Mediensprechstunde für Eltern zum Schutz ihrer Kinder vor Mobbing, Cyberkriminalität und Pornos

Kindern drohen Gefahren im Netz

Kreis Miltenberg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Lena Miltenberger und Felix Behl.
Foto: Julia Preißer
Wie schüt­ze ich mein Kind vor Cy­ber­kri­mi­na­li­tät? Wie ver­hin­de­re ich, dass es im Netz ge­mobbt wird? Oder gar selbst Tä­ter wird? Über die­se und an­de­re The­men in­for­mie­ren neu­er­dings Ex­per­ten in ei­ner Me­di­en­sprech­stun­de.

Abwechselnd in den Räumen der Bibliotheken Miltenberg, Erlenbach und Obernburg stellt sich das Team den Fragen von Eltern und Erziehungsberechtigten. 
Das Programm, das im Oktober vergangenen Jahres an den Start ging, entstand auf Initiative des Präventionsausschusses des Landkreises. Das Jugendhaus St. Kilian in Miltenberg, die Beratung für digitale Bildung des Schulamtes und der Familienstützpunkt Erlenbach sind Partner.

Aus Sicht der Generation Z

Bislang haben nur wenige Eltern das Angebot genutzt. Geplant war, die Mediensprechstunde parallel zu den Vorlesestunden in den Bibliotheken anzubieten. Doch diese mussten pandemiebedingt bislang ausfallen. »Trotzdem konnten wir einigen Eltern bei Fragen weiterhelfen«, erzählt Lena Miltenberger. Die 19-Jährige, die ihren Bundesfreiwilligendienst im Jugendhaus St. Kilian leistet, ist eine der Expertinnen. Sie erzählt aus der Perspektive der sogenannten Generation Z, die mit dem Internet und den sozialen Medien groß geworden ist. 
»In meiner Schulzeit wurde viel darüber geredet, wie man richtige von falschen Fakten unterscheidet und auch über Cybermobbing«, erinnert sich Miltenberger. Trotzdem ist eine medienpädagogische Sprechstunde hilfreich, findet sie. »Gerade zum Thema Online-Sucht braucht es Diskussionen.« Auch viele andere Punkte seien Eltern, Kindern und Jugendlichen nicht immer klar.

Kinderleichter Zugang zu Infos

Felix Behl ist medienpädagogischer Berater für digitale Bildung an den Staatlichen Schulämtern Aschaffenburg (Stadt/Land) und Miltenberg sowie Datenschutz-Beauftragter für Grund-, Mittel und Förderschulen am Schulamt Miltenberg. Er weiß aus seinem Alltag als Lehrer um die Probleme und Chancen der Online-Medien. »In keiner Zeit war es leichter, an Informationen zu kommen. Man braucht keine Eltern, die einen 24-bändigen Brockhaus daheim haben, um ein Referat vorzubereiten. Die Informationen lassen sich einfach über das Internet beschaffen. Aber man muss eben wissen, wie man die gefundenen Informationen einschätzt.« Schon Vorschulkindern könne man den Unterschied zwischen einem seriösen Medium und der Bild-Zeitung aufzeigen. Knallige Bilder, großflächige Überschriften, viel Werbung, nackte Haut: oft ein klares Indiz für unseriöse Inhalte.

Individuelle PC-Spielzeit

Wie häufig und wie lange ein Kind vor das Smartphone oder die Spielekonsole darf, ist für Behl zweitrangig. »Natürlich sollen Kinder nicht den ganzen Tag zocken«, sagt er. Doch sei die »Bildschirm-Zeit« eine individuelle Entscheidung.

»Wenn ein Kind Freude am PC-Spielen hat, werden Sie unendlich viele nervtötende Diskussionen haben, wenn Sie ihm sagen, es dürfe jeden Tag nur eine halbe Stunde zocken«, erklärt Behl. »Das Kind kann sein Spielziel nicht erreichen und sperrt sich gegen weitere Ermahnungen. Lassen Sie es lieber einmal die Woche drei oder vier Stunden am Stück zocken und dafür ist den Rest der Woche Pause.«

Behl, der selbst Vater ist, plädiert vor allem dafür, als Eltern vorzuleben, was man vom Kind erwartet. »Das Smartphone wird zum magischen Gerät, wenn Eltern ständig darauf herumtippen, statt ihrem Kind beim Spielen zuzusehen. Kein Wunder, dass ein Einjähriges das Smartphone dann interessanter finde als das eigene Spielzeug.«

Webfilter mit für und wider

Die Experten Behl und Miltenberger erzählen, dass Eltern häufig nach Webfiltern fragen - elektronische Sperren für fragwürdige Inhalte. Diese einzurichten, könne zwar sinnvoll sein, ändere aber nichts daran, dass man Kinder nicht vor Pornografie oder gewaltverherrlichenden Videos schützen könne. »Dann bekommen sie das Video eben von einem Mitschüler gezeigt«, sagt Behl. Und Miltenberger ergänzt: »Außerdem wissen viele Kinder, wie man die Sperren wieder ausschaltet.«

Felix Behl möchte Eltern dazu anhalten, Themen wie Pornografie, Gewalt im Netz oder Mobbing mit ihren Kindern zu besprechen - »nicht während eines Konflikts, sondern zu ruhigen Zeiten.«

Eltern in der Verantwortung

Eltern hätten oft falsche Schutzvorstellungen und nähmen ihren Kindern damit die Möglichkeit, sich kritisch mit den Themen auseinanderzusetzen. »Mindestens einer von 20 Zweitklässlern ist schon mal mit pornografischem Material in Berührung gekommen«, erklärt Behl.

In zwei Punkten sieht Behl die Eltern in der Verantwortung: »Erstens: Mit Kindern über das Problematische an Pornos reden - das Frauenbild, die Gewalt, die unrealistischen Körper. Sagen, dass das nicht die Norm ist, damit die Kinder sich später nicht daran messen. Zweitens: Kindern sagen, dass sie melden sollen, wenn ihnen jemand so etwas schickt.« Wer Kindern pornografisches Material wie »Dick Pics« (Penisbilder) schicke, mache sich strafbar. Die Polizei würde dies heute mit mehr Nachdruck verfolgen.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!