Der erste Burgherr stellt sich vor: Mein Name ist »Marquard von der Insel«

Wörther Schlossgeschichten

Wörth a.Main
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Das Wörther Schloss auf einem historisierenden (im Detail fehlerhaften) Wandgemälde im alten Rathaus.
Foto: Dr. Werner Trost
Marquardus Ritter Paphe mit dem Beinamen "von der Insel" in einer Urkunde aus dem Jahre 1272 ist der früheste namentlich bekannte Bewohner der Burg Wörth.
Foto: Dr. Werner Trost
Mein Na­me ist Mar­quard Pa­vey »von der In­sel«. Den Bei­na­men muss ich wohl kurz er­klä­ren. Ich bin als Amt­mann hier in der Burg »Wer­de« ein­ge­setzt, und Wer­de heißt im Latei­ni­schen »In­su­la«, al­so In­sel.

Und die Burg liegt ja tatsächlich wie auf einer Insel. Sie liegt direkt am Main und ist zusätzlich von einem Wassergraben umgeben und dadurch zusätzlich geschützt. Wer herein will, muss zuerst durch das Stadttor, dann durch das äußere Burgtor und über eine Brücke, um an das innere Burgtor zu gelangen. Es ist ja auch eine sehr unruhige und gefährliche Zeit. Der König hat in unserem Land immer weniger und die kleineren Herren immer mehr zu sagen und da kämpft jeder gegen jeden, um seine eigene Haut zu retten und sich Vorteile im ständigen Überlebenskampf zu sichern.

Der Erzbischof von Mainz hat gerade (1270/71) die Grafen von Rieneck in die Knie gezwungen. Außerdem hat er Amorbach seinem Territorium einverleibt (1272) und das ehedem stolze Geschlecht der Durne ausgeschaltet. Da bin ich froh, dass der Mainzer mein Oberherr ist. Mein Lehensherr ist Eberhard von Breuberg, der gerade die Mechthild von Büdingen geheiratet hat, die ihm einen prima Zugewinn an Land und Ansehen gebracht hat. Breuberg und Mainz verstehen sich zur Zeit ganz gut (Gott sei Dank! Hoffentlich hält das noch eine Zeit lang). Aber der Breuberger wäre ja bescheuert, wenn er sich gegen den großen Mainzer feindlich verhalten würde.

Der Erzbischof hat sich auch vertraglich zusichern lassen, dass er jederzeit, besonders in Kriegszeiten, in die Burg Werde kommen kann. Also sind wir verpflichtet, die Burg »als sin offenhus zu duon?bis daz sin crig eyn ende nimet«. Daran wird deutlich, wer letztlich das Sagen hat.

Wie gefährlich die allgemeine Situation ist, erkennt man auch daran, dass nicht nur meine Burg, sondern die ganze Stadt gesichert ist - derzeit noch mit Graben, Wall und Palisadenzäunen, die hoffentlich bald durch Steinmauern und Türme ersetzt werden. Es wird viel gebaut; auch die Burg ist ja längst noch nicht fertig. Der Bergfrit ist so gut wie fertig, das ist gut so; da kann man sich zurückziehen, wenn man angegriffen wird. Bis die Wohnräume ganz fertig sind, dann die Wirtschaftsgebäude und die Stallungen, das wird noch dauern!

Die Einwohner der ehemaligen kleinen Siedlung »Erlebach« unten bei der Martinskirche sind schon beinahe alle in die neue Stadt gezogen, die - wie die Burg selbst - »Werde« heißt: neue Stadt und neuer Name!

In der nächsten Folge geht es um den steinreichen Schlossherrn Wolf von Mörle.

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