Das sind die Argumente für und gegen das Mömlinger Hallenbad

Umwelt, Kosten, Schulschwimmen

Mömlingen
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Das Mömlinger Hallenbad vor dem Abriss.
Das Mömlinger Hallenbad vor dem Abriss.
Foto: Förderverein Hallenbad
Das Mömlinger Hallenbad vor dem Abriss.
Das Mömlinger Hallenbad vor dem Abriss.
Foto: Förderverein Hallenbad
Das Mömlinger Hallenbad vor dem Abriss.
Das Mömlinger Hallenbad vor dem Abriss.
Foto: Förderverein Hallenbad
Hohe Wellen: Der geplante Schwimmbadneubau in Mömlingen wird in der Kommune heiß debattiert. Gegner und Befürworter betonen Sachlichkeit, doch droht die Diskussion in emotionalen Tiefen zu ertrinken. Das sind die (sachlichen) Argumente.
 BETRIEBSKONZEPT

CONTRA

Ehrenamtliche sollen die Schwimmaufsicht stemmen. Öffnungszeiten: Montag bis Sonntag, 6.30 Uhr bis 22 Uhr, 115 Stunden in der Woche – plus Vor- und Nachbereiten. »Dass Ehrenamtler die Aufsicht leisten können, steht außer Frage, aber nicht in diesem Umfang«, sagt Franz-Josef Vogel. Er, Rainer Schlesinger und Johann Fickler haben die Bürgerinitiative (BI) gegen das Bad in Mömlingen initiiert.

Neben der Schwimmaufsicht muss stets eine technische Aufsicht anwesend sein. Zu viel für die 14 Ehrenamtler, die ihre Arbeitsbereitschaft signalisiert haben. Ihnen fehle das Know-how. Zudem sei der Dienst im Bad unattraktiv, die Verantwortung zu groß, der »Spaßfaktor« zu klein.

Haftungsfragen seien nicht geklärt. Ehrenamtliche würden vermutlich nach einiger Zeit abspringen.

Daher müsse die Gemeinde, gemessen an der Durchschnittsarbeitszeit im öffentlichen Dienst von 1616 Stunden/Jahr, rund 3,5 Hauptamtliche beschäftigen. Das Einstiegsgehalt der Fachkräfte für Bäderbetriebe liegt laut BI (basierende auf dem Tarifvertrag) bei 2300 Euro brutto im Monat. „Da Fachkräfte heute kaum zu finden sind“, so die BI, „muss man mehr als das Einstiegsgehalt zahlen“, mindestens 2500 Euro. Das mache etwa 160 000 Euro im Jahr (Personalkosten laut Bürgermeister Siegfried Scholtka und „seinem“ Ehrenamtskonzept rund 28 000 Euro).

PRO

Schon von 2004 bis 2012 leisteten Ehrenamtliche im alten Bad die Aufsicht. »Wir können das«, sagt Melanie Gräbel, Vorsitzende des Fördervereins und eine der Mit-Initiatoren der Pro-Bad-BI. Obwohl die Einrichtung 2012 schließen musste, habe der Verein in Kooperation mit der DLRG weiterhin Spenden (rund 50 000 Euro) für den Neubau gesammelt. »Mangelndes Engagement kann man uns nicht vorwerfen«, so Gräbel. Die 14 Ehrenamtler, die sich per Kooperationsvertrag verpflichtet hätten, seien zuverlässig und qualifiziert.

Die technische Aufsicht übernimmt laut Bürgermeister Siegfried Scholtka (CSU) ohnehin ein Hauptamtlicher – für ihn ist ein Gros der veranschlagten 28 000 Euro Personalkosten im Jahr vorgesehen, die Ehrenamtlichen bekommen eine Aufwandsentschädigung. Sie müssen außerdem nicht 115 Stunden in der Woche ein Auge aufs Becken haben, so der Bürgermeister. Denn während des Schulschwimmens obliegt die Aufsicht der Lehrkraft. Das bestätigt Christiane Dümlein, Sportfachberaterin im Schulamtsbezirk Miltenberg. »Während der Unterrichtszeit greifen wir nicht auf Ehrenamtliche zurück.«

Scholtka stellt außerdem heraus: Das Ehrenamt in Mömlingen sei „außergewöhnlich“. Das sehe man zum Beispiel am Zeltplatz Königswald oder dem Adam-Otto-Vogel-Haus.

