Geist des Wohlmeinens fördern

Open-Sozial: Engagement für guten sozialen Zusammenhalt wird weiter fortgesetzt

Miltenberg
4 Min.

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Tauschen sich online über Ergebnisse der Kampagne »Open-Sozial« aus (von oben): Christine Hartlaub, Joachim Schmitt, Marcus Schuck und Roland Fuchs. Foto: Pat Christ
Foto: Pat Christ
Sie woll­ten nach ge­ta­ner Ar­beit nicht gleich wie­der von der Bild­fläche ver­schwin­den: Für die Ma­che­rin­nen und Ma­cher der »Open-So­zial« im Land­kreis Mil­ten­berg be­ginnt im Grun­de jetzt erst die ei­gent­li­che Ar­beit.

Sechs ambitionierte Projekte gingen aus der am 23. Oktober in Elsenfeld organisierten Veranstaltung »Open-Sozial« hervor. Alle sechs Projekte sollen nun ein Jahr lang von Mitgliedern der Trägerinitiative »sozial & gerecht« begleitet werden.

Es ist möglich, etwas gegen die aktuelle Auseinanderentwicklung der Gesellschaft zu tun, zeigt die Initiative der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) in Miltenberg. Mehr noch: Es ist nicht nur sinnvoll und möglich, sondern auch von vielen Menschen gewollt, so KAB-Mitglied Christine Hartlaub: »Ich spüre eine große Sehnsucht, endlich wieder etwas gemeinsam zu tun.« In der von ihr geleiteten Arbeitsgruppe, die aus der »Open-Sozial« hervorging, wird über »Gesunde Ernährung« und »Landwirtschaft« diskutiert.

Themen mit Brisanz

Mittlerweile sind mehr als zwei Jahre vergangen, seit in China die ersten Corona-Fälle aufgetaucht sind. Themen, die zuvor schon virulent waren, gewannen seitdem an Brisanz. Das betrifft vor allem das Thema »Pflege«. Eine Gruppe, die sich bei der »Open-Sozial« fand, möchte hier politisch aktiv werden. »Die Pflege muss besser bezahlt werden und es braucht bessere Pflegeschlüssel«, sagt KAB-Bildungsreferent Joachim Schmitt, der die Gruppe begleitet. Aktuell befinde sich die Pflege in einem Teufelskreis: Weil alles immer stressiger wird, springen Pflegekräfte ab, mangels Personal steigt der Stress vor Ort weiter an.

Es war ein bunt zusammengewürfelter Haufen, der sich bei der »Open-Sozial« mit den Themen »Gutes Zusammenleben« und »Soziale Gerechtigkeit« auseinandersetzte. Die 90 Teilnehmer entstammten mehrheitlich einer Zufallsauswahl durch die Bürgermeister im Landkreis. »Die Bandbreite war wirklich sehr groß«, so Marcus Schuck von der Initiative »sozial & gerecht«. Selbst Muslima waren der Einladung gefolgt. Willkommen war auch, wer den Corona-Kurs der Politik kritisch sieht. Nicht zuletzt sie fanden sich zu einer Gruppe namens »Corona-Schutz« zusammen, die sich am 9. Dezember erstmals virtuell traf.

Einander zuhören

Ein Projekt muss oft viele Stadien durchlaufen, bis erste Erfolge zu vermelden sind. Meist gibt es zwischendurch Phasen, wo alles nur sehr zäh vorangeht. Menschen, die sich zum ersten Mal engagieren, sind darauf womöglich nicht eingestellt - und laufen Gefahr, zu früh frustriert aufzugeben. Aus diesem Grund werden alle Gruppen von Mitgliedern der Initiative »sozial & gerecht« ein Jahr lang unterstützt. Pastoralreferent Marcus Schuck zum Beispiel begleitet die Corona-Gruppe. Er will einer Blasenbildung bei diesem emotional höchst aufgeladenen Thema vorbeugen. Und zwar in Bezug auf beide Lager: »Es ist sehr wichtig, dem jeweils anderen zuzuhören.«

Roland Fuchs aus Amorbach ist jemand, der bei Wind und Wetter rausgeht, um Menschen in Not zu helfen. Der Prokurist, der durch die Zufallsauswahl zur »Open-Sozial« kam, engagiert sich bei der Feuerwehr. Das Thema »Zukunft des Ehrenamts« treibt ihn zurzeit heftig um. »Vereinsarbeit lastet inzwischen sehr oft nur noch auf sehr wenigen Schultern«, stellt er fest. Was vor allem daran liege, dass die Jugend immer schwerer zu erreichen ist. Wie das im Landkreis Miltenberg geändert werden könnte, das soll eine fünfköpfige Arbeitsgruppe mit dem Titel »Ehrenamt« herausfinden, die am Abend der »Open-Sozial« gegründet wurde und sich bereits ein erstes Mal getroffen hat.

