Eine Burg tritt ins Licht der Geschichte

Vor 800 Jahren: »Kolbenberg« 1214 erstmals urkundlich erwähnt - Bei Collenberger Jubiläumsfeiern dieses Jahr »vergessen«

Dorfprozelten
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Welches Bild sich im Nachmittelalter unterhalb der zum Schloss ausgebauten Burg Kollenberg bot, zeigt eine Jagdgrenzkarte der Rüd von 1612. Repro/
Foto: Wolfgang Hartmann
Der Nen­nung ei­nes ade­li­gen Of­fo von Ve­chin­bach in ei­ner Ur­kun­de von 1214 ver­dankt der Ort Fe­chen­bach sei­ne früh­es­te Er­wäh­nung vor 800 Jah­ren. Man hat die­ses his­to­ri­sche Ju­bi­läum mit gro­ßem Auf­wand und Ide­en­reich­tum be­gan­gen.

Eigentlich hätte man in Collenberg einen weiteren Anlass zum Feiern gehabt, denn in einem ebenfalls 1214 ausgefertigten Schriftstück begegnet erstmals der Name Collenberg, den Fechenbach zusammen mit Reistenhausen und Kirschfurt seit der Gebietsreform von 1971 trägt.
Hier ist es ein Albert von Kolbenberg, auf den Bezug genommen werden kann. Er fungierte als Zeuge eines Albert von Tief, der damals dem Kloster Bronnbach Besitz in denselben Orten Dürrberg (heute Dürrhof) und Winden (abgegangen bei Rauenberg) südlich der Kollenburg schenkte, in denen auch die Familie des Offo von Fechenbach begütert war.
Besitz der Kolbo-Familie
Der letztgenannte Albert nannte sich nach der Burg Tief bei Bad Windsheim. Woher seine Besitzungen am Untermain stammen, ist anhand seiner Abstammung erkennbar. Er war ein Angehöriger der staufischen Reichsschenken von Klingenberg-Prozelten. Ihr Ahnherr Walter von Schüpf und einige seiner Söhne trugen den Beinamen Kolbo. Abgeleitet ist er vom Streitkolben, einer aus der Keule entwickelten Waffe, die auf Siegeln der Schenken und des Albert von Tief dargestellt ist und auch Eingang in das Wappen der Gemeinde Collenberg gefunden hat.
Die ursprüngliche Schreibweise Kolbenberg und weitere Sachverhalte verdeutlichen, dass die zwischen Fechenbach und Dorfprozelten entstandene Burg Kollenberg von den unter Kaiser Friedrich Barbarossa am Untermain ansässig gewordenen Reichsschenken von Schüpf (ihre Stammburg stand bei Oberschüpf/Boxberg) erbaut worden ist. Auf die Kolbo-Familie gehen auch die (neue) Clingenburg und der Kern der Burg Prozelten (Henneburg über Stadtprozelten) zurück.
Beleg für Burg und Hof
Der Name Kolbenberg in der Urkunde von 1214 gibt zu erkennen, dass die Burg Kolbenberg (später: Kollenberg/Collenberg) damals schon bestanden hat. Da Walter von Schüpf der gemeinsame Stammvater der Schenken von Klingenberg und der Herren von Tief war und als erster den Beinamen Kolbo trug, dürfte er den Grundstein der Burg gelegt haben, wahrscheinlich um 1156, in der frühen Regierungszeit Barbarossas.
Walters Sohn Konrad Kolbo von Schüpf-Clingenburg (belegt 1152-1189) amtierte als Mundschenk des bekannten Stauferkaisers. Konrads Sohn Walter nannte sich in einer heuer ebenfalls 800 Jahre alten Urkunde nach der Burg Hohenstaufen, hatte demnach auch einen Sitz auf der Stammburg der Staufer. All dies sind überaus deutliche Hinweise auf die hohe Wertschätzung der Kolbo seitens ihrer berühmten Herren.
Albert von Kolbenberg wurde von Albert von Tief als villicus meus bezeichnet, fungierte somit als dessen Gutsverwalter, nicht als Burgmann. Sein als Fronhof anzusprechender Wohnsitz Kolbenberg dürfte - wie in vergleichbaren Fällen üblich - zu Füßen der namensgebenden Burg gestanden haben. Von ihm ist später nichts mehr zu vernehmen. Die Tief sind schon bald nach 1214 ausgestorben.
Vom ausgehenden 13. Jahrhundert bis 1635 residierten die niederadeligen Rüd von Kollenberg auf der Burg, die ab 1327 dem Deutschen Orden zu Mergentheim beziehungsweise dessen wenige Jahre zuvor gegründeter Kommende in Stadtprozelten unterstand und 1484 mit dieser durch Tausch an das Mainzer Erzstift gelangte.
Scheune, Waschhaus, Forsthaus
Welches Bild sich im Nachmittelalter unterhalb der zum Schloss ausgebauten Burg Kollenberg bot, verdeutlicht eine Jagdgrenzkarte der Rüd aus dem Jahr 1612. Eingezeichnet sind dort folgende Objekte: ein Ziegelhof mit zwei Gebäuden, zwei Scheunen (in der Flur Burgäcker), näher am Main der Herbstbrunnen (noch vorhandene Quelle), zwei »Fisch Casten« sowie ein umhegter Garten. Auf einer wenige Jahrzehnte jüngeren Karte erscheint in diesem Bereich ein Waschhauß, während sich die Anzahl der Scheunen auf drei erhöht hat. Verschwunden ist hingegen der dem nahen Fechenbach zuzurechnende Ziegelhof, vermutlich eine Auswirkung des zwischenzeitlichen Dreißigjährigen Krieges.
Teilweise umzäunt ist auf der Karte von 1612 auch jenes Areal hinter einem Bildstock, auf dem im späten 18. Jahrhundert, als die Burg zur Ruine wurde, ein Jaegerhaus entstand. Auf dem Urkatasterplan von 1844 ist das Forsthaus als Kollenberg bezeichnet. Es befindet sich seit 1975 in Privatbesitz und gehört heute ebenso wie die Burg zur Gemeinde Dorfprozelten.
Gut denkbar ist, dass auf demselben Platz einst der von Albertus villicus de Kolbenberg bewohnte Hof stand. Der Zeugenschaft des Verwalters in der Urkunde von 1214 verdanken wir den ältesten Beleg sowohl für die Existenz der Burg Kollenberg als auch für eine mindestens aus einem Hofgut bestehende gleichnamige Siedlung.

bWeitere Informationen über die Kollenburg im Internet unter www.burglandschaft.de
Wolfgang Hartmann

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