Nur ja keinen Staub aufwirbeln!

Tag der Putzfrau: Wer in Reinräumen arbeitet, muss Schutzkleidung tragen und strenge Hygieneregeln beachten

Grosswallstadt
2 Min.

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Scheuersand? Auf gar keinen Fall! Schrubber und Staubtuch? Wo denken Sie hin! Wenn Reinigungskräfte aus- oder vielmehr einrücken, um einen Reinraum zu reinigen, wie das Kerstin Lokau aus Erlenbach und Hannelore Wöber aus Klingenberg beinahe täglich...
Sie kommen täglich neu unter die Haube: Kerstin Lokau (rechts) und Hannelore Wöber rüsten sich für das Betreten des Reinraums bei Ciba Vision in Großwallstadt. Im Hintergrund beobachtet die Szenerie, ebenfalls wohl verhüllt, Regina Frangen, die Leiterin Personal und Kommunikation.
Foto: Barbara Schmidt
Die Frauen gehören zu den 20 Beschäftigen der Firma Wisag Gebäudereinigung (Aschaffenburg), die den Auftrag hat, im Werk für Sauberkeit sorgen. Vorarbeiterin Hannelore Wöber (60) tut das bei Ciba Vision schon seit zwölf Jahren. Kerstin Lokau (47) ist Gebäudereinigungs-Fachkraft mit Gesellenbrief. Während ihre Kolleginnen und die vier Kollegen als Saubermänner und -frauen ganz "normalen" Putzdienst in den Büros und Fluren leisten, haben die beiden (und eine dritte als "Springerin") eine Sonderaufgabe übernommen: Sie kümmern sich um das Reinigen der so genannten Reinräume.

Wir produzieren stets auf höchstem Qualitätsniveau. Erich Englert, Ciba Vision Bei Ciba Vision in Großwallstadt (knapp 1000 Mitarbeiter) werden im Schichtbetrieb rund um die Uhr täglich über eine Million Eintages-Kontaktlinsen hergestellt und in alle Welt versandt. Vermummte Gestalten sind in der Produktion an komplizierten Maschinen tätig, die in einer gut abgeschotteten Zone stehen - den "Reinräumen". Höchste hygienische Anforderungen sind hier das oberste Gebot: Schließlich muss der winzig kleine, empfindliche Brillen-Ersatz vollkommen steril beim Kunden ankommen.

"Wir produzieren stets auf allerhöchstem Qualitätsniveau", erklärt Erich Englert vom Qualitätsmanagement dem Besucher. Reinräume seien notwendig auf ganz unterschiedlichen Gebieten - etwa in der Raumfahrt, in der Lebensmittel- oder in der Pharmaindustrie. Ein Normungsgremium klassifiziere sie von 1 bis 10 - mit international einheitlichen Anforderungen.

Die sind bei der Klasse 1 am höchsten (Beispiel: aseptische Fertigung von Impfstoffen). Auf rund 2000 Quadratmetern Produktionsfläche bei Ciba-Vision- gibt es Reinräume der Klasse 7, schützend umgeben von solchen der Klasse 8; im Gebäudetrakt nebenan noch einen niedriger eingestuften.

In den Reinräumen geht es darum, die Zahl der Keime und Schmutzpartikel möglichst gering zu halten; die Grenzwerte bei den jeweiligen Klassifizierungen dürfen nicht überschritten werden. Das wird elektronisch kontrolliert. Beispielsweise werden Größe und Anzahl der Partikel in der Luft ständig gemessen - erfasst werden selbst so kleine, die dem 350. Teil eines Haar-Durchschnitts entsprechen.

Ich habe kein Problem damit zu sagen: Ich gehe putzen. Hannelore Wöber, Gebäudereinigerin An den online überwachten Arbeitstischen werden Luftströme von oben nach unten gelenkt, und wenn etwas nicht so ist, wie es sein soll, schlägt das System Alarm und die Produktion an dieser Einheit wird gestoppt. Die Vielfach-Vorkehrungen und -Kontrollen funktionieren so gut, dass Qualitätsmanager Englert sich sicher ist: Nur einwandfreie Produkte verlassen das Haus, eine theoretische Fehlerquote liege bei "eins zu zehn hoch 20".

Um die Reinheit der Reinräume zu garantieren, gelten strenge hygienische Vorschriften; auch das Reinigungspersonal ist betriebsintern auf seine speziellen Aufgaben vorbereitet worden. Hannelore Wöber und Kerstin Lokau legen - wie die Beschäftigten - in der vorgeschalteten Schleuse von Kopf bis Fuß Schutzkleidung an und Schmuck sowie ihre Armbanduhren ab, bevor die tägliche Wisch-Prozedur im Zwei-Eimer-System mit reichlich Desinfektionsmittel beginnt.

Im noch reineren Reinraum bei Ciba Vision ist sogar Mundschutz zu tragen, berichtet Kerstin Lokau und zeigt die schriftlichen Anweisungen, worauf dort zu achten ist, etwa: keine Schminke, zwei Stunden vor Betreten des Raums nicht rauchen, drinnen nur langsam bewegen, um die Luftströme nicht zu stören und nur ja keine Staubpartikelchen aufzuwirbeln.

Tätigkeit wird anerkannt Die beiden Frauen sind sich ihrer Verantwortung durchaus bewusst und machen ihren Job gern. Ihre Tätigkeit werde bei Ciba Vision anerkannt, und Hannelore Wöber hat "auch kein Problem damit zu sagen: Ich gehe putzen". Vom internationalen Tag der Putzfrau am heutigen Samstag (siehe Seite 1) haben sie zwar noch nichts gehört, aber dass es ihn gibt, finden die Frauen gut: Ein bisschen Imagepflege in der Öffentlichkeit, meinen sie, "kann unsere Arbeit schon noch gebrauchen!" Barbara Schmidt
Sie kommen täglich neu unter die Haube: Kerstin Lokau (rechts) und Hannelore Wöber rüsten sich für das Betreten des Reinraums bei Ciba Vision in Großwallstadt. Im Hintergrund beobachtet die Szenerie, ebenfalls wohl verhüllt, Regina Frangen, die Leiterin Personal und Kommunikation.
Foto: Barbara Schmidt
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