Einkaufslust und Parkplatzfrust: Stellplätze der Märktezentren im Fokus

Eindrücke aus Erlenbach, Kleinheubach und Elsenfeld

Miltenberg
3 Min.

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Im Einkaufszentrum Elsenfeld werden diese Parkplätze seit mehreren Wochen als Lagerflächen missbraucht. Kunden müssen auf die Parkplätze der anderen Geschäfte des Zentrums ausweichen. Fotos: Hans Schreck
Foto: Hans Schreck
Zu kurz, zu eng, feh­len­de oder zu sch­ma­le We­ge für Fuß­g­än­ger, nicht mehr zu er­ken­nen­de Mar­kie­run­gen, un­kla­re Re­geln - wäh­rend die gro­ßen Han­dels- und Dis­co­unt­ket­ten ih­re Ver­kaufs­flächen im­mer wie­der um­ge­stal­ten und opti­mie­ren, ist auf den Park­plät­zen da­von nicht viel zu se­hen.

In den Märktezentren im Kreis gibt es zwar große Parkflächen mit oft mehreren hundert Stellplätzen, aber meist sind die Betreiber der Parkplätze andere als die Geschäftsinhaber oder -mieter. Gebäude und Freiflächen der Marktzentren gehören in der Regel von Investoren, die sie an die jeweiligen Händler verpachten.

Stellplatzverordnung

Nach der GaStellV (Garagen- und Stellplatzverordnung) muss jeder Betreiber eines Ladengeschäftes pro 40 Quadratmeter Verkaufsfläche einen Stellplatz vorweisen. Während aktuell viele Handelsketten in die Neugestaltung ihrer Verkaufsräume investieren, lässt die Einteilung sowie Gestaltung hauptsächlich der älteren Parkplätze zu wünschen übrig. So lassen sich die Eindrücke unseres Medienhauses beim Besuch mehrerer Marktzentren im Kreis zusammenfassen. Teilweise entsprechen sie nicht einmal den gesetzlichen Anforderungen.

Aber auch der Gesetzgeber ist gefordert, seine zuletzt 1993 aktualisierten Vorgaben zu überprüfen. Schließlich sind die Autos seither deutlich breiter und länger geworden. Die Garagen- und Stellplatzverordnung fordert, dass Parkplätze zwischen 2,30 und 2,50 Meter breit sein müssen, je nach Breite der Fahrgasse.

Vorgeschriebene Maße

2,30 Meter darf ein Parkplatz nur breit sein, wenn keine Längsseite mit Wänden oder Säulen bebaut ist. Als Länge sind 5,00 Meter gefordert. Im Durchschnitt haben heute die Autos von 1,75 bis 1,95 Meter und eine Länge von 4,40 bis 5,00 Meter. Selbst wenn alle Fahrzeugführer genau mittig auf die Stellplätze fahren würden, wird es da eng. Mit Gehhilfe auszusteigen oder eine Babyschale vom Rücksitz zu nehmen werden zu echten Herausforderungen.

Doppelt markiert: Welche Stellplatzbegrenzung gilt?
Foto: Hans Schreck

Wie leicht man da beim Öffnen der Türe an das daneben geparkte Fahrzeug stoßen und es beschädigen kann, weiß jeder Autofahrer. Eine Statistik über Unfälle auf Gemeinschaftsparkplätzen gibt es aber nicht. Gelegentlich kommt es zu Unfallaufnahmen wegen Beschädigungen mit Unfallflucht. Ansonsten werden solche Kleinunfälle nicht aufgenommen.

Unbekannt ist vielen Autofahrern auch, dass auch auf privaten Großparkplätzen die öffentliche Straßenverkehrsordnung (StVO) mit Verpflichtung zur besonderen Rücksichtnahme gilt. Das heißt, trotz der geltenden Regelung Rechts vor Links kann auch bei einem Zusammenstoß auch der Vorfahrtsberechtigte je nach Lage eine Mitschuld bekommen.

Außerdem gibt es in der StVO auch den Tatbestand der »Parkplatzverschwendung«. Wer sein Auto so abstellt, dass er zwei Stellplätze braucht, könnte für diese Ordnungswidrigkeit mit einer Buße von zehn Euro belegt werden.

