Einst vier Werften am Wörther Ufer

Mainschifffahrts-Nachrichten: 31. Ausgabe berichtet über Historie und Aktuelles - Binnenschiffer als Beruf

Wörth a.Main
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Vor 50 Jahren: Die Außenhaut eines Gütermotorschiffs wird auf der Erlenbacher Werft beplattet. Es ist das Titelmotiv der neuen Mainschiffahrts-Nachrichten. Archivfoto: Rudi Bauer
Foto: ME-GranerM
Der Ve­r­ein zur För­de­rung des Schiff­fahrts- und Schiff­bau­mu­se­ums Wörth hat zum Jah­re­s­en­de 2015 die 31. Aus­ga­be der Mu­se­ums­zeit­schrift, die Main­schiff­fahrts-Nach­rich­ten, her­aus­ge­ge­ben. Vor­sit­zen­der Ru­di Bau­er und Wolf-Rü­di­ger Kra­mer be­rich­ten da­rin über His­to­ri­sches und Ak­tu­el­les aus dem Schiff­bau und der Schiff­fahrt.
In einem umfangreichen Dossier widmet sich Rudi Bauer dem Schiffbau von den frühesten Anfängen bis in die heutige Zeit. Es werden die einzelnen Berufsgruppen und Tätigkeiten, die heute zum Neubau eines Schiffes notwendig sind, beschrieben.
1652 erstmals erwähnt
Zum ersten Mal wurde der Schiffbau in Wörth im Jahre 1652 erwähnt. Bereits im 18. Jahrhundert hatten sich vier Schiffbauplätze in Wörth angesiedelt. Die Familien Schellenberger und Zipprich waren die bedeutendsten Schiffbauunternehmen der Stadt.
Die hölzernen Schiffe wurden am Wörther Mainufer aus den einzelnen, sehr komplizierten, Teilen zusammengebaut. In einer Zeichnung werden alle Teile und deren Verbindungen zueinander vorgestellt. Besonders wichtig war das Abdichten der Holzplanken an der Außenhaut, damit die Dichtigkeit gewährleistet war.
Für die Werften arbeiteten damals schon verschiedene andere Handwerker von außerhalb, wie zum Beispiel der Nagelschmied, der Schreiner und der Seiler. War das Schiff fertig und dem Element Wasser übergeben, so wurde daraus ein Festtag mit ausgedehnten Feierlichkeiten, bei der nicht nur die Werftarbeiter dabei waren, sondern auch die Einwohnerschaft der Stadt hat daran teilgenommen.
Ab 1896 gingen auch die Werften in Wörth auf den moderneren Eisenschiffbau über. Der Erste Weltkrieg leitete, wegen der Kriegsfolgen, das Ende der Schifferfamilie Zipprich ein. Die Werft Schellenberger siedelte infolge guter Auftragslage und Platzmangels in Wörth im Jahr 1918 an das andere Mainufer nach Erlenbach über. Mit anderen Teilhabern zusammen firmierten sie als Bayerische Schiffbaugesellschaft mbH. Der erste Stapellauf eines großen, neuen Schiffes in Erlenbach erfolgte im Januar 1921.
In Europa und Übersee bekannt
In den Folgejahren und besonders nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich die Werft in Erlenbach zu einer der bedeutendsten Binnenschiffswerften in Deutschland und war in ganz Europa und auch in Übersee wegen der guten Qualität ihrer Schiffsneubauten bekannt. Mit einer Belegschaft von zeitweise über 300 Mitarbeitern wurden in Erlenbach mittlerweile über 1160 Schiffsneubauten erstellt.
Krise nach Kanaleröffnung
Nach der Eröffnung des Main-Donau-Kanals ging es mit der Erlenbacher Werft bergab, da preisgünstige Schiffe aus Osteuropa geliefert wurden. Die Qualität dieser Schiffe war nicht sehr gut. Daher ist es heute so, dass nur die Schiffskörper in Osteuropa gefertigt und diese später nach Erlenbach oder an eine andere Werft geschleppt werden. Dort werden die Schiffe mit der notwendigen Qualität und dem bei uns üblichen Standard ausgebaut und fertiggestellt.
Die heutigen Schiffsneubauten werden entsprechend ihrem speziellen Verwendungszweck gebaut. Es gibt im Binnenschiffbau Passagierschiffe oder Flusskreuzfahrtschiffe für die Personen᠆beförderung, Trockengüterschiffe für Massengüter, Stückgüter oder Container und Tankschiffe, die Mineralöle, Benzine und Chemikalien transportieren. Besonders die Tankschiffe werden mit vielen Sicherheitseinrichtungen ausgestattet.
Schulschiff in Duisburg
In einem weiteren Beitrag erfährt der Leser, dass im vorigen Jahr 62 Auszubildende nach einer dreijährigen Lehrzeit die Abschlussprüfung in Duisburg zum Binnenschiffer abgelegt haben. Sie sind danach Bootsmann oder -frau und können anschließend ihren Beruf in der Binnenschifffahrt ausüben. Die Ausbildung erfolgt im dualen System - Praxis an Bord eines Binnenschiffs und Theorie in der Schifferberufsschule.
In Deutschland gibt es zwei Standorte, an denen der Unterricht erteilt wird: in Duisburg-Homberg auf einem Schulschiff und in Schönebeck bei Magdeburg. Das Schulschiff »Rhein« in Duisburg ist eine in Deutschland und in Europa einzigartige Einrichtung, die auch von ausländischen Berufsschülern genutzt wird. red

bGruppenführungen im Wörther Schifffahrtsmuseum nach Anmeldung unter Tel. 0 93 72 / 9 89 30 (Rathaus) oder Tel. 0 93 72 / 47 01 (Rudi Bauer)
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