»Die Bauern haben alle geholfen«

Miltenberg
4 Min.

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Im Gebüsch: Rinder stehen normal auf der Weide. Die verstörten Tiere scheinen sich nun aber lieber zu verstecken. Fotos: Ralf Hettler
Foto: Ralf Hettler
Bau­er Frank Horn ist sich am Mor­gen nach der Flucht sei­ner Jun­grin­der si­cher: Sie tau­chen wie­der auf, so­bald sie zur Ru­he kom­men. Das Feu­er ha­be sie ver­stört. Des­halb eig­ne sich kei­ne Ver­fol­gung, um sie ein­zu­fan­gen. »Die Tie­re be­kom­men ir­gend­wann Hun­ger und brau­chen Schlaf«, sagt er.

»Besser ist es, sie in Ruhe zu lassen und zu sichten.« Um einen möglichen Verlust mache er sich jetzt keinen Kopf. Wichtiger sei, dass Tier und Mensch nichts schlimmes passiert. Mögliche Folgen: »Vielleicht sind die Tiere scheu, verlieren Gewicht oder haben Verletzungen.« Bei der Suche gab es bisher große Hilfsbereitschaft: »Die Bauernkollegen haben alle geholfen«, sagt Horn.

»Brand hat rasch um sich gegriffen«

Während Bauern und Polizei nach Rindern suchten, hat die Feuerwehr mit dem Brand auf dem Bauernhof bei Miltenberg gekämpft. Laut Kreisbrandrat Meinrad Lebold wurde sie gegen 23 Uhr alarmiert. Rund 500 Heu- und Strohballen standen in Flammen. »Der Brand hat rasch um sich gegriffen«, so Lebold. Löschwasser pumpte die Wehr aus dem nahen Main. Zu Spitzenzeiten seien 80 Einsatzkräfte tätig gewesen, die Wehren aus Miltenberg und den Stadtteilen mit Unterstützung von Rettungsdienst und Technischem Hilfswerk. Die Nachlöscharbeiten zogen sich am Dienstag bis in den Nachmittag.

»Besser nicht den Rindern nähern«

Die Polizei hat in der Nacht auf Dienstag mächtig zu tun gehabt. Sie sucht einen Brandstifter, der mutmaßlich das Stroh auf dem Bauernhof bei Miltenberg entzündete. Und sie verfolgt Rinder, die auf Straßen laufen und zur Gefahr für Autofahrer werden. Laut Polizist Karsten Heinz waren etwa zehn Streifen unterwegs, dazu ein Hubschrauber. Nach Stunden der Suche gaben die Beamten auf. Selbst mit Hubschrauber konnten sie keine Tiere finden. Er vermutet, die Tiere verstecken sich im Wald. »Ich empfehle, sich den Rindern besser nicht zu nähern«, sagt er. Es sei fraglich, ob die jungen Tiere in Panik vor einem Auto halt machten. Die Polizei hofft bei der Suche auf Hinweise.

Den ausgebüxten Rindern auf der Spur

Kann eine Rinderherde einfach so verschwinden? Was abwegig klingt, spielt sich derzeit im Kreis Miltenberg ab. 25 Jungtiere sind nach einem Brand in der Nacht auf Dienstag bei Miltenberg in die Wildbahn geraten. Nur vier Rinder konnten eingefangen oder bei einer anderen Herde entdeckt werden. Polizei und Besitzer sind ahnungslos über den Verbleib der übrigen Tiere. Irgendwo laufen bis zu 21 Rinder frei herum. Verteilt auf beide Seiten des Mains. Wo ist das Vieh?

Einige Rinder waren noch nachts bis in den Kern von Kleinheubach vorgedrungen. Spuren der Herde sind bis kurz vor der evangelisch-lutherischen Kirche sichtbar. Sie hören dort auf. Das ließ sich noch am Dienstagnachmittag nachverfolgen. Die Rinder hinterließen auf den Straßen Kuhfladen. Die Masse brauner Flecken zeugt von einer größeren Gruppe.

Die Kuhfladen sind nur eine Spur. Mit anderen Hinweisen lässt sich ein Stück weit nachverfolgen, wo die Jungrinder entlang getrottet sein müssen. Dazwischen gibt es Lücken, da ist der genaue Weg ungewiss. Und es gibt Endpunkte, an denen die Tiere aus dem Blick gerieten.