Drei Einkaufszentren besucht

Die Parkflächen von drei Einkaufszentren hat die Redaktion beispielhaft genauer unter die Lupe genommen: in Erlenbach zwischen Miltenberger Straße. und Pfützenäcker, in Kleinheubach Gewerbegebiet Seehecke und in Elsenfeld Ortsmitte. Die Außenanlagen des Einkaufszentrums in Erlenbach sind unter den drei Zentren die besten. Hier sind fünf Geschäfte beheimatet. Die Stellplätze sind 2,70 Meter. Neben den 100 normalen Stellplätzen gibt es noch vier Behindertenstellplätze mit 3,55 Metern Breite. Alle Platzmarkierungen sind gut erkennbar.

Die Behindertenplätze liegen in die Mitte des Großparkplatzes der Kleinheubacher Seehecke. Wenn so geparkt wird, ist der Weg für Rollstuhlfahrer kaum passierbar.
Foto: Hans Schreck

Im Einkaufszentrum Seehecke in Kleinheubach gibt es für 18 Supermärkte, Fachgeschäften, Discounter, Banken und Imbisse einen zentralen Großparkplatz und mehrere weitere Parkflächen. Es gibt fünf Behindertenparkplätze zu bieten, zwei direkt vor der Eingangstür eines Discounters, einer an einer Apotheke und zwei mittig im Großparkplatz. Der Weg für Rollstuhlfahrer zu den Geschäften ist sehr schmal und oft teilweise zugeparkt. Auch sind die Parkplätze in verschiedenen Höhen und nur über Rampen erreichbar, die für Gehbehinderte und Kinderwagen nicht unbedingt ideal sind. Die 250 normalen sind Stellplätze 2,55 Meter breit und 5,00 Meter lang und dank abwechselnd grauem und rotem Pflaster gut erkennbar.

Paletten abgestellt

Am wenigsten kundenfreundlich ist der Elsenfeld Parkplatz. Auf dem großen Mittelplatz sind die rund 90 Parkplätze mit nur 4,50 Meter Länge zu kurz. Die zwei Behindertenplätze sind mit 3,80 Meter ausreichend breit, aber ebenfalls zu kurz. Zusätzlich gibt es noch mehrere Nebenparkplätze mit noch einmal rund 60 Plätzen. Ein Teil wird von einem Verbrauchermarkt schon seit Wochen als zusätzliche Lagerfläche genutzt. Somit entfallen rund zwölf Stellflächen.

Vor einem Fachdiscounter wurde die Parkplätze verbreitert, aber die Kennzeichnung ist jetzt eher verwirrend, denn es wurden neue Steine als Begrenzungslinie eingesetzt, aber die alten nicht entfernt. In einen anderen Bereich sind die weißen Markierungen stark abgefahren und kaum noch erkennbar.

Die Markierung auf solchen Parkplätzen liege »in Verantwortung des Betreibers« teilt das Landratsamt auf Nachfrage mit. Eine routinemäßige Kontrolle finde nicht statt, die Bauaufsichtsbehörde werde aber »entsprechende Maßnahmen« einleiten, wenn ihr Probleme gemeldet werden.

Stichwort: Sonderparkflächen

Außer den normalen Parkflächen gibt es bei solchen Großparkplätzen noch Formen von Sonderparkplätzen. Eine davon ist der Behindertenparkplatz mit einer vorgeschriebenen Breite von 3,50 Meter und einer Länge von 5,00 Meter, empfohlen sogar eine Länge von 6,00 Meter. Näheres sagt hier die Din 18040 aus. Vorgeschrieben ist, mindestens ein Prozent der der Stellplätze so als Behindertenparkplätze gebaut und ausgewiesen werden müssen.

Die sogenannten Mutter-und-Kind- Parkplätze kennt die Gesetzgebung nicht. Diese und eventuell welche für Besucher mit Gehhilfen oder Rollatoren wären sinnvoll und sollten Einzug in die Gesetzgebung finden. ()

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