Bei den von Scholtka ermittelten 50 Stunden Schulschwimmen in der Woche plus 39 Kurs-Stunden blieben fürs Ehrenamt 26 im öffentlichen Betrieb. Auch DLRG-Mitglieder aus Nachbarkommunen und Hessen hätten Dienst-Bereitschaft signalisiert. Sie alle wären über die Gemeinde versichert.

Generell, sagt der Rathauschef, seien die Öffnungszeiten eine "grobe Vorplanung", die dem Bedarf angepasst werden könnte. "Sollte sich ein erhöhter Bedarf an öffentlichem Betrieb ergeben, kann diese zusätzliche Öffnungszeit entweder ehrenamtlich oder durch geringfügig Beschäftigte ermöglicht werden, da ja dann Mehreinnahmen generiert werden", so der Bürgermeister. Auch sieht er keine Schwierigkeiten bei der Verantwortung. Schließlich seien Feuerwehrleute und Rot-Kreuz-Helfer auch oft Ehrenamtler.

Mömlinger Hallenbad: Bereicherung oder unnötige Investition?
Quelle: Nicole Koller
 
SCHULSCHWIMMEN

CONTRA

»Das Bad wäre ein Bad für Auswärtige«, sagt die BI. Denn: Von 118 Schulklassen, die Bedarf angemeldet haben, kommen nur acht aus dem Ort, die restlichen aus Erlenbach, Großwallstadt, Obernburg, Niedernberg und Großostheim. Für viele lohne sich der Weg nicht, die Wasserzeit sei zu kurz.

Beispielrechnung der BI: Eine Schulklasse aus Erlenbach braucht nach Mömlingen etwa 20 Minuten; 20 Minuten zum Umziehen. Da nicht alle Kinder gleichzeitig ins Wasser dürfen, bleiben je 30 Minuten für die halbe Klasse. Duschen, Rückfahrt: 40 Minuten. „Das ist alles sehr knapp gerechnet“, sagt Vogel. Und er komme auf zwei Stunden 20 für die geringstmögliche, sinnvolle Wasserzeit von 30 Minuten. „Über zwei Stunden sind aber keine Schulstunde“, stellt Vogel heraus. Das passe hinten und vorne nicht.

Auch lägen keine verbindlichen Verträge mit den Schulen vor. »Die Kooperation steht auf tönernen Füßen«, sagt Johann Fickler. Es gebe nur eine Absichtserklärung. Ob die Schüler kämen, sei nicht sichergestellt. »Die Realschule Obernburg hat zum Beispiel 60 Jahre keinen Schwimmunterricht gehalten«, heißt es. Auch hätten Gemeinderatsmitglieder aus Großwallstadt, Großostheim und Erlenbach auf Nachfrage der BI gesagt »statt ihre Schüler nach Mömlingen ins Hallenbad zu schicken, würden sie ihre eigenen Freibäder nutzen.«

Realistisch sei laut BI ein Bedarf von 15 Schulstunden/Woche (Scholtka: 61), bei 30 Klassen (Scholtka: 118), die im Wechsel alle zwei Wochen ins Bad kämen. Was bei einer Pauschale von 50 Euro/Stunde laut BI Einnahmen von etwa 28 500 Euro im Jahr ergebe (Scholtka: 66 500 Euro, bei 35 Stunden Schulschwimmen, er hat aus rechnerischen Gründen, und um „Risiko zu verringern“, wie er sagt, einen geringeren Wert angesetzt).

Zudem gebe es wenig geeignetes Personal an Schulen, Schwimmunterricht sei bei Lehrern aufgrund hoher Verantwortung unbeliebt. „Bei weiten Teilen der Sportlehrer fehlt diese Ausbildung“, sagt Vogel.

