"Hon isch" hat nichts mit Bienen zu tun

Heimatkunde: Neues Wörter- und Geschichtenbuch soll Niedernberger Dialekt vor dem Vergessen bewahren

Niedernberg
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Fleißarbeit: Elfriede Vonderheid, Friedel Hartlaub, Irmgard Ulrich und Monika Fecher (von links) haben für das neue Buch die Niedernberger Mundart zusammentragen. 
Foto: Ralf Hettler
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Fleißarbeit: Elfriede Vonderheid, Friedel Hartlaub, Irmgard Ulrich und Monika Fecher (von links) haben für das neue Buch die Niedernberger Mundart zusammentragen. 
Foto: Ralf Hettler
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts sagten die Niedernberger "hon isch" statt "habe ich". Daher - und nicht wegen des süßen Bienenprodukts - werde Niedernberg auch Honischland genannt, weiß Monika Fecher vom örtlichen Geschichtsverein
"Mundart ist ein Stück Originalität und Identität", betont Monika Fecher. Am Reden erkenne man, aus welcher Gegend, ja sogar aus welchem Ort jemand komme. Eine Sprache sei lebendig und ändere sich - so auch die Mundart. Das ursprüngliche Niedernbergerisch laufe inzwischen aber Gefahr zu verschwinden.

Mundart ist ein Stück Identität. Monika Fecher, Geschichtsverein Niedernberg Durch Einheiraten und Zuzüge gebe es inzwischen eine Mundartvielfalt, so Fecher. Viele der Zugezogenen verstünden die ursprüngliche Mundart gar nicht, "also redet man verständlich". Berufstätigkeit zwinge viele ohnehin, Hochdeutsch zu reden. Auch in den Schulen sei Mundartsprechen nicht üblich, wobei hier in letzter Zeit ein Umdenken eingesetzt hat, ja sogar Dialekte im Unterricht wieder aufgegriffen würden.

Der Hauptgrund für das Verschwinden der Mundart ist wohl, dass ihre Sprecher lange als "unfein" und "ungebildet" galten. Deshalb wird kleinen Kindern das Schriftdeutsch beigebracht und nur selten mit ihnen in Mundart geredet. Diese Entwicklung hat zur Folge, dass die ursprüngliche Ausdrucksweise vor allem bei der jüngeren Generation kaum noch ausgeprägt zu hören ist.

Mit der Ausgabe des Buches möchte der Geschichtsverein die Mundart, aber auch Geschichten und Anekdoten vor dem Vergessen bewahren. Viele Begriffe sind den meisten der älteren Niedernbergern noch bekannt. Manche sind aber schon lange nicht mehr in Gebrauch, beispielsweise "Näschlsblumme" (Flieder), "ausgebischd" (mit Pech ausgegossen) oder "läsch" (undicht), um nur einige zu nennen.

1805 Wörter Über 20 Jahre hat die Mundartgruppe des Vereins gesammelt. Ebenso lange werden wöchentlich im Amtsblatt Mundartbegriffe zum Raten veröffentlicht, was bei den Lesern großen Anklang findet. Die alteingesessenen Niedernberger haben den Verein bereitwillig unterstützt, egal ob es um Begriffe oder Geschichten ging. Oft wurde gefragt: "Hooder scho des Word?"

Die Sammlung sei inzwischen auf 1805 Wörter angewachsen, erhebe aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit, informiert Monika Fecher. Zunächst sollte es nur ein einfaches Wörterbuch werden. Letztlich wurde daraus ein Buch mit Anekdoten, Geschichten, alltäglichen Redensarten, Gedichten, Liedern, einem Grammatikteil und natürlich dem Wörterverzeichnis.

Eberhard Lehr fertigte Skizzen zu etlichen Geschichten, Monika Fecher hatte die Federführung bei diesem Projekt. Da es für Mundart keine Rechtschreibregeln gibt, sei es oft nicht einfach gewesen, das Gesprochene schriftlich wiederzugeben. Auf Lautschrift wurde bewusst (bis auf eine Ausnahme) verzichtet, um die Wörter noch lesen zu können. Ralf Hettler
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