"Ein top-archäologisches Stück"

Großes Vorhaben Archäologisches Spessartprojekt will die Siedlungsgeschichte des Gotthardsbergs zwischen Weilbach und Amorbach erforschen

Weilbach/Amorbach
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Von Amorbach aus ist die Gotthardsruine seit umfangreichen Rodungsarbeiten im Jahr 2007 wieder gut erkennbar. Von Weilbach aus ist sie allerdings nicht auszumachen - weshalb man laut Harald Rosmanitz darüber nachdenken sollte, die Sichtachse auch in diese Richtung wieder behutsam herauszuarbeiten.
Foto: Winfried Zang
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Harald Rosmanitz vom Archäologischen Spessartprojekt (stehend) erhofft sich von Grabungen auf dem Gotthardsberg weitere Erkenntnisse über die Siedlungsgeschichte.
Foto: Winfried Zang
Der Stadt Amorbach und der Gemeinde Weckbach bietet sich die einmalige Chance, die Besiedlung des Gotthardsbergs erforschen zu lassen und in einem zweiten Schritt die Gegend um die Gotthardsruine touristisch zu vermarkten.
Möglich würde dies, wenn die Kommunen sich entschlössen, ein Vorhaben des Archälogischen Spessartprojekts zu unterstützen. Den Anstoß dazu hatte der Amorbacher Heimat- und Geschichtsverein gegeben.

Wie Harald Rosmanitz (Archäologisches Spessartprojekt) dem Amorbacher Stadrat und dem Weilbacher Gemeinderat am Montag im Weckbacher Dorfgemeinschaftshaus erklärte, würde das Projekt von seiner Vielschichtigkeit und Bedeutung das größte werden, das man bislang in Angriff genommen habe.

Sichtachse herausarbeiten Die Anlage am Gotthardsberg sei ein "top-archäologisches Stück", das hohe Bedeutung habe. Die Gotthardsruine sei derzeit nur von Amorbach aus zu sehen. Es sei daher zu überlegen, ob man nicht in Zusammenarbeit mit den Forstbehörden die Sichtachse, die Richtung Weilbach und Engelberg geht, herausarbeiten sollte - allerdings, ohne brachiale Sichtschneisen zu schlagen.

Von der Besiedlung des Bergs gebe es zwar einige schriftliche Belege, aber ein Gesamtbild könne man daraus nicht ableiten. Die Archäologie könne dieses jedoch verdichten, indem weitere Reste der Siedlungsanlagen freigelegt werden. Rosmanitz hofft, dass man schon Ende 2010 wesentlich mehr über die Besiedlung weiß.

An dem Vorhaben beteiligt sind der Bezirk Unterfranken, das Landesamt für Denkmalpflege, das Archäologische Spessartprojekt mit seinen Partnern Universität Würzburg (Historisches Institut), den Kommunen Amorbach und Weilbach sowie die beiden Heimatvereine.

Arbeitsgemeinschaft Bezüglich der Organisation habe man bei den Grabungen an der Altenburg eine befriedigende Lösung gefunden, die auch in Amorbach/Weilbach möglich wäre. Laut Rosmanitz habe man eine Arbeitsgemeinschaft installiert, in der die Kommunen und die beteiligten Vereine alle technischen Dinge abgestimmt hätten.

Zum Vorgehen vor Ort zähle unter anderem das sogenannte Airborne Laserscanning, bei dem vom Flugzeug aus ein präzises Höhenraster erstellt wird. Dadurch können die Fachleute erkennen, an welchen Stellen ehemals Siedlungsanlagen standen. Mit Mitteln der Geophysik, geplant im Winter/Frühjahr 2010, würden elektronische und magnetische Spannungen im Boden gemessen, sagte Rosmanitz. Dadurch entstehe ein Bodenradar, in dem sich Mauern und Gruben im Untergrund abzeichnen. "Das spart sehr viel Geld, da man genau weiß, wo man graben muss", so der Fachmann. Die Ausgrabung könnte im Mai/Juni 2010 beginnen und würde drei Monate dauern.

40 000 Euro Kosten Ein Grabungsteam bestehe aus einem Grabungsleiter und einem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Spessartprojekts, einem Studenten und drei bis fünf freiwilligen Helfern, die der Heimatverein stellen müsste.

Die Kosten für das Projekt, beginnend mit dem Grabungsantrag über Ausgrabung, wissenschaftliche Begleitung, Schulprojekte, Auswertung und Erstellung eines Nachhaltigkeitskonzepts belaufen sich auf knapp 40 000 Euro. Davon zahlt der Bezirk Unterfranken 10 000 Euro, den Rest teilen sich die Kommunen und die beiden Heimatvereine.

Identifikation der Bürger Für Harald Rosmanitz bringt das Projekt neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen vor allem eines: die Identifikation der Bürger mit ihrer Region. "Die Leute bekommen ein Element in ihrer Landschaft, das von weit höherer Bedeutung ist als bislang bekannt", betonte der Fachmann. Dr. Gerhard Ermischer (Spessartprojekt) schlug vor, die Gotthardsruine in das Leader-Projekt "Burgen und Schlösser im Mainviereck" aufzunehmen. Dieses von der EU geförderte Vorhaben fasst 20 Burgen zusammen, vernetzt sie und vermarktet sie. 12 000 Euro würde der Anteil von Amorbach und Weilbach betragen, so Ermischer.

Auch beim Unesco-Geopark stößt das Vorhaben auf Gegenliebe. Wie Claudia Eckhardt ausführte, werde der Geopark auch sein finanzielles Scherflein dazu beitragen.

In der Diskussion konnte man den Wortbeiträgen der Stadt- und Gemeinderäte fast unisono Zustimmung zum Projekt entnehmen. Vor allem Bernhard Springer, Stadtrat und Vorsitzender des Amorbacher Heimat- und Geschichtsvereins, warb eindringlich für Zustimmung.

Überall Wohlwollen Bernd Schötterl (Amorbach) sprach sogar von einem "unschlagbaren Preis-Leistungs-Verhältnis". Auch die Bürgermeister Bernhard Kern (Weilbach) und Peter Schmitt (Amorbach) hofften, dass die jeweiligen Kommunalgremien dem Vorhaben wohlwollend gegenüberstehen. Um das Projekt in Gang zu bringen, müssen die Räte den Plänen noch zustimmen. Winfried Zang
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