to­kol­le zu sch­rei­ben. Gleich­wohl wür­den sich man­che ger­ne en­ga­gie­ren - auch im Kreis Mil­ten­berg. Durch die "Open-So­zial", die am 12. Ju­ni in El­sen­feld statt­fin­den soll, will die In­i­tia­ti­ve "so­zial & ge­recht" der Ka­tho­li­schen Ar­beit­neh­mer-Be­we­gung (KAB) zu En­ga­ge­ment er­mu­ti­gen.

Etwas von sich aus tun, freiwillig, ohne dazu aufgefordert zu sein - das macht Spaß und ist spannend, hat Christine Hartlaub aus Niedernberg in den vergangenen Jahren erlebt. "Ich wollte politisch etwas für junge Familien erreichen", berichtet die 57-Jährige vom Beginn ihrer Freiwilligenarbeit. Auf der Suche danach, wie das gelingen könnte, entdeckte sie den Miltenberger Kreisverband der KAB: "Da blieb ich hängen." Seit 2018 engagiert sich die Korbmachermeisterin außerdem mit KAB-Bildungsreferent Joachim Schmitt, Marcus Schuck aus Weilbach und Melanie Scholz aus Elsenfeld für die Initiative "sozial & gerecht" und das Projekt "Open-Sozial".

Aktuell und attraktiv

Verbandsarbeit verkauft sich heute nicht mehr gut. Möglicherweise noch schlechter als Vereinsarbeit. "Gerade unser Name ist sperrig", weiß Joachim Schmitt. "Katholische Arbeitnehmer-Bewegung" - das lockt, wissen KABler, nicht mehr viele Leute hinterm Ofen hervor. Obwohl das, wofür der Verband steht, hochaktuell und hochattraktiv sei. In einer Welt, in der zunehmend das Geld regiert, setzt sich die KAB dafür ein, dass der Mensch wieder in den Mittelpunkt gerückt wird. In der Arbeitswelt. Im Gesundheitswesen. In der Politik. Inhaltlich sympathisiert der Verband sogar für so progressive Ideen wie jener einer Postwachstumsgesellschaft.

Hürden für Engagement abzubauen, ist die Stoßrichtung der Kampagne "Open-Sozial", bei der die KAB mit der Caritas, der Aktion Mensch und der "Koordinationsstelle Bürgerschaftliches Engagement" im Landkreis kooperiert. Wer immer eine Idee hat, für die er sich gerne einsetzen würde, kann die auf der "Open-Sozial" präsentieren. Vielleicht möchte sich der eine für einen Bürgerbus einsetzen, dem zweiten schwebt ein Repair-Café vor, der dritte würde gerne einen "Umsonstladen" etablieren. Bei der "Open-Sozial" findet er womöglich Mitstreiterinnen und Mitstreiter. Und ganz praktische Unterstützung.

Nun ist es zwar nicht so, dass die KAB in Miltenberg keinen Wert auf neue Mitglieder legen würde. Dennoch versteht sich die "Open-Sozial" dezidiert nicht als Mitgliederwerbekampagne. Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Durch konkretes Engagement sollen Menschen erfahren, wie sinnvoll es sein kann, in eine Struktur eingebettet zu sein. "Zum Beispiel kommt man so an Fortbildungen", sagt Christine Hartlaub, die sich, damit die "Open-Sozial" Hand und Fuß hat, zusammen mit ihren Mitstreitern gründlich zum Thema "Freiwilligenarbeit" fortgebildet hat. Durch Verbände und Vereine kommen Engagierte außerdem an Räume und Geld.

Risikobereitschaft

Es gehört eine Portion Risikobereitschaft dazu, so viel Zeit und Mühe in ein Projekt zu stecken, das dem eigenen Verband am Ende möglicherweise fast nichts bringt. "Es ist richtig, wir wissen nicht, was passieren wird", sagt Joachim Schmitt. Doch man wolle aus der "alten Verbandslogik" herauskommen, wolle neue Wege gehen. Vor allem möchte das Team von "sozial & gerecht" nicht nur Diskussionen erzeugen, etwa über das Sterben traditioneller Strukturen: "Wir wollen handeln." Beziehungsweise: Zum Handeln motivieren. "Dabei kann jeder mitmachen", betont Melanie Scholz. Auch Kirchenferne oder Menschen anderer Konfession.

Es bringt nichts, sich das Gehirn darüber zu zermartern, wie man Bürger dazu bringen könnte, in Verbände einzutreten und dort am besten auch noch gleich Vorstandsposten zu besetzen, meint Marcus Schuck: "Es geht darum, dass etwas passiert." Mit der "Rekrutierungsbrille" zu versuchen, zivilgesellschaftliches Engagement zu fördern, sieht auch der Pastoralreferent als nicht zielführend an. Schuck ist einfach neugierig darauf, welche Videobotschaften und Sprachnachrichten bis Juni wohl über die hochgeladen werden. Und welche Themengruppen am 12. Juni zustande kommen.

Hohes Potenzial

Untersuchungen zufolge ist die Quote derjenigen, die sich gern engagieren möchten, aber nicht wissen, wo und wie, hierzulande hoch. Genau dieses Potenzial will die "Open-Sozial" heben. Aufgegriffen werden Ideen, die das Zusammenleben in der Nachbarschaft verbessern, die Pflegebedürftigen oder pflegenden Angehörigen helfen oder Familien unterstützen. Auch Projekte rund um die aktuellen Themen "Mobilität" und "Digitalisierung" sind gefragt. Und nicht zuletzt neue Ideen für Initiativen, die darauf abzielen, Seelsorge, Glaube und Kirche zu erneuern.

Eine Gratwanderung

Die KAB in Miltenberg greift mit ihrer Initiative "Open-Sozial" ein aktuelles Thema auf: Wie können Menschen motiviert werden, sich zu engagieren? Dass dies, zumindest zunächst, völlig uneigennützig geschieht, lässt aufmerken. Und ist sehr mutig. Damit hat die KAB in Miltenberg die Zeichen der Zeit erkannt: Es nützt heutzutage nichts mehr, die Werbetrommel für eine Organisation zu rühren, die komplex ist und dadurch sehr stark erklärungsbedürftig wird.

Die Initiative ist umso mutiger, da die finanzielle Lage katholischer Verbände schwierig ist. Eigentlich bräuchte es dringend zahlende Mitglieder, um die Struktur am Leben zu erhalten. Soziale Strukturen wiederum, so hinderlich sie auch sein können, gerade, wenn sie Verkrustungserscheinungen aufweisen, sind notwendiger denn je. Denn im krachlauten Konzert der großen Lobbyisten finden "Mini-Initiativen" kein Gehör. Pat Christ

Hintergrund: KAB

Die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) ist ein Sozialverband mit bundesweit rund 80000 Mitgliedern. Sie vertritt die Interessen von Arbeitnehmern, Frauen und Familien sowie älterer und sozial benachteiligter Menschen. In ihrer Arbeit orientiert sich die KAB an der kirchlichen Sozialverkündung, der zufolge der Mensch und nicht die Wirtschaft im Mittelpunkt zu stehen hat. Die KAB versucht, Einfluss auf Politik, Wirtschaft, Kirche und Gesellschaft zu nehmen. pat

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