Leben mit Dauerschmerzen: Kirchzellerin leidet an Spätfolgen einer Borreliose

Einen Mediziner nach dem nächsten konsultiert

Kirchzell
4 Min.

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Jessica Heinbücher aus Kirchzell hat durch eine zu spät diagnostizierte und lange unbehandelt gebliebene Borreliose eine lange Leidensgeschichte hinter sich. Foto: Stefan Gregor
Foto: Stefan Gregor
Jes­si­ca Hein­bücher sieht ei­gent­lich gar nicht krank aus. Sie sitzt de­zent ge­sch­minkt in ih­rem Wohn­zim­mer in ih­rer hüb­schen Woh­nung in Kirch­zell (Kreis Mil­ten­berg) mit Blick über ein wei­tes Tal und den na­hen Oden­wald und er­zählt.

Aber im Gespräch wird mehr als einmal deutlich, dass die junge Frau ein großes Problem mit ihrer Gesundheit hat. Genauer gesagt ein sehr großes. Und dass sie gelernt hat, ihre Qual, ihr Leiden zu verstecken und trotz Dauerschmerzen zu lächeln und nicht zu zeigen, wie schlecht es ihr wirklich geht. Es ist ihre Überlebensstrategie, ihr Weg damit leichter umgehen zu können.

Die Zecke in der Kindheit

Bisher konnte ihr kein Arzt so richtig helfen. Obwohl sie eine wahre Medizin-Odyssee bei rund 50 Ärzten hinter sich hat, von einem Arzt zum nächsten gegangen ist, zudem mehrere Male auch in Kliniken zu verschiedenen Behandlungen war. Heinbücher leidet nach eigener Überzeugung und nach ärztlicher Diagnose an den Spätfolgen einer lange unentdeckten und nicht behandelten Neuroborreliose. Unbehandelt und zu spät therapiert kann eine Borreliose chronisch werden und sehr schwere körperliche Folgen haben.

Als Kind in der Schule hatte die heute 44-Jährige eine Zecke. »Mit einem roten Rand. Meine Mutter nahm mich damals auch mit zu unserem Hausarzt, doch dieser ging nicht weiter darauf ein«, schildert sie. Heute weiß sie, dass das möglicherweise ein Fehler war. Denn wenn sie damals rechtzeitig und hoch dosiert Antibiotika bekommen hätte, hätte man unter Umständen die schweren Spätfolgen, unter denen sie heute leidet, vermeiden können. Darauf verweisen auch Experten wie jene des Nationalen Referenzzentrums für Borrelien.

Hörstörungen

Heinbücher leidet während eines Aufenthaltes in einem Schullandheim plötzlich unter Hörstörungen und Schmerzen unterhalb der Rippen wie von einem zu engen Gürtel. Aber niemand kommt damals auf die Idee, dass das mit dem Zeckenbiss zusammenhängen könnte. Als sie ungefähr 30 ist, fängt sie sich bei einem Waldspaziergang rund 30 Zecken auf einmal ein. Danach fangen auch Schmerzschübe bei ihr an. An der Wirbelsäule traten danach erstmals extrem starke Schmerzen auf. Heinbücher wird mehrere Male in ein MRT geschoben. Sie bekommt die Diagnose Fibromyalgie. Sie ist sich aber sicher, dass sie zusätzlich auch eine Borreliose hat. »Es fühlt sich an wie ein starker Bandscheibenvorfall. Einer, der nicht besser wird und immer wieder kommt. Und ich fühle mich wie permanent krank. Als wenn ich durchgehend Grippe hätte«, schildert sie ihren Zustand. Oft fehlt ihr die Kraft. Energie und Spannkraft sind schon lange Fremdworte in ihrem Leben. »Ich stehe in der Küche und spüle mein Geschirr, danach muss ich mich erst einmal hinlegen, weil das so anstrengend war«, erläutert sie ihre Beschwerden. Weil es ihr oft so schlecht geht, kann sie sich nicht so oft mit Freunden und Bekannten treffen, wie sie es eigentlich gerne tun würde. Diese Isolation hat auch damit zu tun, dass sie Mutter eines behinderten Sohnes ist. Der 14-Jährige ist Asperger-Autist und hat eine Intelligenzminderung. Familiäre Unterstützung bei der Bewältigung ihres Alltags erhält sie nur von ihrer Mutter.

