Bewegung macht Kinder fit im Alltag

Workshop: Mönchberger Grundschüler trainieren mit Birgitta Leimeister die Aufmerksamkeit und ihr Selbstbewusstsein

Mönchberg
2 Min.

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Auf den ersten Blick sieht es aus wie eine außer Kontrolle geratene Turnstunde: Überall laufen und springen Kinder durch den Raum, ausgelassen und laut schreiend. Einige von ihnen jagen weißen Blättern aus Schulblöcken nach.
Bewegung verspricht Kindern Erfolgserlebnisse. Birgitta Leimeister will so deren Selbstbewusstsein und gegenseitige Aufmerksamkeit stärken.

Foto: Andreas Göbel
Immer in die Augen schauen
Die Worte kommen von einer Frau mit einem orangefarbenen Tuch um den Kopf, die vorher im Gewühl gar nicht richtig aufgefallen ist. Die Kinder reagieren tatsächlich. Langsam wird es still in der Turnhalle, das Trampeln der vielen kleinen Füße wird leiser. Am Ende stehen die Kinder still und sind ganz damit beschäftigt, die Blätter auf den offenen Handflächen zu balancieren. »Der Trick ist es, so viel Schwung mit den Armen zu erzeugen, dass die Blätter ohne festzuhalten an den Händen bleiben«, verrät die Kursleiterin den Erst- und Zweitklässlern.
Die Frau in Orange heißt Birgitta Leimeister. Sie leitet den Bewegungsworkshop, der für die Kinder der ersten und zweiten Klassen der Mönchberger Grundschule angeboten wird. Schon steht die nächste Übung an. Dabei stehen sich die Kinder gegenüber und ahmen die Bewegungen ihres Gegenübers nach. »Und denkt daran, Euch immer in die Augen zu schauen, damit ihr Euren Partner richtig wahrnehmen könnt.« Zuerst wissen viele wenig mit der neuen Aufgabe anzufangen, aber bald macht es sichtlich Spaß.
»Eigentlich geht es bei dem, was ich hier mache, um ganz banale Dinge: Ängste abbauen, Achtsamkeit auf den Mitmenschen entwickeln, das Selbstbewusstsein stärken. Dinge, die im normalen Schulunterricht oft zu kurz kommen.« Das Traurige sei, dass heute vielen Kindern diese Grundlagen völlig fremd seien. »Manche Lehrer sind mit der vielen Arbeit und den riesigen Klassen schlichtweg überfordert«, so Leimeister. Viel zu wenig Geld fließe in dringend nötige Zusatzangebote für die Schüler. Mit ihrem Kurs will Birgitta Leimeister helfen, dieses Problem zu beheben. »Die Workshops sollen die Kinder stärker machen. Wer hier Erfolgserlebnisse hat, kann andere Defizite damit ausgleichen, zum Beispiel wenn es mit den Noten nicht so klappt.«
Mehr Aggression und Gewalt
Es sei bemerkenswert, dass es nie eine Kindergeneration gegeben habe, die in solch einem Luxus aufgewachsen sei und dabei so mürrisch, übersättigt und überdrüssig erscheine, so Leimeister. Aggression und Gewalt steigen immer mehr. »Dabei sind Kinder in hohem Maße lernbegierig und kreativ. Aggression muss nichts Schlimmes sein. Man muss lernen, sie in die richtigen Bahnen zu lenken.« Das Wahrnehmungs- und Verhaltenstraining könne dabei helfen. Durch das »körperliche Lernen« sollen motorische Fähigkeiten ohne Stress geschult werden.
Überschuss als Spende für Indien
Nach der eineinhalbstündigen Lektion ist auch die Kursleiterin sichtlich erschöpft, immerhin sind die Kurse in den Schulen für die hauptberufliche Hutmacherin Neuland. »32 Kinder sind eigentlich zu viel für so einen Workshop«, fasst sie nach der Stunde zusammen. Bislang hatte Birgitta Leimeister Kurse in der alten Mönchberger Kleiderfabrik angeboten, mit bedeutend kleineren Gruppen. Bei einem Besuch an der Schule entstand die Idee für den Workshop.
Das Projekt an der Grundschule läuft nun erst einmal sechs Wochen, alles weitere ist von den Finanzen der Schule abhängig. »Was nach Abzug der Unkosten übrigbleibt, geht als Spende an eine Schule in Indien. Ich mache das in erster Linie für die Kinder«, fasst Leimeister ihr Engagement zusammen. Das hat sich mittlerweile auch im Landkreis herumgesprochen. Einige andere Schulen haben bereits Interesse angemeldet. »Ich hoffe, dass in Zukunft mehr solche Angebote entstehen. Die Kinder profitieren ungemein davon«, so Leimeister. »Ich werde auf jeden Fall weitermachen.«
Andreas Göbel
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