Michelstadt: Mit Transparenten gegen Windräder

Kundgebung:Lokalpolitiker stärken Windkraftgegnern den Rücken - »Grundlegender Irrsinn«

Michelstadt
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Die Michelstädter CDU-Landtagsabgeordnete Sandra Funken fordert von ihrer Partei, den Ausbau der Windenergie im Odenwald nicht länger gegen den Willen der Bevölkerung durchzusetzen. Foto: Manfred Giebenhain
Foto: Manfred Giebenhain
Wind­kraft­geg­ner im Oden­wald for­dern ein Mo­ra­to­ri­um in der En­er­gie­po­li­tik in Hes­sen.

Auf ihrer Kundgebung am Donnerstag auf dem Marktplatz in Michelstadt warnten Redner davor, dass die Regionalversammlung Südhessen im Juni mit einer Festlegung auf Vorrangflächen für die Bebauung mit Windkraftanlagen den Odenwald über Gebühr belasten könnte.

Sinnbildlich für ihre Mahnung zündeten die rund 250 Teilnehmer am Ende der Kundgebung bei Einbruch der Dunkelheit Kerzen an. Ein Lichtermeer, wie sie die Aktion überschrieben haben, hat es zeitgleich auch in Beerfelden und in Wald-Michelbach gegeben.

»Zerstörung des Lebensraums«

In Michelstadt mobilisierte, wie bereits beim ersten »Lichtermeer« im Oktober 2018, die BI »Zukunft Vielbrunn«, für die Hans-Joachim Büchs das Wort ergriff. Erneut diente das historische Rathaus als Kulisse für Transparente und Spruchbänder, auf denen Parolen und Forderungen ein Ende der Ausbaupläne forderten. Wie sehr Michelstadt und besonders Vielbrunn bereits jetzt und in Zukunft noch mehr von Windparks betroffen sein könnten, machte ein Kartenausschnitt aus der Regionalplanung deutlich, auf dem auch die Zonierung auf bayerischem Grund zu sehen war. Dazu Büchs: »Allein die über 30 Odenwälder Bürgerinitiativen sehen die anstehende Verabschiedung des Teilplans Erneuerbare Energien im Juni in der Regionalversammlung Südhessen als unwiederbringliche Zerstörung ihres Lebensraums und ihrer Zukunft an.«

Argumentativ nutzte er eine Aussage von Wirtschaftsminister Tarek Al Wazir (Grüne). Wenn in Hessen die bereits errichteten 1100 Windräder nicht einmal ein einziges Kraftwerk abdecken könnten, welchen Nutzen würden weitere 300 Rotoren im Odenwaldkreis haben? Der Argumentation »Weltklimarettung« stellte er das »zukünftige südhessische Mikroklima« gegenüber.

Neuausrichtung gefordert

So argumentierte auch Sandra Funken (CDU), die wie die weiteren Redner auch als Stadtverordnete Verantwortung trägt. »Eine einmal getroffene Entscheidung darf nicht gegen die Menschen im Odenwald umgesetzt werden«, unterstützte sie unter Beifall die Forderung nach einer politischen Neuausrichtung. Eine deutlich andere Position vertrat Frank Diefenbach (Grüne), der ebenfalls dem Hessischen Landtag angehört.: »Wir halten uns an den Koalitionsvertrag. 98 Prozent der Flächen werden frei bleiben.« In Zwischenrufen wurde eine andere Rechnung aufgemacht: Für den Odenwaldkreis sehe der Plan vier und für Michelstadt sieben Prozent vor.

Aufruf zu Widerstand

Tobias Robischon (ÜWG), zugleich Mitglied der Regionalversammlung, machte wenig Hoffnung: Eine weiträumige Ausklammerung rund um den Frankfurter Flughafen habe »diesen grundlegenden Irrsinn« erst ermöglicht. Nur entschiedener Widerstand könne an der »damit verbundenen Verteilungsungerechtigkeit« noch etwas ändern. Auch Bürgermeister Stephan Kelbert (parteilos) sprach von »einer Bedrohungssituation«, gegen die die Stadt sich mit allen rechtlichen Mitteln zur Wehr setze.

Unterdessen wurde laut, dass Bauanträge für ein drittes Windrad im Felgenwald und für den als verhindert geglaubten Standort Würzberg in Bearbeitung seien.

Hintergrund: Standpunkte der Fraktionen

Die FDP-Fraktion im Hessischen Landtag warnt vor einer Spaltung von Orts- und Dorfgemeinschaften durch die Windkraftpolitik und fordert zu einer Kurskorrektur in der Energiepolitik auf. Hessen drohe, die klimapolitischen Ziele zu verfehlen. Im Antrag vom 19. Februar wird eine Abkehr von der Fixierung auf Windkraft gefordert, die 2017 zum Primärenergieverbrauch nur 1,3 Prozent beigetragen habe. Unterdessen seien die klimaschädlichen CO2-Emissionen in Hessen seit 2014 kontinuierlich angestiegen.

Dagegen favorisieren die Fraktionen von CDU und SPD in der Regionalversammlung Südhessen den Vorschlag des Regierungspräsidiums Darmstadt, Vorrangflächen, die nach der zweiten Offenlage des Teilplans Erneuerbare Energie nicht mehr verändert wurden, im Juni zu beschließen. ()

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