Integration mit Nadel und Faden

Soziales: Flüchtlinge aus Afghanistan und Syrien treffen sich im Kleinwallstädter Kindergarten

Kleinwallstadt
3 Min.

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Schal­len­des La­chen dringt je­nen ins Ohr, die seit An­fang Mai nach­mit­tags ins Un­ter­ge­schoss des Kin­der­gar­tens Wol­ken­purz­ler in Klein­wall­stadt kom­men. Die fröh­li­che Stim­mung er­zeu­gen Frau­en aus ganz un­ter­schied­li­chen Na­tio­nen, die sich seit Fe­bruar zum Näh­ca­fé tref­fen. Es sind vor­wie­gend Flücht­lin­ge aus Afg­ha­nis­tan und Sy­ri­en.
Ins Leben gerufen wurde die Initiative von der Bekleidungstechnikern Susanne Stasunik und ihren Mitstreiterinnen im Helferkreis der Kleinwallstädter Flüchtlingsbetreuung. Sie kümmern sich darum, dass die vom Bürgerkrieg traumatisierten Flüchtlingsfrauen aus den Gemeinschaftsunterkünften herauskommen und neben etwas Lebensfreude auch eine Möglichkeit zur Beschäftigung erhalten.
Lernwillig und dankbar
Dabei lernen sie auch sehr schnell Deutsch. »Wir wollen Brücken bauen über Nationalitäten und Religionen hinweg«, erklärt Susanne Stasunik und sagt: »Die Flüchtlingsfrauen und auch ihre Kinder sind hoch motiviert, fleißig, lernwillig und unendlich dankbar.«
Ein großer Wunsch der Gruppe in den vergangenen Monaten war, eigene Räume für ihre Treffen zu erhalten. Die Frauen betrieben das Nähcafé zunächst jeden Montagnachmittag im Feuerwehrhaus. »Wir mussten allerdings alle Nähmaschinen und Utensilien jedes Mal hin- und wieder zurücktransportieren«, berichtet Stasunik. Nun hat das Nähcafé wenigstens die Möglichkeit alles, was gebraucht wird, im Kindergartengebäude zu lassen und sich auch häufiger als einmal in der Woche zu treffen. Für die Organisation und Koordination konstituiert sich derzeit eine Gruppe, in der auch Asylbewerberinnen mitmachen.
Raum gesucht
»Räume mitten im Ort in Bahnhofsnähe, wo wir Geräte und Material aufbewahren und auch einmal eine kulturelle Veranstaltung organisieren können, das wäre ideal«, sagt Sultan Cinar, die sich wie Karo Linke, Sabine Giegerich, Simone Fath und Gaby Zolyomi regelmäßig im Helferkreis engagiert. Die Frauen haben die Hoffnung, dass ihnen eventuell ein leer stehendes Ladenlokal zur Verfügung gestellt wird, um die Aktivitäten optimal gestalten zu können. Die Räume im Kindergarten sind nur eine Übergangslösung.
Flüchtlingsfrauen, die mit ihren Familien in Hofstetten untergebracht sind, kommen mit ihren Kindern meist zu Fuß zum Nähcafé nach Kleinwallstadt. Dort wird nicht nur genäht, sondern auch gestickt, gestrickt und gehäkelt.
Die meisten Frauen aus der Flüchtlingsunterkunft lernen hier, mit der elektrischen Nähmaschine umzugehen. »Es ist sogar eine Schneiderin dabei, für die ist eine elektrische Maschine der reinste Luxus«, sagt Stasunik und lacht. Gelacht wird viel, bisweilen auch mal geweint, wenn die Erinnerung an Krieg und Flucht hoch kommt. »Ich habe eine Frau aus Syrien mal gefragt, wie es ihr geht. Da kamen die Tränen in Sturzbächen«, erinnert sich die Bekleidungstechnikerin und erklärt, dass die schlimmen Erlebnisse der Syrerin durch diese banale Frage wieder zu Tage getreten seien. »Aber danach hat sie sich besser und etwas befreiter gefühlt«.
Frauen lernen schreiben
Obwohl es mit der Verständigung noch hapert, klappt die Zusammenarbeit recht gut. Wo sprachliche Hindernisse bestehen, wird im Nähcafé mit Händen und Füßen erklärt. Insbesondere die Mädchen und Frauen aus Afghanistan sind Analphabetinnen. Die Taliban haben jegliche Bildung für Mädchen verboten. Ganz nebenbei lernen die jungen Frauen im Nähcafé ihren Namen zu schreiben. »Sie haben große Angst, dass sie wieder nach Afghanistan zurück müssen, wieder dorthin, wo die Taliban-Hochburgen sind«, berichtet Sabine Giegerich.
Sehr stolz sind die Frauen, dass sie zum deutsch-islamischen Fest in Lützelbach eingeladen wurden und sich beim Fest zur Brüderschaft der Völker am 17. Juli in Aschaffenburg im Zukunftszelt präsentieren dürfen. Die Initiative ist zwar in Kleinwallstadt angesiedelt, aber für Teilnehmerinnen aus dem Landkreis und darüber hinaus offen. »Das Nähcafé soll auch dazu dienen, Vorurteile abzubauen und die Frauen aus allen Kulturkreisen zusammenzubringen«, sagt Susanne Stasunik.

bInformationen und Vermittlung von Spenden bei Susanne Stasunik unter Tel. 01 60 / 8 80 50 64 oder E-Mail: susanne@stasunik.de
Ruth Weitz
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