PRO

Laut DLRG sind 2018 in Deutschland 504 Menschen ertrunken, 89 davon in Bayern. 60 Prozent der Zehnjährigen können nur schlecht oder gar nicht schwimmen. »Es kann nicht sein«, sagt Scholtka, »dass wir uns der Verantwortung entziehen«. 118 Schulklassen haben Bedarf von rund 60 Stunden in der Woche fürs Bad angemeldet, realistisch kämen etwa 50 Stunden für die Schulen infrage. In seinen Betriebsplan habe Scholtka aber sogar nur 35 eingerechnet. »Dass ich die Einnahmen zu hoch und die Kosten zu niedrig angesetzt habe, stimmt nicht.«Bei diesen 35 Stunden kommt er auf Einnahmen von 66 500 Euro, bei 50 Stunden wären  es 95 000 Euro.

Ein Nutzungsvertrag mit den Schulen sei erst mit bestehendem Bad sinnvoll. Die vorliegenden Absichtserklärungen seien »keine Luftnummer«, sagt Scholtka. Die Schulen hätten sich verpflichtet, ihre Klassen für 20 Jahre zum Schwimmen nach Mömlingen zu schicken. Scholtka: "Durch die schriftliche Meldung der Schulen und Sachaufwandsträger verpflichten sich beide, ihren Schwimmunterricht, der gemäß Lehrplan Pflicht ist, in Mömlingen abzuhalten". Das Bad sichere außerdem den Grundschulstandort.

Auch das Schulamt des Kreises schätzt den Bedarf von 118 Klassen als realistisch ein. »Wir gehen davon aus, dass diese Klassen tatsächlich nach Mömlingen kommen werden«, sagt Direktor Ulrich Wohlmuth.

Beim Schwimmunterricht gehe es zudem nicht darum, wie attraktiv dieser für Lehrer sei. »Er ist eine klare Aufgabe der Schule«, sagt Wohlmuth. Sollte das Mömlinger Bad öffnen, müsse mit den Schulen über den erhöhten Personalbedarf gesprochen werden.

 

BESUCHER UND TOURISMUS

CONTRA

Ins alte Bad seien pro Woche etwa 70 Schwimmgäste gekommen. Laut Vogel gibt es eine Statistik der Gemeindeverwaltung, laut der die Zahl der Erwachsenen von 1990 bis 2002 von 104 auf 74 pro Woche zurückgegangen sei. Für die Zeit nach 2002 lägen keine verlässlichen Werte mehr vor, denn das Bad sei immer wieder längere Zeit geschlossen gewesen. Scholtka geht hingegen von etwa 130 Besuchern pro Woche im neuen Bad aus. Zu viel, meint die BI. Statt den von Scholtka genannten 19 500 Euro Einnahmen/Jahr aus dem öffentlichen Betrieb rechnet die Initiative mit nur 10 500 Euro (drei Euro Eintritt sind angepeilt).

Auch sei das geplante Bad mit seiner Standardbauweise für Touristen »nicht attraktiv« und würde nicht für Zuzug nach Mömlingen sorgen.

PRO

»Das Bad wird attraktiv, die Leute werden kommen«, so Scholtka. Das Gebäude passe zum »Tourismuskonzept: aktiv in der Natur«. Der Gesundheitsaspekt sei ihm wichtiger als der »Spaßfaktor«. Wer Wellness wolle, könne in ein entsprechendes Bad mit 20 Euro Eintritt fahren. „Nur, um Spaß zu haben, würde ich nicht so viel Geld in die Hand nehmen“, sagt Scholtka. Der Förderverein plane, mit Veranstaltungen für Abwechslung zu sorgen.

 
INVESTITIONEN

CONTRA

Die Einnahmen durch Schule, Kurse und öffentlichen Betrieb sind laut BI zu hoch kalkuliert (BI: 70 000, Scholtka: 156 000 Euro), die Personalkosten zu niedrig (160 000 statt 28 000 Euro). Auch würden keine Rücklagen gebildet, die fürs Auffangen von Verschleißerscheinungen genutzt werden könnten. Diese »Abschreibungen« zählen zu den kalkulatorischen Kosten. Also Kosten, bei denen zwar kein »echtes« Geld fließt, die aber in der Buchhaltung aufgeführt werden, um Ausgaben besser einschätzen zu können. Auch Zinsen für Darlehen habe Scholtka nicht korrekt eingerechnet. „Das widerspricht der ordentlichen Buchführung und geltenden Rechnungslegungsvorschriften“, sagt Vogel.

