Tatort Schneesberg: Spezialisten suchen Bereich um Michaelshütte ab

Altfall Klaus Berninger

Wörth a.Main
3 Min.

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Polizei sucht nach Spuren
Am Wörther Schneesberg an der Michaelshütte suchen Polizisten nach Spuren in dem Altfall Berninger
Foto: Katrin Filthaus
"Piep - piep - piiiiii­iep!"Es sind nicht et­wa Vo­gel­stim­men, die an die­sem Di­ens­tag im Wald bei der Mi­cha­els­hüt­te am Schnees­berg in Wörth (Kreis Mil­ten­berg) er­k­lin­gen. Das lang­ge­zo­ge­ne Pie­pen kommt von ei­nem Me­tall­de­tek­tor. Es si­g­na­li­siert:

Hier liegt ein Gegenstand im Boden, nach dem es sich zu suchen lohnen könnte. Acht Beamte der Bereitschaftspolizei (Bepo) in Nürnberg laufen mit diesen Sonden und Spaten eine Fläche von 50 mal 50 Metern ab. Sie suchen "tatrelevante Gegenstände" im Zusammenhang mit dem Altfall um Klaus Berninger. Hier, im Bereich dieser Hütte, war die Leiche des 16 Jahre alten Bäckerlehrlings am 23. Dezember 1990 von Spaziergängern gefunden worden. Die Polizei spricht vom »mutmaßlichen Tatort«.

Die Tatwaffe wurde nie gefunden, die Kriminalpolizei gab damals lediglich bekannt, dass es sich um ein »scharfkantiges Werkzeug« gehandelt habe, mit dem der Täter den Jugendlichen »gegen den Hals« schlug.

"Tatrevelante Gegenstände", das können laut Polizeisprecher Philipp Hümmer neben einer Waffe auch andere Gegenstände sein, die Hinweise auf den oder die Täter geben. Auch vor 32 Jahren wurde der Bereich abgesucht, aber: »Die SOKO rollt diesen Fall komplett neu auf - dazu gehört auch, dass wir alle Maßnahmen ergreifen, die möglich sind.«

Hinzu kommt: Die technischen Möglichkeiten haben sich verbessert. Er wisse nicht, ob damals Metallsuchgeräte eingesetzt wurden, sagt Hümmer. Aber selbst, wenn das der Fall war: »Die Dinger werden natürlich sensibler«, sagt Uwe Kokotek. Er leitet an diesem Tag die Technische Einsatzeinheit der Bepo (siehe »Spezialisten für Wasser und Land«). Die »Dinger« - gemeint sind die Sonden - reagieren auf Stoffdichte und Gewicht von Gegenständen im Erdreich. Bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern reagieren sie.

Am Wörther Schneesberg an der Michaelshütte suchen Polizisten nach Spuren in dem Altfall Berninger
Foto: Katrin Fithaus
Beamte laufen »Suchgarten« ab

Der Suchverlauf ist streng strukturiert: Mit Absperrbändern ist ein sogenannter Suchgarten abgeteilt, je zwei Beamte gehen die Strecke gemeinsam ab. Voraus geht der Polizist mit dem Metalldetektor, Zentimeter für Zentimeter führt er die Sonde über den Boden. Erklingt das Signal, das langgezogene, quäkende Piepen, ist sein Kollege dran: Der Beamte stößt den Spaten in den festen, sandigen Waldboden, stützt sich mit seinem gesamten Gewicht darauf, um Erdreich auszuheben. Wieder kommt die Sonde zum Einsatz, nun wird der Aushub überprüft: Vielleicht ist der Signalgeber bereits freigelegt?

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Spezialisten suchen nach "tatrelevanten Gegenständen"
Foto: Victoria Schwab |  23 Bilder

Die Beamten finden einiges: Kronkorken, Dosenverschlüsse, eine platt gedrückte, kaum mehr als solche erkennbare Getränkedose, ein glänzender Espressolöffel, ein Nagel, sogar eine lange, rostige Metallstange - »tatrelevant« ist nichts davon. Polizeisprecher Hümmer sagt aber: »Wenn dort vor über 30 Jahren etwas entsorgt wurde, werden wir es auch finden.«

Selbst wenn der erhoffte Erfolg bei dieser Suche ausbleibt, ist sie doch ein wichtiges Signal an die Angehörigen des getöteten Jugendlichen. Ein Zeichen, dass ihr Leid nicht vergessen ist. Die SOKO »Berninger« setzt auch mit dieser Aktion darauf, die Bevölkerung für den Fall zu interessieren. Dass das gelingt, zeigt sich nicht nur an der Menge der Pressevertreter, die an diesem Tag die Suche im Wald beobachten. Es sind sicher doppelt so viele wie an jenem Freitagabend, als die »SOKO Berninger« in der Turnhalle Wörth den Altfall noch einmal rekapitulierte.

70 Hinweise haben die Beamten seit jenem Abend entgegengenommen. Hinweise, die den Tatabend sowie das Umfeld Klaus Berningers betreffen. Hinweise, die laut Hümmer nun »Stück für Stück ausgewertet werden«. Auch das kostet Zeit, denn 70 Hinweise bedeuten nicht nur 70 kurze Gespräche, sondern eventuell ganze Vernehmungen - und weitere Gespräche, wenn die Hinweisgeber noch andere mögliche Zeugen nennen.

Klar ist: »Wir können den Fall nicht innerhalb einer Woche oder zehn Tagen klären. Aber wir werden die neuen Puzzleteile nach und nach zusammenfügen«, so Hümmer. Klar ist auch: Das Team um die Altfall-Ermittler Jörg Albert und Detlef Bub hofft weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung. Polizisten vor Ort und in den Dienststellen seien weiterhin ansprechbar, betont Hümmer.

Ob all das - die Suchaktionen, der hohe Zeit- und Personalaufwand - reicht, um einen oder mehrere Täter zu finden und anzuklagen, ist unklar. In dieser Hinsicht will die Polizei keine falschen Hoffnungen wecken. Deutlich wird aber: Die Ermittler lassen nichts unversucht, um diesen Mordfall zu klären.

Hintergrund: Spezialisten für Wasser und Land

36 Beamte bilden die bei der Bereitschaftspolizei (Bepo) in Nürnberg stationierte Technische Einsatzeinheit. Diese Polizisten leisten technische Unterstützung für Kollege in ganz Nordbayern. Weitere Einheiten sind in München und Dachau stationiert.

Die Metallsuche ist nur ein kleiner Teil der Unterstützung: Zum Team gehören Taucher, Einsatzmittel sind unter anderem Schlauchboote, gepanzerte Fahrzeuge und andere Sonderwagen.

In Wörth waren die Beamten der Bepo erst kürzlich im Einsatz: Im Februar suchten sie nach einem 30 Jahre alten Vermissten. Dessen Leiche wurde am 11. März an der Schleuse in Kleinwallstadt gefunden. (fka)

VIDEO zur Spurensuche bei der Michaelshütte
Neue Suche nach Spuren im Fall Klaus Berninger: Polizei am Wörther Schneesberg
Quelle: Annika Kickstein

 

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