Juden Miltenbergs ein Gesicht und eine Stimme gegeben

Erinnerungskultur: Johannes-Hartung-Realschule Miltenberg bei bayernweitem Geschichtswettbewerb mit zweitem Preis ausgezeichnet

Miltenberg
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Ein Teil der zehnten Klasse der Johannes-Hartung-Realschule stellte sich vor den Ausstellungwänden mit Lehrern und Ehrengästen dem Fotografen. Bildunterschrift 2020-07-29 --> Ein Teil der zehnten Klasse der Johannes-Hartung-Realschule stellt sich vor den Ausstellungswänden mit Lehrern und Ehrengästen dem Fotografen. Fotos: Winfried Zang
Foto: Winfried Zang
Die Ausstellung »Den Juden Miltenbergs ein Gesicht und eine Stimme geben« soll auch außerhalb der Realschule gezeigt werden.
Foto: Winfried Zang
Gro­ße Freu­de in der Mil­ten­ber­ger Jo­han­nes-Har­tung-Real­schu­le: Die von den Schü­l­ern der zehn­ten Klas­se ent­wi­ckel­te Aus­stel­lung »Den Ju­den Mil­ten­bergs ein Ge­sicht und ei­ne Stim­me ge­ben« hat beim bay­ern­wei­ten Ge­schich­te-Wett­be­werb »Der Ge­schich­te ein Ge­sicht ge­ben« den zwei­ten Lan­de­s­preis er­hal­ten.

Der damit verbundene Preis, eine Einladung nach München, musste aber aufgrund der Corona-Beschränkungen entfallen. Dafür aber feierte die Schule den Preis am Freitag mit einigen Ehrengästen.Ausgangspunkt für die Ausstellung war die Miltenberger Stolperstein-Initiative, erklärte Veronika Repp, die mit Konrektor Manfred Wedl die Erstellung der Ausstellung begleitete.

Gemeinsam wollten alle Aktiven die Straßen der Kreisstadt und die Geschichte der Menschen, die sich hinter den dort befindlichen Stolpersteinen befinden, erlebbar machen. Das geschah mit Fotos, Texten und vor allem durch Hör-Texte, die die Klasse erstellte und im Tonstudio der Radio- und Film-AG der Realschule aufnahm.

Emotionale Texte

»Sehr emotional« seien die gesprochenen Texte geworden, erklärte Veronika Repp und spielte eine Aufnahme ab. Darin wurden die Ängste der Miltenbergerin Jüdin Mira Marx vor dem Miltenberger Mob in der Reichspogromnacht 1938 laut. 1942 wurde sie von den Nationalsozialisten nach Krasniczyn deportiert und dort umgebracht. Heute erinnert ein Stolperstein an sie und ihr Schicksal.

19 dieser Aufnahmen wurden erstellt und sollten eigentlich mittels QR-Codes in die Ausstellung eingefügt werden, so Repp. Dann aber sei die Schulschließung aufgrund der Corona-Pandemie gekommen. »Aus Frust« habe sie die noch nicht fertige Ausstellung dennoch abgefilmt und zum Wettbewerb eingereicht, sagte Repp. Dass man den zweiten Landespreis bekommen habe, habe man wirklich nicht erwartet.

Mahnende Schicksale

Die Ausstellung wolle den Menschen von heute die Geschichte von gestern erlebbar und spürbar machen, ergänzte Konrektor Manfred Wedl. Die Schicksale, die sich dahinter verbergen, sollten »eine Mahnung für unsere Gegenwart und unsere Zukunft sein«. Dieses Kapital der Geschichte dürfe nicht vergessen werden, mahnte Wedl und lobte die Stolperstein-Initiative, die den »Stein ins Rollen« gebracht habe.

Landrat Jens Marco Scherf zeigte sich ebenfalls dankbar für diese Initiative und hob den Beitrag der Realschule hervor. Es sei wichtig, dass dieses wichtige Thema weitergetragen wird, fand er und kritisierte manche Stimmen, die das Vergessen dieses Kapitels der deutschen Geschichte fordern. Die entscheidende Frage sei, wie so etwas habe passieren können, so Scherf und rief dazu auf, Menschen nicht in Schubladen zu stecken und abzustempeln, weil sie etwa eine andere Religion oder Hautfarbe hätten. Grundlage unseres Miteinanders sei es, jeden Menschen als Individuum mit seiner Menschenwürde wahrzunehmen.

Respektvoller Umgang

Bürgermeister Bernd Kahlert hob den hohen Stellenwert der Ausstellung hervor - vor allem angesichts der Tatsache, dass es immer weniger Zeitzeugen gibt. Die deutsche Geschichte jener schlimmen Jahre dürfe niemals in Vergessenheit geraten, forderte er. Schnell entwickelten schon kleine Floskeln große Wirkung, forderte er zu respektvollem Umgang miteinander auf.

Damit die Ausstellung möglichst viele Menschen erreicht, soll sie »aus der Schule heraus«, wünschte sich Manfred Wedl. Er wolle deshalb mit Sparkasse, Stadt, Landratsamt und Museum sprechen, um Möglichkeiten einer öffentlichen Darstellung zu finden. Denkbar sei auch eine Erweiterung der Ausstellung, so Veronika Repp, denn das nächste Thema sei »Kriegsende 1945 in Bayern.«

Am Rande der Ausstellung machte das Ehepaar Bassarab, das in der Stolperstein-Initiative tätig ist, auf einen neuen QR-Code aufmerksam. Er soll am alten jüdischen Friedhof in Miltenberg angebracht werden. Mit dem Smartphone erreicht man so Zugriff auf den Gräberplan des Friedhofs. Mit dem Klick auf die einzelnen dargestellten Grabmale gelange man in die Biographische Datenbank Jüdisches Unterfranken in Miltenberg und erfahre alles über die Inschriften der Grabsteine und die Menschen, die hier ihre letzte Ruhe fanden. wiz/Pressemitteilung

des Landratsamts Miltenberg

bInfos über den alten jüdischen Friedhof in Miltenberg auf juedisches-unterfranken.de

Hintergrund

Ein Teil der zehnten Klasse der Johannes-Hartung-Realschule stellt sich vor den Ausstellungswänden mit Lehrern und Ehrengästen dem Fotografen. Fotos: Winfried Zang

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