Auch habe Scholtka »ganze Kostengruppen« vergessen. Die Baunebenkosten seien nicht eingerechnet, die geplante Zufahrtsstraße, Ausstattung, Grundstück, Stellplätze. »Solche Punkte wegzulassen, nur, weil teilweise schon Geld geflossen ist, ist ein Taschenspielertrick«, sagt Frickel. Eine transparente Darstellung aller Kosten sei nötig. Scholtka rechne die Ausgaben bewusst klein, weil er das Bad »unbedingt« bauen wolle. Das sei ein ähnliches Vorgehen wie bei Großprojekten wie der Elbphilharmonie in Hamburg oder dem Berliner Flughafen. Die BI betont: »Er ist ein guter Bürgermeister, aber hier schießt er über das Ziel deutlich hinaus.«

Alles in allem geht die BI davon aus, dass der Bau etwa 8,4 Millionen (Scholtka: höchstens 7) kosten wird und mit einem jährlichen Defizit – inklusive kalkulatorischer Kosten – von 687 110 Euro/Jahr betrieben werden kann. Scholtka kommt ohne kalkulatorische Kosten auf ein Defizit von 2400 Euro. »Da sind wir noch nicht am Ende der Fahnenstange«, so Fickler. Denn: Die Kosten steigen während des Bauens um etwa 20 Prozent. Etwa wegen Verzögerungen oder wegen Schwierigkeiten, Handwerker zu finden.

Kosten, die für das verschuldete Mömlingen ein »Desaster« wären. Die Pro-Kopf-Verschuldung liegt laut BI etwa 700 Euro, auch nach der Tilgung von zwei Millionen Anfang Januar und somit »weit über dem Bayern-Durchschnitt«. Diese Kosten könnten die Kommune bei Investitionen »lähmen«. Denn: Die »freie Spitze«, also die Summe, die Mömlingen nach Abzug von Kredittilgung tatsächlich für Vorhaben einsetzen kann (Zuführung zum Vermögenshaushalt etwa 2,75 Millionen, Tilgung etwa 250 000, bleiben 2,5 Millionen als freie Spitze im Haushalt 2020) sei nicht allein fürs Schwimmbad da.

Dieser Bau sei ohnehin keine Pflichtaufgabe, das Geld wäre an anderer Stelle besser aufgehoben. Etwa bei Straßensanierungen oder im Leerstandsmanagement. Und: Den Vorwurf, ihre Zahlen seien bloß geschätzt, möchte die BI nicht auf sich sitzen lassen. »Das sind keine Mondwerte«, betont Vogel. Die BI habe mit der Deutschen Bädergesellschaft gesprochen und sich dort Werte für mit Mömlingen vergleichbare Bäder geholt.

PRO

Seit der Schließung des alten Bades spart Mömlingen dessen Betriebskosten (80 000 Euro im Jahr), zusammen mit den Spenden des Fördervereins liegen knapp eine Millionen Erspartes auf der hohen Kante. Scholtka geht von sechs Millionen Bad-Baukosten inklusive Wärmenetz plus einer Millionen für Baunebenkosten aus. Diese habe er keinesfalls vergessen, stellt der Bürgermeister klar. Sie seien bei der Bürgerversammlung im Juli schlicht noch nicht zu ermitteln gewesen. Das habe er vielleicht deutlicher sagen müssen.

Es seien zudem Zuschüsse von 2,1 Millionen und eine Vorsteuer von 1,3 Millionen abgeklärt. Die Gemeinde müsste etwa 3,6 Millionen selbst stemmen, 2,6 abzüglich des Gesparten. Diese Kosten sind laut Scholtka »nicht geschätzt«, sondern von Profis und Fachleuten überprüft. Die laufenden Kosten für Betrieb und Personal (rund 158 000 Euro) könne die Gemeinde durch Einnahmen (156 000 Euro) refinanzieren. Selbst ein theoretisches Defizit von 50 000 Euro könne ausgeglichen werden. Denn die 80 000 Euro Betriebskosten der alten Einrichtung müssten ja nicht mehr für einen Neubau gespart werden. Die freie Spitze werde nicht angetastet, das Investitionsvermögen der Stadt nicht geschmälert, andere Projekte seien nicht gefährdet.

