Der Elsenfelder Günther Geis erinnert sich an seinen Wehrdienst vor 50 Jahren

"König der Kompaniebar" in Hammelburg

Elsenfeld
3 Min.

Kommentieren

Sie müssen sich anmelden um diese Funktionalität nutzen zu können.

Kulinarischer Stubenzauber: Günther Geis rührt den Pudding an.
Foto: unbekannt
Günther Geis 50 Jahre später.
Foto: unbekannt
Günther Geis als Rekrut 1971.
Foto: unbekannt
Er hat sei­ne Ka­me­ra­den des Ham­mel­bur­ger 5./Jä­ger­lehr­ba­tail­lon 351 mit El­sen­fel­der Würs­tel und Pud­ding wahl­wei­se in Schwarz, Rot oder Hell­gelb be­glückt. Gün­t­her Geis (69) er­in­nert sich ger­ne an sei­nen Wehr­di­enst und hat je­de Men­ge An­ek­do­ten aus der Zeit vor 50 Jah­ren zu er­zäh­len.

Der Elsenfelder gehörte zu den letzten W18ern, wurde im April 1971 eingezogen und im September 1972 entlassen. Dass er die letzten fünf Monate seiner Wehrpflichtzeit für das leibliche Wohl der Kompanie zuständig sein würde, war von Berufs wegen eigentlich nicht zu erwarten gewesen. Zwei Jahre vor der Einberufung hatte er seine Ausbildung zum Betriebsschlosser bei Akzo abgeschlossen, wo er insgesamt 44 Jahre lang in der Spenglerei arbeitete.

Spieß legt Verkaufspreis fest

Als Handwerker war Geis dann dabei, als im Keller der Kaserne eine Kompaniebar eingerichtet wurde - ganz offiziell in der Dienstzeit dorthin abkommandiert, während die anderen draußen Dienst taten. Geis gefiel der Innendienst und so meldete er sich freiwillig, als jemand gesucht wurde, der die Kompaniebar betreiben sollte. Den ersten Monat nach Fertigstellung hatte ein Kamerad aus Köln den Job inne. »Der servierte uns Würstel aus der Dose«, erzählt der Elsenfelder, der schon damals die Rindswürste vom Metzger um die Ecke aus der Heimat zu schätzen wusste.

Wenn er nach einem daheim verbrachten Wochenende mit Kameraden aus Obernburg, Elsenfeld oder Erlenbach wieder ins 100 Kilometer entfernte Hammelburg aufbrach, dann war das Auto meist gut bestückt. »Mit uns vieren plus einem 30-Liter-Fass Bier, ein oder zwei Bierkästen und 100 vakuumierten Rindswürsten«, erzählt er lachend. Sein Engagement wurde belohnt, denn einen Teil des Geldes, das in der Kompaniebar umgesetzt wurde, durfte der Gefreite behalten. Die Preise wurden von seinem Spieß kontrolliert. »Ich musste ihm sagen, was ich bezahlt habe und dann legte er den Verkaufspreis fest«, erklärt der heute 69-Jährige, »eine Mark durfte ich behalten und eine Mark kam in die Kompaniekasse«. Immerhin hat er so circa 100 Mark monatlich zu seinem Sold von 130 Mark dazuverdient.

»Das Beste war, dass ich nur morgens mit antreten musste«

»Das Beste war, dass ich nur morgens mit antreten musste, und manchmal ging es noch zum Schießen«, erinnert sich Geis, der sich ansonsten in der Kompaniebar beschäftigten durfte: Aufräumen, Geschirr vom Vorabend abwaschen, putzen und das Frühstück herrichten, wenn die Kameraden gegen 9 Uhr zum Essen kamen. Wenn er 100 Weck in der nahegelegenen Kantine holte, bekam er zehn Weck kostenlos. »Vier hab' ich gegessen, die anderen sechs verkauft«, verrät er - natürlich zum vom Spieß festgesetzten Preis. Dazu gab es löslichen Kaffee und alkoholfreie Getränke, Bier durfte er erst am Abend verkaufen.

Die Kompaniebar war zweigeteilt - ein großer Raum für die Mannschaft, ein kleinerer für die Offiziere. Geis bediente beide. Wenn die Kameraden nach der Pause wieder raus mussten, machte er sauber und fand auch meist noch Zeit »für ein Stündchen Schlaf«. Ab 17.45 Uhr bediente er Soldaten und Offiziere wieder in der Kompaniebar, nun auch mit Alkohol. Manche kehrten auch nach einem Discobesuch noch auf einen Absacker bei ihm ein, bis zur Bettruhe.

»Die Kekse waren der Renner«

Kreativ wie Geis war, servierte er auch »Weberli«, einzeln verpackte Törtchen, die er über seine Schwester erhielt, die in einem Supermarkt arbeitete, wo sie abgelaufene Ware günstiger bekam. »Die Kekse waren der Renner, ich hab' sie für zehn Pfennig verkauft«, erinnert er sich. Für den kaltgerührten Pudding, den er ins Sortiment nahm, weil er selber gerne süß aß, kaufte er sich 40 Glasschälchen und verlangte 30 oder 40 Pfennig für die Portion. 100 Päckchen Pudding rührte er pro Monat an - und hatte entsprechend viel abzuspülen.

Mittags wurde nicht in der Kompaniebar, sondern in einer der beiden Kantinen gespeist. »Ich hatte immer großen Hunger«, erzählt der Elsenfelder, »deshalb bekam ich von Kameraden, die aus dem Ort waren und zuhause aßen, manchmal eine Essensmarke zugesteckt«. Damit stellte er sich ein zweites Mal in der Schlange an und stellte sich dumm, wenn er an der Essensausgabe gefragt wurde, ob er nicht schon mal dagewesen sei? So bekam er zwei Portionen.

Zittern vorm General

Dann gab es die Geschichte von den mit schwarzer Schuhcreme eingeschmierten Füßen eines arroganten Arztsohns aus Düsseldorf, der Brathähnchen mit Messer und Gabel aß und sich mokierte, weil die Unterfranken dem Hendl mit den Fingern zu Leibe rückten. Geis erzählt von einem verwehrten Heimurlaub, weil er den Hals nicht weit genug reckte, so dass die Haare hinten ganz leicht den Kragen berührten. Oder vom Zittern, das ihn vor Aufregung befiel, als ein General erwartet wurde und er zur Torkontrolle eingeteilt war. Der General meinte, er hätte gefroren und ordnete schwerere Kleidung an. »Das haben mir die Kameraden verübelt«, erzählt er lachend. Insgesamt wertet er seine Bundeswehrzeit positiv, vor allem aufgrund der guten Kameradschaft, die er erlebte.

Kommentare

Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie angemeldet und Ihre E-Mail Adresse bestätigt sein!


Benutzername
Passwort
Anmeldung über Cookie merken
laden

Artikel einbinden
Sie möchten diesen Artikel in Ihre eigene Webseite integrieren?
Mit diesem Modul haben Sie die Möglichkeit dazu – ganz einfach und kostenlos!