Kunst mit Initialzündung

Ausstellung: Spannende Synthese aus traditioneller Malerei und Mixed-Media-Technik in Amorbach

Amorbach
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Au­gen­zwin­kernd ver­g­leicht Cor­ne­lia Kö­n­ig-Be­cker die Auf­ga­ben ei­ner Ga­le­ris­tin mit der ei­nes »Trüf­fel­schweins«. Sch­nell ist klar, was die Che­fin der Ga­le­rie Ab­tei­gas­se 1 in Amor­bach da­mit meint. Sie stellt in der klei­nen, aber fei­nen Ga­le­rie im Fach­werk­haus ge­gen­über der Ab­tei­kir­che von An­fang an Künst­ler vor, de­ren Wer­ke bei ihr ei­ne Art »In­i­tial­zün­dung« ge­weckt ha­ben.
Diese Begeisterung spürten die Besucher auch am Sonntag, als die Galeristin die beiden Künstlerinnen vorstellte, deren Bilder in den nächsten vier Wochen hoffentlich viele Kunstfreunde ins Barockstädtchen locken. Die Arbeiten von Sonja Lefèvre-Burgdorf und Julia Kellerbrandt waren im April auch in der Erlenbacher Ausstellung »Main Art« vertreten. Diesmal belegen die Bilder in den beiden Räumen der Galerie, dass im besten Sinn traditionelle Malerei ideal mit einer Art der Kunst harmonieren kann, die moderne Formen und Techniken intensiv nutzt.
Sonja Lefèvre-Burgdorf wurde 1952 in Ansbach geboren und vervollkommnete ihre aufwendige Technik der Acrylmalerei in Meisterkursen in Belgien, Luxemburg und an der europäischen Kunstakademie bei Professor Cony Teis. Ihre Bilder zeigen eine wahre Meisterschaft im Spiel mit Farben, Flächen und einer unverwechselbaren Gestik. Eine besondere Wirkung erzielt Levèvre-Brgdorf durch eine spezielle Lasurtechnik, die den abstrakten Gemälden eine verblüffende und faszinierende Tiefe und Dreidimensionalität verleiht. So zieht sie den Betrachter in das Bild hinein.
Ungelenkte Fantasie
Dass die Malerin auf Titel verzichtet und damit die Fantasie ganz bewusst nicht lenkt, ist nur konsequent. Es ist ein spannendes Spiel mit Farben, Farbräumen und Farbklängen, auf das man sich einlassen muss, um die beeindruckende Wirkung zu erfahren. Wie die Acrylbilder auf Papier in Amorbach präsentiert werden, lädt zur intensiven Betrachtung ein - auch wenn manchmal Reflexe durch die Verglasung den Kunstgenuss ein bisschen stören.
Im zweiten Raum präsentiert Julia Kellerbrandt 28 Arbeiten, in denen sie ihre Faszination für biologische Prozesse spiegelt. In einem selbst entwickelten Cross-Media-Mix aus Malerei, Fotografie, Projektion und digitaler Bearbeitung zeigt sie Werden und Vergehen in Bildern aus den letzten Jahren.
Die 1979 in Magdeburg geborene Künstlerin arbeitete in der Kostümwerkstatt des Hamburger Thaliatheaters. Während ihres Studiums in Berlin und in der Zeit danach danach legte sie in einer experimentellen Phase die Grundlagen für ihre abstrakte Fotokunst mit einer unverwechselbaren Handschrift im Cross-Media-Mix-Verfahren. Heute lebt und arbeitet Julia Kellerbrandt in Frankfurt, wo sie 2013 eine beachtete Einzelausstellung in der Zeil-Galerie gestaltete, bevor sie mit ihren Werken bei der renommierten Mixed Art Basel auftrat.
Ihre spezielle Arbeitsweise mit Farben, Folien und unterschiedlichen, transparenten Materialien auf Diarahmen, mit Einsatz eines Durchlichtscanners und neuen Reproduktionstechniken erläutert sie anschaulich im ansprechenden kleinen Katalog, den die Galeristin fachkundig erstellt hat. Wer Kellerbrandts Werke in Amorbach sieht, wird ihr zustimmen: Nicht die Technik ist entscheidend für deren Wirkung. Diese erschließt ganz von selbst beim Betrachten der drei Serien.
Perfektion und Experiment
»Mikroben« zeigen, wie Julia Kellerbrandt mit den Mitteln der Kunst den Bauplan des Lebens attraktiv sichtbar macht. »Urban Life« stellt den modernen Menschen innovativ in seine urbane Umgebung mit all ihren Reizen, aber auch mit allen Gefährdungen. Die neuen Bilder der Serie »Zart« aus diesem Sommer erinnern entfernt an botanische Darstellungen von Maria Sibylle Merian und schaffen eine verblüffende Synthese von anatomischer Präzision und Zufallsbefunden.
Mehr als 50 spannende Bilder mit traditioneller Perfektion und innovativer Experimentierfreunde - mehr als 50 Gründe, sich auf den Weg nach Amorbach zu machen.

bDie Ausstellung »Farbe/Raum/᠆Dynamik« ist bis zum 5. Oktober in der Galerie für moderne Kunst Abteigasse 1 in Amorbach zu sehen. Öffnungszeiten: Freitag und Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr. Informationen im Internet: www.abteigasse1.de.
HEINZ LINDUSCHKA
Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!