»Ich bin fest davon überzeugt, dass wir uns das leisten können«, sagt Scholtka. All seine Projekte seien im Kostenrahmen geblieben. »Ich habe bewiesen, dass ich das kann«, so der Ingenieur. Mömlingen stehe mit einer Pro-Kopf-Verschuldung von etwa 545 Euro nicht schlecht da, die freie Spitze von etwa 2,5 Millionen sei »ordentlich« und für den Bau müssten keine Kredite aufgenommen werden.

Auch beim alten Bad seien Zinsen und Abschreibungen sowohl auf der Einnahmen- als auch der Ausgabenseite verzeichnet worden. Also rein buchhalterisch, ohne real fließendes Geld. Das sei zulässig. »Wenn keine Zinsen bezahlt werden und kein Geld für einen Neubau zurückgelegt wird, muss ich sie nicht einrechnen.« Das sei auch bei anderen städtischen Liegenschaften so.

Ohnehin sei die Frage, was man in der Rechnung alles zum Bau zähle. Die geplante Zufahrtsstraße etwa sei nicht von Beginn an nötig und somit ein eigenes Projekt.

Der Förderverein Hallenbad sammelte jahrelang für das neue Bad.
Foto: Förderverein Hallenbad

 

UMWELT

CONTRA

Der Bau eines Bades sei »kein Beitrag zum Klimaschutz«, sagt die BI. Der CO2-Ausstoß würde aufgrund des Heizsystems um 400 Tonnen/Jahr steigen.  Denn: „Derzeit haben wir kein Hallebad“, sagt Vogel.

PRO

Aktuell werden die städtischen Liegenschaften innerorts mit Gas beheizt. Das Holzschnitzelsystem des Bades könnte dies laut Scholtka ersetzen. Dadurch könnten insgesamt 360 Tonnen CO2 im Jahr eingespart werden.

 

ALTERNATIVEN

CONTRA

»Natürlich sollen Kinder schwimmen lernen. Das steht außer Frage. Wir sind keine Bad-Gegner per se. Nur muss der Standort des Bades nicht in Mömlingen sein«, sagt Vogel und stellt zwei Alternativen vor.

»Bayern schwimmt« ist eine Initiative der Staatsregierung. Eine Woche Blockunterricht für Schüler während der Sommerwochen, in denen »eh kein regulärer Unterricht stattfindet«, so Vogel. Oder während der Ferien, im Freibad. Sowieso liege die Verantwortung, Kindern das Schwimmen beizubringen, nicht allein bei der Schule, sondern ebenso bei den Eltern. Auch DRLG-Kurse seien denkbar. Um diese zu unterstützen, könnte die Gemeinde das angesparte Geld (etwa eine Millionen) für den Bad-Neubau in die Hand nehmen und den Kindern den Transport zahlen. Ohnehin sei Blockunterricht effektiver als Schulschwimmen.

Die zweite Alternative: ein Zweckverband, gemeinsam mit den Kommunen, die Schulschwimmbedarf angemeldet haben. »Mömlingen«, gibt die BI zu bedenken, »ist von allen interessierten Gemeinden die finanzschwächste, warum sollten wir das Projekt allein stemmen?« Ein zentraler Standort des Bades würde die Anfahrtszeiten für alle verringern. Das wäre allerdings wohl nicht in Mömlingen, sondern eher in Obernburg.

PRO

Scholtka sieht »Bayern schwimmt« kritisch. »Mit Blockunterricht stellt man nicht die Schwimmfähigkeit her. Übung macht den Meister.« Schulamtsdirektor Wohlmuth stimmt zu. »Heutzutage gehen nur wenig Eltern mit ihren Kindern regelmäßig ins Bad.« Erst im Jugendalter sei das »trendy«, die Jugendlichen könnten dann aber mangels Übung oft nicht gut schwimmen. Natürlich, so Wohlmuth, könnte die DLRG Kurse anbieten. »Aber es fallen ja nicht immer zufällig genau die ins Wasser, die bei solchen Kursen waren.« Auch Schwimmenlernen im Freibad sei wegen Witterung und der Abtrennung von öffentlichem Betrieb und Unterricht schwierig.