Wandel in Vereinsarbeit

Als langjähriger Ehrenamtlicher hat Roland Fuchs auch schon erste Ideen, was konkret angepackt werden könnte: »Wir brauchen einen Wandel in der Vereinsarbeit.« Verkrustete Strukturen und Regeln, die auf junge Menschen antiquiert wirken, erschweren nach seiner Ansicht die Nachwuchswerbung.

Fuchs und seinen Mitstreitern schwebt vor, eine Art Ehrenamts-TÜV für Vereine und Gemeinden zu entwickeln. »Es stellt sich ja die Frage, ob wir als Bürger einer Gemeinde tatsächlich ehrenamtsfähig sind«, sagt der Amorbacher, also ob wirklich die Motivation vorhanden ist, freie Zeit für andere oder für eine gute Sache zu opfern, auch wenn das nicht sofort ganz konkrete Vorteile bringt.

Verkrustete Strukturen lösen

Der »Open-Sozial« selbst ist es ein Anliegen, gegen die Verkrustung von Strukturen vorzugehen. Das, was in Elsenfeld auf die Beine gestellt wurde, hatte denn auch mit einer klassischen »katholischen Veranstaltung« nichts zu tun. Auch wenn hinter »soziale & gerecht« mit der KAB eine katholische Organisation steht, die Nachwuchs dringend nötig hätte, ging es nicht darum, neue Mitglieder zu werben. Die Ausrichtung der Kampagne wiederum ist zwar im besten Sinne christlich. Was für die Veranstalter jedoch nicht bedeutete, dass sie nur Christen ansprechen wollten. »Wir mussten die Impfausweise kontrollieren, allerdings nicht den Taufschein«, so Marcus Schuck.

Mitmachen darf, wer Lust hat

Man muss dieser Tage ein dickes Fell haben, um zu verkraften, was die Corona-Krise beschert. Dies wird leichter, wenn man sich in einer Gruppe wohlmeinender Menschen aufgehoben fühlt. Eben diesen Geist des Wohlmeinens will die »Open-Sozial« befördern. »Das Katholische an unserer Veranstaltung war in erster Linie, dass wir jeden Menschen so wertschätzen, wie er ist«, betont Marcus Schuck. Natürlich, ergänzt Joachim Schmitt, bewege sich die Initiative in einem »bestimmten ethischen Rahmen: »Innerhalb dieses Rahmens allerdings ist jeder Mensch willkommen.«

Stichwort: Open-Sozial

»Open-Sozial« versteht sich als eine »Plattform für soziales Engagement im Landkreis Miltenberg«. Getragen wird sie von der KAB-Initiative »sozial & gerecht«. Auf Einladung der Initiative kamen am 23. Oktober rund 90 Menschen im Bürgerzentrum Elsenfeld zusammen, um Ideen für ein besseres Zusammenleben am Untermain zu entwickeln.

Erste Handlungsimpulse, die an diesem Abend entwickelt wurden, wurden mit anwesenden Bürgermeistern und Kreisräten diskutiert. ()

Redet endlich miteinander!

Der eine wirft dem anderen Unmoral vor. Oder - je nach »Lager« - Untertanengeist, Verblendung oder Egomanie. Es wird mit extrem harten Bandagen gekämpft. Gegen die jeweils andere Ansicht. Das ist nicht nur paradox, sondern gefährlich. In einer höchst komplexen Situation, wie sie die Corona-Krise darstellt, sind sämtliche Erkenntnisse, sämtliche Erfahrungen und sämtliche Einsichten von Interesse, damit es gelingen kann, die schier endlos erscheinende, zerstörerische Krise zu bewältigen.

Vielleicht ist ein grandioser Blödsinn gar nicht mehr so furchtbar blödsinnig, wenn man sich einmal erklären lässt, wie das Gegenüber zu seiner Erkenntnis gekommen ist. Vielleicht gibt es doch Fakten, Geschehnisse oder Erfahrungen, die man bisher noch gar nicht auf dem Schirm hatte. Überhaupt erstaunt ja die in dieser gravierenden Form noch nie dagewesene Tendenz, alles abzuwehren, was der eigenen Überzeugung widerspricht.

Den Macherinnen und Machern der »Open-Sozial« ist nicht hoch genug anzurechnen, dass sie eine Plattform geschaffen haben, die es ermöglicht, endlich wieder in einen von Neugier und Freundlichkeit getragenen Diskurs zu kommen.

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