Fachausschuss will mehr Güterverkehr auf die Schiene bringen

Potenziale und jede Menge Hürden im Landkreis Miltenberg

Miltenberg
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Mehr Gü­ter auf die Schie­ne: Im Kern sind sich die Mit­g­lie­der des Aus­schus­ses für En­er­gie, Bau und Ver­kehr da­rin ei­nig, dass dies der rich­ti­ge, aber auch ein müh­sa­mer Weg ist. Dies wur­de in der Sit­zung am Don­ners­tag aber­mals deut­lich.

Bis erkennbare Lösungen sich abzeichnen, sei noch viel Geduld gefragt, gab Landrat Jens Marco Scherf (Grüne) zu verstehen. Dass es »noch etliche Hürden zu nehmen gibt«, zeichnete sich an den Worten von Kreisbaumeister Andreas Wosnik ab, die vielen Fragen und Anregungen aus den Reihen der Kreisräte befriedigend zu beantworten. Im Mittelpunkt stand eine Machbarkeitsstudie, die per Videozuschaltung von Thomas Kocholl vom beauftragten Fachunternehmen Railistics GmbH (Wiesbaden) im Detail vorgestellt wurde.

Zur Vorgeschichte erinnerte Wosnik an vorausgegangene Sitzungen im Dezember 2020 und März 2021 und die Implementierung eines Workshops im Oktober 2021. Optimistisch stimmte die Feststellung »Die Bedarfsanalyse ist weitgehend abgeschlossen und zeigt ein erhebliches Potenzial für eine Verlagerung von Transporten auf die Schiene«, wie es in der Verwaltungsvorlage heißt. Kocholl sieht ein Entwicklungspotenzial von zusätzlich 39 Prozent und berief sich dabei auf eine Umfrage unter zwei Dutzend Unternehmen in der Region. Allerdings seien die Voraussetzungen hierfür derzeit nicht gegeben, was insbesondere auf die Lager- und Umschlagmöglichkeiten für Güter im Landkreis sowie die Trassenverfügbarkeit zutreffe. Im Bereich Miltenberg fehle es ferner an Puffermöglichkeiten für die Wagenabstellung und Zugzusammenstellung. Hingegen wird die Infrastruktur in Bezug auf den Gleiskörperzustand und die bestehenden Bahnhöfe positiv beurteilt, was auch auf Gleisanschlussbedingungen zutreffe.

Eine der beschriebenen Hürden zeichne sich hingegen an der Auslastung der Trassen zwischen Aschaffenburg und Miltenberg ab. »Durch den dichten Personenverkehr tagsüber« verblieben nur noch Zeiten in den Nachtstunden übrig, was mit Rücksicht auf Anwohner sorgfältig zu prüfen sei. Mit Zahlen untermauerte Kocholl eine separate Überprüfung der Verlagerung der Mülltransporte auf die Schiene, wozu das Müllaufkommen der Stadt Aschaffenburg und das der Landkreise Aschaffenburg und Miltenberg herangezogen wurde. In die Berechnungen flossen zusammen 48 000 Tonnen Hausmüll (für Miltenberg einschließlich gewerblicher Abfälle) mit ein, die zur Verbrennungsanlage in Schweinfurt derzeit auf den Straßen transportiert werden. Hans Jürgen Fahn (ÖDP) merkte an dieser Stelle dazu an, dass der Kreistag bereits 1994 einen Beschluss gefasst habe, den Mülltransport auf die Schiene verlegen zu wollen.

