Niedriglöhne verschärfen Fachkräftemangel

Gastronomie: Beschäftigte im Landkreis Miltenberg beim Einkommen abgehängt - NGG fordert neuen Tarifvertrag

Miltenberg
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Niedriglöhne und schlechte Job-Perspektiven in der Gastronomie, kritisiert die NGG. Sie ruft dazu auf, sich zu tariflichen Standards zu bekennen. Foto: Alireza Khalili
Foto: NGG/Alireza Khalili
Köche, Ser­vice­kräf­te und Ho­te­l­an­ge­s­tell­te ver­die­nen im Land­kreis Mil­ten­berg weit un­ter­durch­schnitt­lich - könn­ten ih­rer Bran­che aus Geld­sor­gen häu­fi­ger den Rü­cken keh­ren.

Davor warnt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) und verweist in einer Pressemitteilung auf eine Analyse der Hans-Böckler-Stiftung, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit ausgewertet hat.

Demnach kommen Vollzeit-Beschäftigte aus dem bayerischen Gastgewerbe auf ein Monatseinkommen von rund 2026 Euro brutto. Branchenübergreifend liegt der Median bei Vollzeitstellen im Freistaat bei 3572 Euro. Nach Einschätzung der Gewerkschaft dürfte sich der Einkommensunterschied auch im Landkreis Miltenberg auf eine vierstellige Summe belaufen.

Aufgrund dieser Lohn-Kluft von 43 Prozent »darf sich keiner darüber wundern, dass sie [Beschäftigte, Anm. d. Redaktion] sich in Zeiten der Corona-Krise einen neuen Job suchen«, wird Ibo Ocak, Geschäftsführer der NGG-Region Unterfranken, zitiert. Die lange Zeit mit Kurzarbeitergeld bedeute harte Einbußen bei einem ohnehin niedrigen Einkommen. Nun müsse alles dafür getan werden, Löhne und Arbeitsbedingungen attraktiver zu machen. Gelinge das nicht, dürfte es in vielen Hotels, Gaststätten und Cafés bald nicht mehr genügend Personal geben, warnt der Gewerkschafter.

Forderung: Höhere Löhne

Auch die Präsidentin des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Bayern, Angela Inselkammer, beklage die Abwanderung von Fachkräften in andere Branchen und das Fehlen von rund 50 000 Beschäftigten. Um den Trend zu stoppen, sind laut Branchenverband höhere Löhne nötig. Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist die aktuelle Lage auch hausgemacht etwa durch unbezahlte Überstunden, lange Arbeitszeiten order einen rauen Umgangston hinter den Kulissen.

Für den heutigen Montag, 4. Oktober, geplanten Tarifverhandlungen sieht die NGG positiv entgegen. Ihr Appell an den Dehoga Bayern: Die Branche über einen Tarifvertrag neu aufstellen. »Die Beschäftigten brauchen deutlich höhere Löhne und bessere Arbeitsbedingungen, um den anhaltenden Schwund von Fachleuten und Hilfskräften zu stoppen«, so Ocak.

Bindung an neuen Tarif

Seit Mai vergangenen Jahres gilt laut Gewerkschaft kein Tarifvertrag für Bayerns Wirtshäuser, Hotels und Biergärten mehr. »Die Beschäftigten brauchen nach dieser schwierigen Zeit endlich eine Perspektive. Die Unternehmen tun gut daran, sich jetzt zu tariflichen Standards zu bekennen. Dazu gehört auch, dass eine Mitgliedschaft im Arbeitgeberverband nur dann möglich ist, wenn die Tarifverträge akzeptiert werden, die man gemeinsam ausgehandelt hat.«

Nach Beobachtung der NGG komme es immer häufiger zu sogenannten Mitgliedschaften »ohne Tarifbindung«. Dieser Trend müsse gestoppt werden, um flächendeckend nicht nur faire Arbeitsbedingungen für das Personal zu haben - sondern auch faire Wettbewerbsbedingungen für die Firmen.

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