Faltschachteln campieren am Main

Oldtimertreffen: 22 historische Wohnwagen-Anhänger der Marke Scholz-Brüderchen zu Gast in Miltenberg

Miltenberg
2 Min.

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Hölzerne Hingucker: 22 legendäre Scholz-Brüderchen-Wohnwagen aus den 50er-Jahren stehen am Pfingstwochenende auf dem Campingplatz in Miltenberg.
Foto: Anja Keilbach
Ku­ri­os se­hen sie aus, die Holz­wohn­wä­gel­chen mit ih­ren klei­nen Vor­zelt­chen. Fuß­g­än­ger, die die al­te Main­brü­cke in Mil­ten­berg über­que­ren, blei­ben ste­hen und bli­cken neu­gie­rig hin­un­ter zum Cam­ping­platz am Main. Ins­ge­s­amt 22 le­gen­dä­re Sc­holz-Brü­der­chen-An­hän­ger hat­ten dort über die Pfingst­ta­ge Quar­tier be­zo­gen.
Aufsehen um alte Gefährte
Jedes Jahr treffen sich Liebhaber der historischen, mobilen Behausungen an einem Ort. In diesem Jahr hatte sich die Scholz-Brüderchen-Interessengemeinschaft Miltenberg als Ziel ausgesucht. Die nostalgischen Miniwohnwagen sorgten zwischen den modernen Wohnmobilen für Aufsehen. Um die rollenden Holzhäuschen gibt es auch manche Geschichte zu erzählen.
Zum Beispiel die, dass ein vergessener Schlüssel nicht unbedingt ein Problem darstellt, wenn man ins Innere der Karossen gelangen möchte. Der Aachener Frank Evers (62) leiht sich zum Öffnen seines 53 Jahre alten Anhängers einfach den Schlüssel seines Anhänger-Freundes Hans-Albrecht Hüner. »Eigentlich passt da jeder beliebiger Möbelbeschlagschlüssel«, meint Evers. Früher sei das eben einfach so gewesen.
In fünf Minuten wohnbereit
»Ein Brüderchen von Scholz - in fünf Minuten wohnbereit«: So einfach wurde auch in den 60er-Jahren für die Faltschachtel genannten Wohnwagen geworben. Zusammengeklappt haben sie die Größe eines Anhängers, beim Ausklappen wird aus dem Zwerg ruck, zuck ein Riese. Der Klappwohnwagen besteht aus Aluminiumwänden und Furnierplatten, die schnell zusammengefügt sind. Dazu werden die Seitenwände des Hängers aufgeklappt und aufgestützt, dann die Vorder- und Hinterwand aufgestellt und zusammen mit den Seitenwänden befestigt. Am Schluss werden Dachstangen, Plane und Traggestell für das Vorzelt fixiert. Fertig.
»Es ist dicht, bequem und doch geräumig«, sagt Anita Beaumont. Sie ist zusammen mit ihrem Mann angereist. In ihrem Wagen stehen ein altes Telefunken-Radio und andere historische Accessoires herum. So wie sie haben viele Faltschachtel-Fans auch noch Original-Campingzubehör aus den 50er- und 60er-Jahren, wie Kocher, Herd oder Regale. Die ziehenden Fahrzeuge sind größtenteils auch aus der Zeit: Käfer, Opel oder sogar der als Ente bekannte Renault 2CV.
Erhalt zum Ziel gesetzt
Die Interessengemeinschaft Scholz-Brüderchen, die Bernd Lindenberg aus der Südwestpfalz gegründet hat, hat sich vorgenommen, den Kult-Anhänger zu erhalten und zu nutzen. Die meisten Besitzer der Faltschachteln sind übrigens genauso alt wie ihr Gefährt.
Die dreiköpfige Familie Grunow aus dem Schwarzwald ist fast ein bisschen retro-verrückt, wie man schon an der 50er-Jahre-Frisur von Vater Armin Grunow erkennen kann. Der 14 Monate alte Sohn Pit wird in einem uralten Frankonia-Kinderwagen durch die Welt geschaukelt. Auch der ist geschätzt über 50 Jahre alt; das Zugfahrzeug, ein Mercedes 190, stammt aus dem Jahr 1957.
Anja Keilbach
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