Dass Scholtka den Vorschlag eines Zweckverbands vorschnell verworfen haben soll, weist er von sich. Er habe mit den Bürgermeistern von Obernburg, Großwallstadt und Niedernberg gesprochen, das Szenario als unrealistisch empfunden. Denn: Unterm Strich käme Mömlingen ein Verband teurer als ein eigenes Bad. Es würden Verwaltungskosten anfallen, die die Kommunen teilen müssten, vermutlich vierteln. Scholtka geht von 25 000 Euro für Mömlingen aus. Auch würde das Ehrenamt seiner Meinung nach in seinem solchen Konstrukt nicht funktionieren. Mehrkosten an Personal für Mömlingen: 100 000 Euro. Die Gemeinden müssten einen Kredit aufnehmen und tilgen. Auch Rücklagen für Abschreibungen müssten sie tatsächlich bilden. Mehrkosten für Mömlingen: 150 000 Euro. Insgesamt also 275 000 Euro an laufenden (Mehr-)Kosten für jede der vier Kommunen. Und zumindest das Freibad in Großwallstadt müsste in den Zweckverband aufgenommen werden. »Das zahlen wir mit«, sagt Scholtka. Dieses Bad wird (exklusive kalkulatorischer Kosten) mit einem jährlichen Defizit von etwa 297000 Euro betrieben.

Das Mömlinger Hallenbad vor dem Abriss.
Foto: Förderverein Hallenbad

 

SONSTIGES

Die BI äußert Bedenken gegen das Gutachten von Andreas Ziegenrücker, Chef der CMD Bäderbetriebsberatung in Kirch (Rheinland-Pfalz). Dieser rechne zum Beispiel Einnahmen von DLRG-Stunden in sein Betriebskonzept ein. „Uns ist doch klar, dass die DLRG für ihre Stunden keinen Eintritt zahlen wird, wenn sie außerdem die Aufsicht übernimmt“, so die Initiative.

Auch habe Ziegenrücker „freihändig“ das Betriebskonzept angepasst, sei von weniger Schulstunden (19 in der Woche statt Scholtkas 50) und mehr öffentlichem Badebetrieb (57 Stunden statt Scholtkas 26) ausgegangen. Darüber hinaus zweifelt die BI die Unabhängigkeit des Gutachters an. CMD betreibe „selbst Bäder“ und verfolge „geschäftliche Interessen“.

Gutachter Ziegenrücker wehrt sich: „Wir haben die Belegzeiten sowie Besucherzahlanalysen in Relation zu über zehn Betrieben gesetzt und anhand uns vorliegender Daten beurteilt. Eine freihändige Änderung erfolgte zu keinem Zeitpunkt.“ Auch stellt er klar: Die CMD betreibe keine Bäder, sie habe „die Betriebsführung inne, damit die Bäder nicht geschlossen werden“, meist zum Selbstkostenpreis.

Scholtka sagt, die BI „vermische“ in diesem Punkt die Fakten. Denn bei den Betriebskonzepten handele es sich um zwei verschiedene. Er selbst wolle das Bad über einen Verein und eine Aufwandsentschädigung für Ehrenamtler abwickeln. Ziegenrücker präferiere, den Ehrenamtlern ihre Stunden zu zahlen. Scholtka habe ein Risiko-Gutachten in Auftrag gegeben, um zu prüfen, welches der Konzepte besser passe. Dieses Gutachten liege nun auf Eis. Denn bis die Bürger über das Bad entschieden haben, darf nichts unternommen werden, um das Projekt voranzutreiben.

Auch sei der Initiative nach einiger Aussage die Einsicht des Gutachtens erschwert worden. Vogel, Fickler und Schlesinger seien alle berufstätig, hätten um ein Zusenden der Daten gebeten, um nicht extra während der Öffnungszeiten aufs Rathaus zu müssen. Ihnen sei mitgeteilt worden, dass das Gutachten allein dort einzusehen wäre. Schikane, findet die BI. Gutachter Ziegenrücker: „Die Gemeinde Mömlingen hat uns für ein sogenanntes Privatgutachten beauftragt.“ Die Rechte daran seien vollständig auf die Gemeinde übergegangen. „Wir sind gezwungen, vollumfänglich der Datenschutzgrundverordnung zu folgen. Eine Vervielfältigung haben wir der Gemeinde untersagt, da unsere Arbeiten zum Teil bereits von Mitbewerbern verwendet wurden“, so Ziegenrücker.

