Feuerwerk sakraler Musik von Renaissance bis Barock

Sommerfestival: Konzertreihe in Bürgstadts Martinskapelle fasziniert als Gesamtkunstwerk für Auge und Ohr

Bürgstadt
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Ein brillanter Auftritt mit geistlicher Musik des Manierismus in der stimmungsvollen Martinskapelle in Bürgstadt: Das Ensemble Cappella Splendor Solis aus Wien mit Professor Josef Stolz am Claviorganum.
Foto: Heinz Linduschka
Für knapp drei Stun­den wur­de am Sonn­ta­g­a­bend Bürg­stadts Mar­tins­ka­pel­le zum Mit­tel­punkt der sa­kra­len Mu­sik in Deut­sch­land. Der Nach­teil: All­zu vie­le Men­schen ha­ben das nicht ge­merkt, denn selbst im klei­nen Kir­chen­raum mit rund 70 Plät­zen gab es Lü­cken im Pu­b­li­kum.
Der Auftakt zum hoch ambitionierten Sommerfestival des Claviersalons von Sylvia Ackermann und Georg Ott stand »Gabriel archangelus« auf dem Programm, die Messe von Giovanni da Palestrina aus dem Jahr 1554. Was die begeisterten Zuhörer vom Wiener Ensemble »Cappella Splendor Solis« unter der Leitung von Professor Josef Stolz zu hören und zu sehen bekamen, war ein mitreißender Querschnitt der geistlichen Musik aus der Zeit des Manierismus im 16. Jahrhundert.
Stimme zum Niederknien
Eine Epoche, die Stolz mit seinen vier Sängern wieder lebendig werden ließ. Diese sind: der junge Bassbariton Florian M. Wolf, dem man auch locker einen Auftritt in Bayreuth zutrauen würde, der elegante Countertenor Stefan Piewald, der Tenor Yo Sato mit seiner klaren, intensiven Stimme und Kanako Hayashi, die junge Sopranistin mit einer Stimme zum Niederknien. Scheinbar mühelos bewältigte sie alle Koloraturen und zauberte Sphärenmusik in das Kirchenschiff.
Der Ensembleleiter vermittelte sein verblüffendes Fachwissen mit so unvergleichlichem Wiener Charme, dass sich die Zuhörer nach knapp drei Stunden selbst für kleine Experten halten konnten - auf jeden Fall aber zu eingeschworenen Fans dieser Musik geworden sind. Auf einer Prozessionsorgel von 1755, deutschlandweit in dieser Erhaltung ein Unikat, bot Stolz Orgelmusik, wie sie vor 500 Jahren Komponisten wie Pasquini, Frescobaldi und Trabaci für Fürsten geschrieben haben, Auf einem Claviorganum begleitete er die vier Sänger sicher und einfühlsam, als sie den Sphärenklang von Hasslers »Dixit Maria ad angelum« perfekt als Quartett inszenierten und Sigismondo D’Indias »Pastor eregie« in all seiner spannenden Doppeldeutigkeit mit einem perfekten Zusammenklang der Stimmen intonierten.
Oper in der Kirche
Ebenfalls faszinierende Entdeckungen: Motetten für Solostimmen wie der glanzvolle Auftritt der Sopranistin mit Grandis »Deus canticum novum«, der Countertenor in Turinis »Haec dies« oder der Tenor bei Schütz‘ »O Jesu nomen dulce«. Der Beifall wurde euphorisch, als Wolf mit seinem facettenreichen und ausdrucksstarken Bassbariton Carissimis »Lucifer, caelestis olim Hierarchie« wie eine kleine, aber höchst brillante Oper in die Kirche zauberte und dabei ohne sichtbare oder hörbare Anstrengung in alle Rollen schlüpfte und die Martinskapelle in ein Opernhaus der Extraklasse verwandelte.
Gewöhnungsbedürftig
Weniger facettenreich klang es nach der Pause. Die Zuhörer konnten sich aber in eine ganz eigene Welt entführen lassen, als das Ensemble Palestrinas Messe über den Erzengel Gabriel aufführte. Eine Komposition mit einer vokalpolyphonen Kontrapunktik, wie sie wohl nur Palestrina zustande brachte, wie sie aber heute mit ihrer melodischen, harmonischen Ausgewogenheit und mit dem Verzicht auf große Intervallsprünge eher gewöhnungsbedürftig ist.
Klänge wie zu Königszeiten
Dass Stolz zwischen die Messgesänge immer wieder auf der Prozessionsorgel Tienti von Antonio de Cabezón schob, deutete den liturgischen Einsatz des Werks mindestens an und ließ ahnen, wie es vor 500 Jahren in der Privatkapelle von Karl V. oder von Philipp II. in Spanien geklungen haben mag. Die wunderbaren Ausmalungen der Martinskapelle vom Ende des 16. Jahrhunderts rundeten das Konzert zu einem Gesamtkunstwerk für Auge und Ohr ab. Heinz Linduschka
b Über die weiteren Konzerte des Sommerfestivals berichten wir in unserer Dienstagsausgabe.
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