Glanz und Elend der von Hoheneck

Wörther Schlossgeschichten

Wörth a.Main
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Das von zwei Löwen flankierte stolze Doppelwappen Hoheneck-Dalberg zierte ursprünglich den großen Kamin im Saal des Wörther Schlosses. Bei dessen teilweisen Abriss 1862 wurde es in die Markthalle des alten Rathauses verbracht.
Foto: Jürgen Schreiner
Ein mi­se­ra­b­les Ima­ge ha­ben die Frei­her­ren von Ho­hen­eck in meh­re­ren Or­ten am Un­ter­main. Die Wört­her, aber auch die Mönch­ber­ger, Röll­ba­cher und Sch­mach­ten­ber­ger, ver­bin­den mit der Orts­herr­schaft der Frei­her­ren denk­bar sch­lech­te Er­in­ne­run­gen.

Wörth.

1669 übernahm Franz Adolph Philipp von Hoheneck, seines Zeichens Geheimer kurfürstlicher Rat, Burggraf von Starkenburg und Amtmann von Gernsheim, die Pfandschaft in Wörth und Mönchberg. Er und sein Vetter hatten dem Erzbistum Mainz 40 000 Taler vorgestreckt und wollten nun ihr Geld wieder zurück haben. Die Rückzahlung erschien der erzbischöflichen Finanzkammer "der Zeit ohnerschwinglich" Als einer der beiden Gläubiger erhielt deshalb Franz Adolph nun für die Hälfte der Schulden (also 20000 Taler) die Stadt Wörth, sowie die Gemeinden Mönchberg, Streit, Ober- und Unterschippach verliehen. Drei Tage später, am 5. Juli 1669, wurde im Schloss "die bürgerschafft unserm Gnedt. Herrn angelobt".

Nur auf eigenen Vorteil bedacht

Der von Hoheneck, der nur ab und zu im Wörther Schloss wohnte und sich durch einen "amptmann alhir" vertreten ließ, konnte und wollte sich also seine 20000 Taler (und noch mehr) in den ihm verliehenen Orten wieder holen. Für die Wörther Bürger bedeutete der Regierungsantritt des neuen Stadtherrn nichts Gutes, denn der Freiherr von der Bergstraße entpuppte sich sehr bald als Musterbeispiel eines hart durchgreifenden, rücksichtslosen und nur auf eigenen Vorteil bedachten Willensmenschen, der seine Untertanen von Heppenheim aus dirigierte, provozierte und schikanierte. Die Wörther wehrten sich mit Händen und Füßen gegen ihren Pfandsherren, der schließlich 1680 vom Erzbischof in seine Schranken verwiesen wurde. Franz Adolf Philipp von Hoheneck starb am 16. Oktober 1681 in Heppenheim.

Im Gegensatz zu seinem fordernden und polternden Vater scheint Johann Felix von Hoheneck gemäßigter, konzilianter gewesen zu sein. Der junge Herr hatte - wie die meisten seiner Vorgänger - seinen Wohnsitz nicht nur in Wörth, sondern auch in Heppenheim, Gernsheim und Bensheim, aber er scheint sich mit seiner Familie doch häufig hier aufgehalten und sogar ständig hier gelebt zu haben, nachdem der dem Hochwasser und Eisgang besonders ausgesetzte Südostflügel des Schlosses wieder fertig gestellt war. So wurden seine beiden Söhne, die Zwillinge Friedrich Anton und Johann Wilhelm, im September 1692 hier geboren und getauft. Taufpaten waren der Mainzer Dompropst Johann Wilhelm Wolff von Metternich und Friedrich Anton von Dalberg (ebenfalls ein Geistlicher).

Überhaupt scheint die Distanz, die zwischen dem Herrn einerseits und den Untertanen andererseits bestand, nicht so riesig gewesen zu sein wie unter Franz Adolph. So lieh 1705 die Stadt "von Ihrer Gnaden freyfrau" 300 Gulden. Der "Herrschaftliche Cammerdiener" lernte 1709 dem Jacob Lang, "die Trummel zu schlagen". Der Hoheneckische Verwalter Johann Heinrich Hensel scheint ein umgänglicher und gottesfürchtigen Mann gewesen zu sein. Er stiftete eine Wachskerze auf den Muttergottesaltar und wurde 1685 mitten in der St. Wolfgangskirche begraben.

Das schreckliche Ende

Aber selbst der rasche, schreckliche Untergang der Herrschaft Hoheneck im Jahre 1718 änderte am schlechten Urteil über die letzten Stadtherren in Wörth nichts.. In diesem Jahr starben fünf Mitglieder der Familie:

- Am 22. April verschied, mit den Sterbesakramenten versehen, der 25-jährige Friedrich Anton, Felix' Sohn.

- am Fronleichnamstag (16. Juni) starb Barbara, die unverheiratete Tochter des Stadtherrn, im Alter von 39 Jahren.

- Felix selbst schied am 24. Juli aus dem Leben; er war 66 Jahre alt geworden.

- Seine Ehefrau, "gratiosa domina Odilia Maria de Hoheneck" folgte ihm am 11. August in den Tod nach. Sie war bereits längere Zeit schwach und kränklich gewesen.

- Schließlich verstarb am Weihnachtstag desselben Jahres noch der jüngste Sohn Johann Philipp Sebastian.

Der ambitionierte Ausbau des Wörther Schlosses zu einer schmucken barocken Adelsresidenz, den Felix von Hoheneck nach einem katastrophalen Hochwasser 1682 in Angriff genommen hatte, blieb unvollendet; eine größere Zahl von Räumen zur Landstraße hin, darunter ein neuer Saal, blieben im Rohbau liegen. Das Schloss, das nach dem Heimfall an den Mainzer Kurstaat ab 1719 vom Mainzer Amtskeller verwaltet wurde, sollte für die nächsten sechs Jahrzehnte leer stehen.

In der nächsten Folge geht es um den mainzischen Zollverwalter Franz Ivo Kirchner und seine Frau Josepha.

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