Auch habe Scholtka der BI untersagt, Informationen über ihr Begehren im Amtsblatt zu veröffentlichen. Dazu der Bürgermeister: „Das Amtsplatt ist nicht die Plattform für politische Diskussionen.“

Die Initiative wirft dem Rathauschef außerdem vor, unzureichend über das Thema Hallenbad informiert zu haben. Erst bei der Bürgerversammlung im Juli habe Scholtka ein Zahlenwerk vorgelegt. „Ein unvollständiges“, wie Schlesinger betont. Der Rathauschef kontert: Seit seinem Amtsantritt 2008 habe er jede Bürgerversammlung selbst gehalten und stets den aktuellen Stand beim Hallenbad-Thema vorgetragen. „Ich mache mir da keinen Vorwurf.“

Nachdem die BI gegen das Bad am 4. Februar ihre Unterschriften (insgesamt 601, gültig 593) im Rathaus abgegeben hatte, gründete sich eine Pro-Bad-BI aus Förderverein und DLRG. Vogel, in Vertretung für die BI, schreibt in einem Leserbrief an das Main-Echo: „Der Bürgermeister hat jetzt noch ein zweites Bürgerbegehren ins Leben gerufen, mit dem das erste ausgehebelt werden soll.“

Zum Vorwurf, er habe die Pro-Bad-BI selbst ins Leben gerufen, sagt Scholtka: „Ich habe die Befürworter gebremst, als sie zu mir gekommen sind. Und gesagt, solange die Unterschriften gegen das Bad noch nicht vorliegen, macht es keinen Sinn, wenn ihr Unterschriften für das Bad sammelt.“ Natürlich kenne er die Leute und natürlich hätten sie ihn gefragt, ob „wir da etwas machen können“. Aber er habe die BI nicht ins Leben gerufen. Die Pro-BI hatte ihre Unterschriften am 19. Februar eingereicht, anschließend noch weitergesammelt. Am Ende kam sie auf 1100 Signaturen, davon sind 1042 gültig.

Auch bei der Planung hat die Gegen-BI Bedenken. „Architekt Stephen Knapp hat noch kein kommunales Bad gebaut“, merkt Vogel an. Das in Miltenberg sitzende Büro Knapp hatte die Schwimmbad-Planung vorerst übernommen und dem Gemeinderat vorgestellt.

Und obwohl Scholtka hätte wissen müssen, dass ein so teures Projekt europaweit ausgeschrieben werden muss (europaweiter Schwellenwert für ein Architektenhonorar, das eine Wettbewerb bedingt: 221 000 Euro), habe er den Architekten bereits mit der Genehmigungsplanung (Leistungsphase IV) betraut und Kosten generiert. Und dass obwohl Knapp aufgrund »mangelnder Erfahrung« bei einer europaweiten Ausschreibung nach Meinung der BI wohl nicht den Zuschlag für den Bau bekommen würde.

Dass Knapp noch kein kommunales Bad gebaut hat, gibt Scholtka zu. Bei der Planungen seien aber eine Reihe von Fachbüros und Experten zusammengekommen. Und im Grunde sei „der Beton im Hallenbad der gleiche wie in einem Wohnhaus“. Auch sei es eine „lässliche Sünde“, die Leistungsphase IV bereits vor einem europaweiten Wettbewerb zu vergeben. „Wir wollten das Risiko minimieren und tiefer in die Planung einsteigen“, sagt Scholtka. „Mir war es wichtig, den Entwurf nicht erst beim europaweiten Wettbewerb enger zu ziehen, weil ich den Planer dann nicht hätte führen können. Ich wollte Mitspracherecht.“ Architekten hätten oft Wünsche, die teurer würden. „Ich will aber den Industriestandard, so wenig Risiko und so wenig Kosten wie möglich“, sagt der Rathauschef. Außerdem habe der Architekt der Gemeinde die Kosten für die Planung erlassen, weil Scholtka derart viel davon selbst übernommen habe.

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