Doch auch hier wurden die Erwartungen gedämpft. Potenzial und Bereitschaft seien vorhanden, so Kocholl; doch fehle es an Lagermöglichkeiten im Containerterminal Aschaffenburg sowie an Müllsammelstationen entlang der Strecke. Er empfahl, Szenarien einer Zugkostenkalkulation zu erstellen und insgesamt Finanzierungsmöglichkeiten auszuloten. Bei Müll handle es sich schließlich auch um organisches Material, so Armin Bohnhoff (CSU), weshalb der Zeitfaktor zwischen Einsammlung und Ankunft an der Verbrennungsanlage unbedingt zu berücksichtigen sei. Enttäuscht vom Vortrag äußerte sich Großwallstadts Bürgermeister Roland Eppig (FW), dem die Studie nicht weit genug ging. »Es fehlt die Zukunftsvision«, merkte er an und schlug im Konkreten vor, Umschlageinrichtungen »auf die grüne Wiese« einzuplanen. Scherf widersprach und favorisierte eine langfristige Lösung unter Einbeziehung der Elektrifizierung der Untermainbahn.

Kreisbauausschuss in Kürze

Zielstrebig: Einstimmig begrüßte der Ausschuss das Vorhaben, die Verkehrsverhältnisse an zwei Schulstandorten zu verbessern. Ausführlich stellte Mobilitätsbeauftragter Tim Haas die Belastungssituationen am Schulzentrum Elsenfeld und am Busbahnhof Miltenberg vor, die er als "prekäre Verkehrs- und Sicherheitslage" bezeichnete. Wortmeldungen aus mehreren Fraktionen unterstrichen die Einschätzung, dass dringend Handlungsbedarf geboten sei; in Elsenfeld besonders mit Blick auf die sogenannten Elterntaxis. In Miltenberg konzentrieren die Planungen sich auf eine grundhafte Modernisierung des ZOBs. In Zusammenhang mit dem Sachstand über geplante landkreiseigene Radwege wurde bekannt, dass derzeit kein Verzeichnis über vorhandene Radwege und deren Zustände existiert. Vorgeschlagen wurde, ein Kataster in einer Geodatenbank anzulegen. Mit dem Thema werde die Bürgermeisterdienstbesprechung sich im Juni befassen.

Angepasst: Ebenfalls einhellig Unterstützung fand der Vorschlag der Verwaltung, angesichts der schwierigen Marktlage einen neuen Weg bei der Strombeschaffung einzuschlagen. Wie Wosnik ausführte, endet die 2015 geschlossene Vertragsbindung an der Teilnahme an Bündelausschreibungen für "Ökostrom mit Neuanlagenquote" zum Ende dieses Jahres. Um den starken Preisschwankungen entgegnen zu können, soll die Strombeschaffung ab dem Lieferjahr 2023 demnach in Tranchen erfolgen. Gedacht seien zwischen fünf und zwölf, auf das Jahr verteilte, Einzelkäufe, so Wosnik. Seither wurde zu einem Fixpreis für einen längeren Lieferzeitraum eingekauft. Die neue Vorgehensweise soll probeweise für ein Jahr unter Einbeziehung regionaler Energieversorger für die Alternative "100 Prozent Ökostrom mit Neuanlagenquote" (seither 50 Prozent) erfolgen.

Angepackt: Zur Kenntnis gab Scherf zwei neue Sachstände zum Schulbauprogramm. So wurde die Entwurfsplanung für die Zweifachturnhalle an der Main-Limes-Realschule in Obernburg im Dezember abgeschlossen und im Januar zur Förderung bei der Regierung von Unterfranken eingereicht. An den Berufsschulstandorten Miltenberg und Obernburg erfolgte unter Beteiligung einer externen Fachkraft die Ermittlung der Flächenbedarfe aller Fachbereiche. Im Ergebnis hätten sich teilweise erhebliche Steigerungen beim Flächenbedarf abgezeichnet, stellte Wosnik vor. Zur Ausstattung von sieben ausgewählten Schulen, in denen Kinder unter zwölf Jahren beschult werden, werden Förderanträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle aus dem Programm zur Ausstattung mit coronagerechten stationären raumlufttechnischen Anlagen und Zu-/Abluftventilatoren gestellt. Die Verwaltung rechnet mit einer Bezuschussung von 45 Prozent.

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