Die Schmerzmittel, die sie bekommt, wirken nicht. Noch nicht mal Opiate helfen ihr. Und so fragt sie sich, was sie noch tun, noch ausprobieren soll, damit all das endlich aufhört. Damit sie endlich ohne Schmerzen ein Leben hat. Vielleicht auch endlich mal arbeiten kann. Denn Heinbücher hat soziale Arbeit studiert, hat auch drei Berufe gelernt. Seit sie so schwer krank ist seit über zehn Jahren, kann sie aber ihren Beruf nicht ausüben.

Hoffnung schöpfen

Aktuell schöpft sie wieder Hoffnung. Sie macht eine Therapie bei einem Borrelien-Spezialist in Speyer. Ein mal in der Woche sucht sie den Mediziner in Rheinland-Pfalz für mehrere Tage auf. Vor ein paar Monaten hat sie bei ihm eine komplette Ausdifferenzierung ihres Blutes machen lassen. Alle Banden in ihrem Blut waren hoch positiv in Bezug auf Borrelien. Und das bei einem chronischen Wert, der über Jahre unauffällig war.

Genauer Plan

In der Küche zeigt Heinbücher ein Köfferchen. Darin befinden sich ein Cowden-Protokoll und mehrere Pillenbehälterx mit Substanzen wie Magnesium, Petersilie, Serrapeptase, Purpurpinella, Spaga, Cumanda, Banderol, Mora, Sealantro, Tacuna, Samento oder Stevia. Zusätzlich nimmt sie auch noch Kurkuma-Saft und Phospholipide ein. Nach einem genauen Plan muss sie die Substanzen täglich zu sich nehmen. Es sind Dinge, die ihr der Mediziner verordnet hat und die sie selbst bezahlt - wie auch die Behandlungen in Speyer.

Aus eigener Tasche finanzieren

Zusätzlich ist sie auch bei einem Neurologen in Buchen (Neckar-Odenwaldkreis) in Behandlung. Der Facharzt hat ihr endlich Nervenwasser gezogen - etwas, was eigentlich schon viel früher hätte passieren müssen. Um Aufschluss und Gewissheit über ihre Diagnose zu bekommen. »Ich ergreife jede Möglichkeit, jede Alternative, die es gibt, damit es mir besser geht«, meint sie. Der Griff nach dem berühmten Strohhalm. Und eine teure Angelegenheit. Ihre Mutter hat via Facebook deshalb um Spenden gebeten für die Situation ihrer Tochter. Denn die Alternativtherapien wie jene in Speyer muss Heinbücher aus eigener Tasche finanzieren.

Ob es eines Tages besser wird für sie? Jessica Heinbücher weiß es nicht. Sie wünscht sich aber nichts sehnlicher als das. Ein Leben als Frau, die in ihrem Traumberuf arbeitet, für ihren Sohn da ist und die sich endlich auf das Wesentliche konzentrieren kann - anstatt auf Dauerschmerz und Arzttermine.

Hintergrund: Hilfe für andere Betroffene

Jessica Heinbücher hat sich entschlossen, ihre Geschichte öffentlich zu machen, weil sie anderen Betroffenen helfen möchte. Sie steht gerne für Gespräche zur Verfügung. Kontakt: j.heinbuecher@gmx.de. Wer sie finanziell unterstützen möchte auf ihrem Weg, kann spenden für ihre Therapien. Ein Freund hat eine Spendenseite für sie eingerichtet: www.spendenseite.de/helft-jessi-beim-kampf-gegen-chronische-borreliose/-41577

Hintergrund: SOT-Therapie

Jessica Heinbücher lässt sich in Speyer auch mit der Supportiven Oligonukleotid-Technik (SOT) behandeln. Sie soll laut dem Borrelienspezialisten auch gegen Infektionen mit Viren oder Lyme-Bakterien wirksam sein. Im Wesentlichen sei SOT die Herstellung eines Absperr-»Schlüssels«, der genau zu einem ausgewählten »Schloss«-Teil eines Krankheitserregers passt. Das »Schloss« ist ein spezifischer Abschnitt der DNA. Der »Schlüssel« bindet an das »Schloss« und blockiert die Funktion, wodurch der Erreger getötet wird. Nachdem der Krankheitserreger gestorben ist, wird die SOT-Verbindung freigesetzt und wandert zum nächsten Ziel, wodurch die Infektion monatelang rund um die Uhr bekämpft wird. (Bettina Kneller)

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