Michéle Tobias ist seit zwei Jahren in ihrem Tiny House in Niedernberg rundum zufrieden

Wohnen auf 20 Quadratmetern

Niedernberg
3 Min.

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Jeden Tag fühlt sich Michéle Tobias in und um ihr Tiny House in Niedernberg wie im Urlaub.
Foto: Ruth Weitz
Mi­ché­le To­bias hat das Grund­stück rund um ihr Tiny House in Niedernberg in ein klei­nes Pa­ra­dies ver­wan­delt. Die 53-Jährige hat im und am klei­nen Häu­schen wei­te­re Opti­mie­run­gen er­zielt, vie­le An- und Ein­bau­ten in Ei­gen­ar­beit um­ge­setzt.

»Ich bin fast fertig«, sagt die 53-jährige Fitness-Fachwirtin und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu, dass sie dennoch viele weitere Ideen hat. »Ich habe alles, was ich brauche und fühle mich rundum wohl«, sagt sie. Sie lebt auf knapp 20 Quadratmetern Wohnfläche, hat alles gut geplant und jeden Stauraum genutzt. Minimalismus ist die Devise, auf alles Überflüssige hat sie verzichtet.

Angeregt von Freunden und Bekannten wächst der Gedanke, eine kleine Sauna und einen Pool zu bauen. Das ist aber Zukunftsmusik und nur eine Idee. Es sind die kleinen Dinge des Lebens, die Michéle Tobias umsetzt und die ihr Freude machen. Sie hat einen kleinen Nutzgarten angelegt, in einem Hochbeet wächst Kopfsalat, daneben ranken Tomatenpflanzen. Sie pflanzt Gurken, Zucchini und Peperoni, freut sich wie Bolle, wenn sie Gemüse von den Beeten und das Obst von den Bäumen auf dem Grundstück ernten kann. »Alles bio, alles frisch«, sagt sie strahlend. Auch die Zier- und Blühpflanzen wachsen und gedeihen prächtig. Viele, die sich ihr Domizil ansehen, bestätigen der 53-Jährigen, dass sie ein kleines Paradies geschaffen hat.

Photovoltaik auf dem Dach

Anfang April vorigen Jahres hat sie Photovoltaik-Module auf dem Dach des Minihauses anbringen lassen und ist seitdem weitgehend energieautark. Tobias heizt mit einem Holzpellet-Ofen und mit Infrarot-Heizkörpern. An zusätzlichem Energieverbrauch hat sie für durchschnittlich 60 Kilowatt monatlich zu zahlen. Mehr Raum für Besuch von Gästen und der Familie bietet ein Ende Mai 2021 errichtetes Blockhaus auf dem Grundstück gegenüber dem Tiny House. Vormals stand dort ein Gartenhaus für die Geräte. Mitglieder aus Niedernberg des Fitness-Clubs, in dem Michéle Tobias arbeitet, haben geholfen, es auf einen anderen Platz zu transportieren.

Die Terrasse zwischen den beiden Gebäuden ließ die einfallsreiche Tiny-House-Besitzerin von einer Obernauer Fachfirma ausheben, mit der sie schon bei anderen Tiefbauarbeiten gute Erfahrungen gemacht hat. Von dem Unternehmen wurde auch das Pflaster verlegt. Ein idealer Platz in der warmen Jahreszeit, den Michéle Tobias gerne nutzt. »Wenn ich von der Arbeit komme, fühle ich mich wie im Urlaub«, berichtet sie strahlend.

Tolles Verhältnis zur Nachbarschaft

Im Juni 2021 wurde eine Klimaanlage im Wohnraum eingebaut. Dank der Photovoltaik-Module auf dem Dach hält sich der zusätzliche Stromverbrauch auf einem niedrigen Level. Mit einer Handy-App kontrolliert Michéle Tobias ihn täglich und ist zufrieden, dass sie in Sachen Klimaschutz einen wertvollen Beitrag leisten kann.

Fürs Gießen der Pflanzen sammelt die 53-Jährige Regenwasser. Zurzeit gibt es wegen anhaltender Trockenheit keine Ausbeute. Das stimmt die umweltbewusste Fitness-Fachwirtin traurig und sorgenvoll, weil die ganze Natur unter dem Wassermangel leidet.

Das Verhältnis zu der Nachbarschaft ist »traumhaft«, wie Michéle Tobias feststellt und ein glückliches Lächeln überzieht ihr Gesicht. Wenn etwas angepackt und umgesetzt werden muss, helfen alle mit. Demnächst ist ein Straßenfest mit allen Anwohnern geplant, was die Gemeinschaft weiter zusammenschweißt.

Rückblickend auf die vergangenen zwei Jahre sagt Michéle Tobias: »Ich hätte keine bessere Entscheidung treffen können, als in ein Tiny-House zu ziehen.«

Stichwort: Tiny House

Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden in minimalistischem Stil nimmt immer weiter zu. Nicht nur wegen hoher Mieten oder zu großer Wohnhäuser, deren Pflege viel Zeit und Geld in Anspruch nehmen. Tiny Houses, in den USA als Hype in der Immobilien-Krise für fehlenden Wohnraum entstanden, stoßen mittlerweile auch in der Bundesrepublik auf großes Interesse. Nicht alle, die sich ein solches Haus wünschen, bekommen auch ein geeignetes Grundstück. Fläche ist rar, denn in der Regel werden die Grundstücke auf maximal zehn Jahre gepachtet. Der Pachtvertrag kann dann nochmals auf fünf Jahre verlängert werden. Der Errichtung vorausgehen muss ein Bauantrag bei der jeweiligen Stadt oder Gemeinde. Das Grundstück muss erschlossen sein oder eigens erschlossen werden. Das Abstellen auf öffentlichen Flächen ist nur kurzfristig und unter besonderen Auflagen gestattet. Die gängige Grundfläche beträgt maximal 50 Quadratmeter. In der Maintalgemeinde Niedernberg ist ein regelrechter Boom entstanden. Mittlerweile gibt es schon fünf Tiny Houses, darunter ein Modul-Haus. Zwei weitere Projekte sind in Planung. Hier hat die Niedernberger Tiny-House-Besitzerin Michéle Tobias wertvolle Tipps geben können.

 

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