Gesprengte Brücke beschert letzten Aufschwung

Mainschifffahrts-Nachrichten: Die wechselvolle Geschichte der Wörther Mainfähre - Betrieb im Jahr 1963 endgültig eingestellt

Miltenberg
2 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Die Wörther Fähre 1955 kurz vor dem Ablegen in Richtung Erlenbach.
Foto: Archiv F
Über die Wört­her Fäh­re wird in den neu­en Main­schiff­fahrts-Nach­rich­ten von den An­fän­gen bis zur Ein­stel­lung des Fähr­be­trie­bes 1963 be­rich­tet. Hier­für zog Ru­di Bau­er auch For­schun­gen des Wört­her Ort­s­chro­nis­ten Wer­ner Trost heran.

Vermutlich schon vor der Stadtgründung im Jahre 1291 bestand eine Fährverbindung von Wörth nach Erlenbach. Aus alten Urkunden von 1282 könnte vermutet werden, dass der erste Fährmann von Wörth ein Mann mit dem Namen »Konrad der Fährmann aus Wörth« (Conradus dictus Verhe de Werde) war. Jedenfalls ist das »Zwerch-Fähr-Recht« (Querfahrrecht) seit der Stadtgründung von Wörth als uraltes Recht vorhanden.
In Händen der Schellenbergers
Nähere Informationen über die Wörther Fähre sind erst nach Ende des Dreißigjährigen Krieges vorhanden. Damals war die Fähre im Besitz der Stadt. Im Jahr 1660 übereignete die Stadt, dem aus Miltenberg kommenden Neubürger Schellenberger die heruntergekommene Fähre mitsamt den Fährrechten.
Die Familie Schellenberger betrieb wohl die Fähre über einen längeren Zeitraum. Erst 1862 kaufte die Stadt Schritt für Schritt die Fährrechte wieder zurück, um mehr Einfluss auf den Fährbetrieb zu haben. Die Stadt verkaufte danach die Rechte an mehrere Bürger, die gemeinsam die Fähre betrieben. Doch dies war auch nicht von längerem Bestand und die Fähre wurde in den folgenden Jahren immer nur noch von einem Bürger betrieben.
1874 wurde die Fähre, die bisher immer noch mit Staken (Stangen) bewegt wurde, in eine »Fliegende Brücke« umgebaut. Mit dieser Art des Fährbetriebes ging die Überfahrt erheblich schneller.
Aber durch die Inbetriebnahme der Eisenbahnstrecke Aschaffenburg - Miltenberg im Jahr 1876 und den Bau der Klingenberger Brücke 1890 kam der Fährverkehr in Wörth fast zum Erliegen. Einen Aufschwung gab es ab 1909, weil die die Wörther Fähre als Hochseilfähre betrieben wurde, was wiederum schneller und leichter ging. Die Besitzerin Creszentia Neef ließ 1941 eine neue eiserne Fähre auf der Werft in Erlenbach bauen.
Einen Riesenaufschwung im Fährverkehr gab es ab 1945 durch die Sprengung der Straßenbrücken in Obernburg und Klingenberg und der Eisenbahnbrücke zwischen Erlenbach und Wörth. Durch die Sprengung dieser Brücken wollten die Reste der deutschen Wehrmacht den Vormarsch der Alliierten .über den Main stoppen. Durch die Sprengung der Eisenbahnbrücke konnten die Züge aus Aschaffenburg nur bis Erlenbach und die Züge aus Miltenberg nur bis Wörth fahren. Die fehlende Verbindung musste die Fähre übernehmen, ebenso den Fahrzeugverkehr, der normalerweise über die fehlenden Brücken in Obernburg und Klingenberg gegangen wäre.
Bettendorf verkauft 1959
Ab 1949 wurden die gesprengten Brücken wieder instand gesetzt. Trotzdem wurde die Wörther Fähre noch 1951 mit einem Motorbetrieb versehen. Im Jahre 1953 kaufte die Familie Bettendorf die Fähre. Doch der Fährbetrieb ging immer mehr zurück, so dass Bettendorf seine Fähre 1959 nach Obereisenheim verkaufte.
Den Fährbetrieb hielt Bettendorf danach eine Zeit lang mit einem Fährnachen zur Personenbeförderung aufrecht, dann übernahm die Stadt Wörth mit angestellten Fährleuten den Personentransport mit dem Fährnachen. 1963 stellte die Stadt den Fährbetrieb ein und verkaufte den Nachen an die Werft in Erlenbach. Damit fand die jahrhundertelange Geschichte der Wörther Fähre ein Ende. Redaktion

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!