Ausgangspunkt ist ein Hof zwischen Miltenberg und Kleinheubach. Im Altstadtweg brannten in der Nacht auf Dienstag gegen 23 Uhr Hunderte Heu- und Strohballen direkt neben dem Stall der Jungrinder. Die Tiere wurden ins Freie entlassen, womöglich um sie in einen anderen Stall umzusiedeln, berichtet die Polizei am Mittwoch. Doch das junge Vieh geriet in Panik und büxte aus.

Großteil zog nach Kleinheubach

Nach dem Ausbruch des Brands muss ein Großteil der Rinder auf die Kleinheubacher Straße gelangt und in Richtung der großen Kreiselbaustelle bei Josera gezogen sein. In der Nähe des Kreisels kollidierte ein Auto gegen 0.15 Uhr mit einem Rind, berichtet Karsten Heinz, stellvertretender Leiter der Polizei-Dienststelle Miltenberg. Dem Fahrer geschah nichts, das Rind verschwand.

Ob sich die Herde dort trennte, ist unklar. Aber spätestens ab dieser Stelle verlaufen zwei Fährten in entgegensetzte Richtungen. Eine Gruppe bewegte sich nach Kleinheubach und später über den Main nach Großheubach. Eine andere tauchte in der Nähe des Miltenberger Stadtteils Breitendiel auf. Vielleicht trennten sich die Gruppen gleich nach dem Bauernhof (siehe Karte), vielleicht aber auch erst am Kreisel bei Kleinheubach. Dann wäre ihr Weg wohl vom Kreisel entlang der B 469 nach Breitendiel gewesen.

Das Rind ist ein Herdentier, sagt Landwirt Frank Horn, Besitzer der Tiere. Der 53-Jährige ist sich sicher, dass die Jungrinder den Anschluss an andere Herden suchen. »Im Idealfall laufen sie zu anderen.«

Polizist Karsten Heinz sagt: Es habe auch geheißen, Rinder überquerten kein Wasser, spätestens an der Mud sei also Schluss. Doch ging zumindest ein Tier in der Nähe der B 469 beim Miltenberger Stadtteil Breitendiel über die Mud hinaus. Und schloss sich dort vorübergehend einer neuen Herde an. Die Tiere sind auch dann noch an ihren Ohrmarken zu erkennen. So auch ein Tier, das sich auf unbekanntem Weg in Richtung Rüdenau einer Herde anschloss.

Eine größere Gruppe blieb auf Kurs Kleinheubach. Sie kamen vermutlich nach dem Kreisel durch die Straße »In der Seehecke« in den Ort, dort finden sich auch Kuhfladen. Welchen Weg sie in Richtung Main und zur evangelisch-lutherischen Kirche nahmen, ist nicht sicher. Erst in der Baugasse - also weiter im Ortsinneren - finden sich erneut Fladen

Was dort geschehen sein dürfte, hat Main-Echo-Leserin Claudia Gärtner aus Kleinheubach gehört. Sie berichtete uns, dass Hundegebell an der Kirche die Tiere wohl aufschreckte und wieder aus Kleinheubach heraus trieb. Diese Information habe sie von einem Mann, der den Tieren folgte.

Dieser Teil der Rinderherde kam aus Kleinheubach wohl über die Hauptstraße aus dem Ort heraus. Denn etwa ein Dutzend Tiere gelangte danach auf die Brücke nach Großheubach. Davor ließ die Herde ein Tier offenbar auf Höhe des Hauses der Feuerwehr Kleinheubach an der Auffahrt zur Mainbrücke zurück. Dort fing Bauer Frank Horn es ein, als es wieder hell war. Ein zweites Rind fing er in entgegengesetzte Richtung in der Breitendieler Straße.

Noch nachts zog der größere Teil der Kleinheubacher Herde über den Main, weiter nach Miltenberg. An der Unterführung der Miltenberger Straße gelang es der Polizei beinahe, die Rinder einzukesseln. Sie entkamen durch eine Lücke in den Leitplanken.

Ab hier ist vollkommen unklar, wohin sich die Tiere verteilten - vermutlich sind sie im Wald, sagen Polizei und Besitzer.

Hintergrund

Verschollene Rinder:25 Jungtiere sind nach einem Feuer bei Miltenberg aus ihrem Stall in die Freiheit gelangt. Die Polizei und Bauern verfolgten am Dienstag ihreSpuren, konnten aber nur vier einfangen. Wo ist der Rest des flüchtigen Viehs?

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