Lebhafter Beifall für gelungene Hommage an Beethoven

Kultur: Hellmut Lang und das Trio 27 beeindrucken die Besucher im Miltenberger Bürgersaal tief

Miltenberg
2 Min.

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Gestalten eine rundum überzeugende Hommage an Beethoven in Wort und Musik (von links): Hellmut Lang, Dimiter Ivanov, Martin Lauer und Ursula Lauer.
Foto: Heinz Linduschka
Das Kon­zert am frühen Sonn­ta­g­a­bend im Bür­ger­saal des Al­ten Rat­hau­ses in Mil­ten­berg ließ kei­ne Wün­sche of­fen: Es war ein spä­ter, aber um­so sc­hö­ne­rer Bei­trag zum Bee­t­ho­ven­jahr 2020 und ein wür­di­ger Ab­schluss des run­d­um ge­lun­ge­nen Kul­tur­som­mers in der Kreis­stadt. Der leb­haf­te Bei­fall war der sc­höns­te Be­weis da­für.

Eine Stunde lang zauberten die Musiker des Trios 27, die Cellistin Ursula Lauer vom Philharmonischen Staatsorchester Mainz, Martin Lauer mit der Bratsche und der Geiger Dimiter Ivanov, Mitglieder des Orchesters der Oper Frankfurt, eine ganz besondere Hommage an einen der größten abendländischen Komponisten in den Bürgersaal. Die Besonderheit: Hellmut Lang, ein unermüdlicher Vorkämpfer für die Kultur in Miltenberg, las die sensibel ausgewählten Texte, mit denen er zentrale Passagen im Leben Beethovens klug und konzentriert vorstellte.

Für manchen der 80 Zuhörer - mehr ließ die Pandemie nicht zu - ganz sicher eine Fülle neuer Erkenntnisse und ein schöner, neuer Zugang zum Komponisten. Ein Vater, eigentlich verehrtes Vorbild, der »den Alkohol mindestens so liebte wie die Musik«. Eine Mutter, die über ihre Heirat sagte, sie sei »wenig Freud', aber eine Kette von Leid«. Beethovens vergebliche Suche nach einer Frau und Lebensgefährtin, die letztlich unglückliche Beziehung zur »unsterblichen Geliebten«.

Langs Resümee über die biografischen Katastrophen auf dem Lebensweg zwischen Bonn und Heiligenstadt bei Wien war eindeutig: »Die Bilanz ist frustrierend.« In Heiligenstadt begann die zunehmende Ertaubung, auf die der Komponist mit einer Art verzweifeltem Trotz reagierte. Am 26. März 1827 starb Beethoven in Wien mit gerade mal 56 Jahren, aber »ganz niedergebeugt« hatte ihn sein Schicksal nicht - im Gegenteil.

Das bewies das exzellente Trio, als es Beethovens vielleicht schönstes und wichtigstes, frühes Werk mit begeisternder Harmonie und mitreißender Spielfreude interpretierte, das Streichtrio op. 9, Nr. 3 in c-Moll aus dem Jahr 1776. Übrigens: Die Violine und die Bratsche, die zusammen mit dem Cello das Publikum mit dem höchst differenzierten und sehr vollen, warmen Ton bezauberten, stammen aus der Werkstatt von Hellmut Lang, feierten also am Sonntag eine Art »Heimspiel«.

Das Streichtrio lässt die übliche Kammermusik weit hinter sich und löst den vorher üblichen verbindlichen Unterhaltungston durch Leidenschaft und ganz individuelle Prägung ab, durch originelle Impulse und durch Beethovens unvergleichliche Kontrastdynamik. In den Worten des E.T.A. Hoffmann: Beethoven wird so wirklich zum »Herrscher über die Räume der Seele«. Dass damit neue und größere Anforderungen an die Musiker - individuell und im Zusammenspiel - verbunden sind, wurde in Miltenberg kaum deutlich, weil das Trio 27 diese Herausforderungen scheinbar mühelos bewältigte. Dass der ungewöhnliche Name an das Todesjahr Beethovens erinnert, ist übrigens sicher kein Zufall.

Die Genialität des Komponisten brachte Dimiter Ivanov zusammen mit Ursula und Martin Lauer jedenfalls so überzeugend zum Ausdruck, dass sich der Bürgersaal für eine Stunde in einen Konzertsaal der Extraklasse verwandelte. »Schuld« daran war neben dem Können der Musiker auch ihre Sensibilität, denn sie hatten sich offensichtlich sehr gut auf die besondere Akustik eingestellt, wie vor allem der abschließende »Presto«-Satz zeigte: Hier hätte eine extreme Umsetzung des rasanten Tempos nicht den überzeugenden Raumklang ins Alten Rathaus gezaubert wie es die Interpretation von Trio 27 mit der zielgerichtet eingesetzten Drosselung des Tempos an den entscheidenden Stellen schaffte.

Am Ende brach lang anhaltender, lebhafter Beifall für eine rundum überzeugende Hommage in Musik und Wort an Beethoven aus.

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