Christopher Betzwieser aus Eschau malt in der Coronazeit große, ausdrucksstarke Bilder

Farben, Figuren und Fingerspitzengefühl

Eschau
2 Min.

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Christopher Betzwieser imitiert sein Bildnis.
Foto: Anja Keilbach
Die Ente aus dem Bild "Nachdenker": Süß schaut sie, dabei hat sie einen ernsten Hintergrund.
Foto: Anja Keilbach
Die Pinsel sind Christopher Betzwiesers wichtigstes Ausdrucksmittel.
Foto: Anja Keilbach
Die Kor­ken­zie­her­löck­chen, die Fr­an­zo­sen­müt­ze und der far­ben­be­spritz­te Ma­ler­man­tel sei­nes Opas wa­ren lan­ge die Mar­ken­zei­chen des Mil­ten­ber­ger Kir­chen­ma­ler­meis­ters und Künst­lers Chri­s­to­pher Betz­wie­ser. Aber die Lo­cken sind schon lan­ge ab, die Müt­ze und der Ma­ler­kit­tel hän­gen in sei­nem Ate­lier an der al­ten Staf­fe­lei sei­nes Großva­ters. In den ver­gan­ge­nen Jah­ren hat sich der frei­schaf­fen­de Künst­ler et­was ve­r­än­dert. Er hat Al­tes ab­ge­st­reift und sich neu ori­en­tiert - rä­um­lich, in­ner­lich und äu­ßer­lich. Wäh­rend der Co­ro­na­zeit er­hielt die Ve­r­än­de­rung ei­nen wei­te­ren Schub. In die­ser Zeit sind neue groß­for­ma­ti­ge Bil­der ent­stan­den, die zum Nach­den­ken an­re­gen.

Schon Betzwiesers Vater und Großvater waren mit Leidenschaft Maler. Seit fast 40 Jahren bewegt sich nun auch Christopher Betzwieser zwischen allen möglichen Farben, Pinseln, Goldpapierchen, Staffeln, Leinwänden, Gerüsten und Baustellen. Er malt in luftigen Höhen, drinnen und draußen bei Wind und Wetter. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Wand-, Decken-, und Bodenmalerei, Illusionsmalerei, Denkmalpflege und Restaurierungen. Und es gibt fast nichts, was er im Laufe seiner langen und aufregenden Malerkarriere nicht erlebt hat. Einmal habe er das Mobiliar der usbekischen Präsidententochter vergoldet, auch war er schon in den vornehmen Bauten in Monte Carlo. Aktuell geht es nüchterner zu: Sieben Projekte der Denkmalschutzbehörde Bamberg hat er zu bearbeiten.

Sehnsucht nach Stille

Wie fast alle Malerinnen und Maler bevorzugt Betzwieser die Stille. Sein Atelier in Mönchberg liegt abgelegen mitten in der Natur. Dennoch ist es dem Künstler gerade rundherum »zu laut«. Die Menschen seien derzeit durch die lange Pandemiesituation so aufgebracht, stellenweise sehr gereizt. Darüber grübelt er. Mit seinen großformatigen Bildern möchte er dagegenhalten. Sie sollen den Betrachter zum »Runterfahren« animieren und einen kritischen Blick auf sich selbst und das eigene Umfeld richten.

Gleich zwei Gemälde, beide Acryl auf Leinwand, fallen im Atelier ins Auge: »Head in the Clouds - Die Erkenntnis« und der »Nachdenker«. Beim ersten hat er sich Folgendes gedacht: »Inspiriert hat mich Magrittes Selbstportrait »Sohn des Menschen« aus 1964. Ich will hier ebenfalls einen Sohn des Menschen darstellen. Nicht als Selbstporträt, sondern als Abbild eines Menschen, der durch seine Haltung und seine Kleidung eine gewisse Macht, Überlegenheit und Verantwortlichkeit ausstrahlt. Der durch die Wolken getru?bte Blick, zeigt die Unfähigkeit, klar zu sehen und die Verantwortlichkeit wahrzunehmen«. Ein Seitenhieb auf die derzeitige Politik.

Scheinbar Alltägliches

Der »Nachdenker« ist ebenfalls ein Hingucker und hat es in sich: »Die Grundidee war es, der auferlegten Ruhe und Ungeselligkeit, welche die inzwischen zwei Jahre andauernde Krise mit sich bringt, etwas durchaus Positives abzugewinnen. Aufmerksamkeit fu?r sich und sein nächstes Umfeld aufzubringen, u?ber Alltägliches oder Selbstverständliches nachzudenken, das gerade jetzt eben nicht mehr selbstverständlich ist. Meine Gliederpuppe, die geduldig auf der Fensterbank meines Ateliers sitzt, brachte mich auf diese Idee. Und sie sollte somit auch zum Protagonisten dieses Bildes werden«, so Betzwieser.

In Zukunft möchte Christopher Betzwieser auf jeden Fall neben seinen Jobs sich mehr Zeit und Freiheit für das Bildermalen nehmen. Er möchte nicht nur als der Handwerker, Kirchenmaler oder Vergolder mit all seinen Fähigkeiten wahrgenommen werden, sondern auch als freischaffender Künstler, der die Themen und Gedanken, die ihn beschäftigen, auf Leinwand bringen kann.

Zur Person: Christopher Betzwieser

Geboren ist der Miltenberger im November 1964. Nach seiner Ausbildung zum Maler und Lackierer ging er in Süddeutschland von 1991 bis 1993 auf die Walz, um das Handwerk des Kirchenmalers zu erlernen. Kurz darauf besuchte er die Meisterschule für Kirchenmaler und Vergolder in München mit Abschluss. Seit 1995 arbeitet er selbstständig. Betzwieser stellte bereits in zahlreichen Ausstellung aus wie zum Beispiel im Foyer des Landratsamtes, in Baden-Baden in der Galerie "Kleiner Prinz", Kunstraum Miltenberg, Altes Gefängnis, Kino Passage und viele mehr. Mehr Infos unter www.betzwieser.info.

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